St. Maria ad Gradus
Abgetragene romanische Stiftskirche östlich des Doms — heute erinnert nur die „Domsäule" am Ostchor an sie.
Östlich des Kölner Domes, zwischen Dom und Rhein, stand einst die romanische Stiftskirche St. Maria ad Gradus („Maria zu den Stufen", im Volksmund St. Mariengraden). Sie besaß einen eigenen Immunitätsbezirk und ist heute verschwunden.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Ehemalige romanische Stiftskirche mit eigenem Immunitätsbezirk
- Lage
- Altstadt-Nord, zwischen Dom und Rhein
- Vollendung
- vermutlich um 1062
- Maße
- rund 55 m lang, 42 m breit
- Bauform
- zweichörige Basilika mit West- und Ostquerschiff
- Stifter
- Erzbischof Hermann II.
- Abriss
- 1817
Von der gesamten Stiftskirche St. Maria ad Gradus ist heute nur eine einzige Säule mit Kapitell erhalten – sie steht am Ostchor des Kölner Doms und ist als „Domsäule" das letzte sichtbare Überbleibsel des einst 55 Meter langen Kirchenbaus, der 1817 abgerissen wurde.
Altersvergleich
Alter im Vergleich mit anderen Kölner Orten.
Geschichte
Die Kirche entstand an der Stelle einer zum Dom gehörenden Taufkirche. Erzbischof Anno II. bestätigte 1075 urkundlich, dass das Stift nach Hermanns Plänen und aus dessen Mitteln errichtet worden sei; begonnen wurde der Bau bereits unter Hermann. Mit der Übertragung von Reliquien des heiligen Agilolf dürfte er um 1062 abgeschlossen gewesen sein. 1085 fiel die Kirche einem Brand zum Opfer, wurde danach erneuert und später gotisch erweitert.
Bau am Dom
Ein doppelter Säulengang, der sich zur Innenseite hin öffnete, verband den Bau mit dem Dom. Die beiden Querschiffe lagen im Westen und im Osten.
Auflösung und Abriss
1794 besetzten die Franzosen das Rheinland, in der Folge wurden Stifte und Klöster aufgehoben. Anders als andernorts ließ sich die Kirche nicht durch eine Pfarrgemeinde retten: Groß St. Martin, Dom und St. Andreas lagen zu dicht beieinander, eine zusätzliche Pfarrkirche war hier überflüssig. Zunächst noch als Lager genutzt, wurde der Bau 1817 abgebrochen; mit der Abtragung des Domhügels gingen 1827 auch die Fundamente verloren.
Was erhalten blieb
Vom Bauwerk zeugt am Ostchor des Doms allein noch eine Säule mit Kapitell aus den Säulenhallen, die sogenannte Domsäule. Bis 1817 lagen in der Kirche die Gebeine der seligen Richeza, Königin von Polen sowie Enkelin Kaiser Ottos II. und der Theophanu; man überführte sie in den Dom. Dorthin gelangten auch Agilolphusaltar und Agilolphusschrein, während ein Kruzifix aus der Werkstatt des Meisters Tilman in die Pfarrkirche St. Lambertus in Bliesheim kam. Zwei Handschriften der Kirche sind anderswo bewahrt: ein Evangeliar (Hs. 1a) in der Diözesanbibliothek Köln und das Richeza-Evangeliar (Hs. 544) in der Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt.
Die verstreuten Glocken
Mindestens drei Glocken waren bis zum Abriss vorhanden. Eine der Gottesmutter und Allen Heiligen geweihte Glocke von 1356 mit 1,17 Metern Durchmesser kam nach St. Mauritius in Bachem und ist dort bis heute erhalten. Zwei weitere, 1416 und 1424 von Christian Duisterwalt gegossen und ebenfalls der Gottesmutter geweiht, hängte man an St. Peter; die kleinere von beiden überstand den Zweiten Weltkrieg und wurde 1960 geschweißt.
Zeitstrahl
- um 1062Bau vollendet; Reliquien des hl. Agilolf übertragen
- 1075Urkunde Erzbischof Anno II. bestätigt Stiftung durch Hermann II.
- 1085Kirche brennt ab; anschließend Wiederaufbau
- 1356Glocke der Gottesmutter gegossen (Ø 1,17 m)
- 1794Französische Besetzung: Stift aufgelöst
- 1817Kirchenabbruch; Gebeine Richezas in den Kölner Dom überführt
- 1827Fundamente beim Abtragen des Domhügels verloren
Karte
Blaue Punkte: andere Orte in der Nähe – zum Stöbern antippen.
Das könnte dich auch interessieren
Kommentare
- Lade Kommentare…
Quellen & Links
Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-06-27




