Pfaffenpforte (Nordtor)
Das römische Nordtor Kölns – einst dreibogiger Hauptzugang, heute als Rest auf der Domplatte und im Römisch-Germanischen Museum erhalten.
seit 100
Die Pfaffenpforte, auch Nordtor genannt, war eines der wichtigsten römischen Stadttore Kölns und lag zwischen den heutigen Straßen Unter Fettenhennen und Burgmauer in der Altstadt-Nord. Ihr südliches Gegenstück in der römischen Stadtmauer war die Hohe Pforte.
Auf einen Blick
- Lage
- Altstadt-Nord, Unter Fettenhennen / Burgmauer, am Rand der heutigen Domplatte
- Bauzeit
- umstritten – vieles spricht für die flavische Zeit (etwa 50–90 n. Chr.), einzelne Hinweise deuten auf das 3. Jahrhundert
- Bauform
- dreibogige Toranlage, rund 30,50 m breit, 11,60 m tief, mit zwei quadratischen Türmen (je 7,60 m Seitenlänge)
- Funktion
- Hauptzugang der Stadt; durch die mittlere Durchfahrt lief der Cardo maximus Richtung Novaesium (Neuss)
- Namensherkunft
- benannt nach den „Pfaffen“ (Domgeistlichen), die den Dom besuchten – damals positiv gemeint
- Heutiger Zustand
- ein erhaltener Seitendurchgang (Replik) steht auf der Domplatte; Originalfragmente im Römisch-Germanischen Museum
Altersvergleich
Ältester Ort in diesem Vergleich
Alter im Vergleich mit anderen Orten in Köln.
Geschichte und Aufbau
Das Nordtor war eine mächtige, tunnelartige Anlage: Die mittlere Durchfahrt war über 11 Meter lang, rund 5,60 Meter breit und für Fuhrwerke sowie ganze Truppeneinheiten ausgelegt. Zwei schmalere Seitengänge von jeweils 1,90 Meter Breite blieben den Fußgängern vorbehalten. Errichtet wurde das Tor aus römischem Kalkmörtel und Werksteinen aus Basalt, Trachyt, Grauwacke und Kalkstein; bis zum Dachfirst erreichte es rekonstruiert eine Höhe von 27,50 Metern.
Der überspannende Mittelbogen konnte rekonstruiert werden. An seiner Nordseite meißelte man im 3. Jahrhundert nachträglich die Buchstaben CCAA (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) in die Archivolte. Kannelierte Pilaster rahmten die Durchgänge, deren Reste am erhaltenen Seitentor noch sichtbar sind. Eine Rille an der Westseite des Torrests zeigt, wo das Fallgitter der mittleren Durchfahrt hing – ein Beleg dafür, dass das Tor zweigeschossig war. Offiziell hieß es „Porta clericorum“ oder „Porta paphia“, was auf eine Verehrung der Göttin Venus hindeutet.
Die Sage vom Kampf mit dem Löwen
Über dem Tor ist ein Löwenkopf angebracht, der an eine Kölner Sage erinnert. Ihr zufolge sollte Bürgermeister Hermann Gryn im Jahr 1262 auf Betreiben zweier Domherren des Erzbischofs Engelbert II. von Falkenburg einem Löwen zum Fraß vorgeworfen werden. Gryn tötete das Tier jedoch. Als am nächsten Tag der spätere König Rudolf I. nach Köln kam und davon erfuhr, ließ er die beiden Domherren an einem Balken der Pfaffenpforte aufhängen. Die Erzählung steht sinnbildlich für den langen Streit zwischen Stadt und Erzbischof. Erst nach dieser Episode bürgerte sich der Name „Pfaffenpforte“ ein – schriftlich erstmals in der Koelhoffschen Chronik von 1499, während Arnold Mercators Stadtansicht von 1570 sie als „Paffen pforts“ verzeichnet.
Umbauten und Abriss
Schon um 1076 wurde das Tor mit einem Solarium – einer Sonnenterrasse mit Erker – überbaut, und die angrenzende mittelalterliche Domdechanei veränderte es im Lauf der Jahrhunderte weiter; Renovierungen sind für 1606, 1616 und 1621 belegt. Bis 1657 blieb das Nordtor weitgehend bestehen, der zentrale Bogen diente weiter als Durchgang, nicht mehr aber als Stadteingang. Mit der Freilegung der Domumgebung und der Verbreiterung der Straße Unter Fettenhennen wurde das Bauwerk ab 1826 abgerissen.
Verbleib der Überreste
Nach dem Abriss gingen die Bauteile getrennte Wege. Der landseitige Haupttorbogen gelangte 1827 in das Wallrafsche Museum, wurde ab 1883 in eine Schulwand an der Pipinstraße eingemauert und überstand dort sogar die Zerstörung der Schule im Zweiten Weltkrieg; seit März 1974 sind diese Originalfragmente im Römisch-Germanischen Museum ausgestellt. Der östliche Seitenbogen – das Fußgängertor – wurde 1892 wiederentdeckt, 1896 zunächst versetzt und später an einen Standort nahe seinem ursprünglichen Fundort zurückgebracht.
Heute
Ein erhaltener Teil des Tores steht als Replik auf der Domplatte, unmittelbar neben dem Kölner Dom, und lässt die Dimension der römischen Anlage erahnen. Die zugehörigen Originalfragmente zeigt das nahe Römisch-Germanische Museum. Die Fundamente des Nordtors haben sich bis heute am ursprünglichen Ort erhalten – sie liegen nun in der Tiefgarage unter der Domplatte.
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Quellen & Links
- Offizielle Website
- Offizielle Website (abgerufen 2026-08-13)
- Wikidata (abgerufen 2026-08-12)
- Wikipedia (abgerufen 2026-08-12)
Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-08-12
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