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© Jörg Wiegels · CC BY-SA 3.0

Abtei Deutz

1002 gegründetes Benediktinerkloster in Köln-Deutz; aus seiner Kirche Alt St. Heribert stammt der goldene Heribertschrein.

Indoor

In Köln-Deutz, an der Stelle des früheren römischen Kastells Divitia, bestand das Benediktinerkloster Abtei Deutz. Seine Kirche Alt St. Heribert zählt wegen ihrer wiederaufgebauten romanischen Bauteile zu den 13 kleinen romanischen Kirchen, die der Förderverein Romanische Kirchen Köln betreut.

Auf einen Blick

Art
Ehemaliges Benediktinerkloster mit erhaltener Klosterkirche
Lage
Stadtteil Deutz, Stadtbezirk Innenstadt
Gründung
1002 durch Erzbischof Heribert von Köln (Wikidata nennt 1001)
Heutiger Kirchenbau
1659–1663 auf dem alten Fundament errichtet, barock ausgestattet
Denkmalschutz
Baudenkmal in Nordrhein-Westfalen
Heutige Nutzung
Gottesdienststätte der griechisch-orthodoxen Gemeinde; im Klostergebäude eine Senioreneinrichtung der Caritas
Wusstest du?

Die Abteikirche wurde zwischen 1659 und 1663 auf ottonischen Grundmauern errichtet – dabei übernahmen die Baumeister den geschwungenen Grundriss des mittelalterlichen Kuppelbaus, sodass die Außenwände der Seitenschiffe noch heute in einem auffälligen Bogen verlaufen und den Umriss des längst verschwundenen Zentralbaus von 1020 unsichtbar im Grundriss konservieren.

Altersvergleich

Alter im Vergleich mit anderen Kölner Orten.

Gründung und Mittelalter

Auf Heriberts Veranlassung entstand das Kloster 1002, in das Benediktinermönche einzogen. Als Berater Kaiser Otto III. hatte er diesem am Sterbebett zugesagt, zu Ehren der Heiligen Maria ein Kloster ins Leben zu rufen. Die romanische Abteikirche weihte Heribert 1020; nach seiner Bestattung dort im Folgejahr ging sein Name auf die Kirche über. Als Abt wirkte von 1121 bis 1129 Rupert von Deutz (gestorben 1129), ein Benediktinermönch aus Lüttich und bedeutender Theologe seiner Zeit.

© Anton Woensam (Anton von Worms) · Public domain

Der Heribertschrein

1147 erhob man die Gebeine des Heiligen Heribert und bettete sie in einen kostbaren Schrein. Dieser goldgeschmiedete Heribertschrein steht seit 1896 in der gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Pfarrkirche Neu St. Heribert im Zentrum von Deutz.

© Chris06 · CC0

Zerstörung und Wiederaufbau

Wegen der Lage am Rhein geriet der Ort wiederholt in Kämpfe; im 14. wie im 16. Jahrhundert fiel die Anlage Zerstörungen zum Opfer und wurde jeweils erneuert. Das bestehende Gebäude der einstigen Klosterkirche ging zwischen 1659 und 1663 aus dem alten Fundament hervor. Den nicht erhaltenen Zentralbau, der sich an der Aachener Pfalzkapelle orientiert hatte, ersetzte eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit zwei Chorflankentürmen. Da man die ottonischen Grundmauern beibehielt, beschreiben die Außenwände der Seitenschiffe einen Bogen, an dem sich der Umriss des Vorgängerbaus noch erkennen lässt.

© unknown · Public domain

Baugeschichtliche Einordnung

Die Basilika gilt als Beispiel für das Weiterleben gotischer Formen nach dem Mittelalter (Nachgotik) und zugleich für früh einsetzende Ansätze der Neuromanik am Ausgang des Mittelalters.

© Chris06 · CC BY-SA 4.0

Vom Kloster zur orthodoxen Kirche

Napoleon ließ das Kloster aufheben; 1804 stieg die Klosterkirche zur Pfarrkirche von Deutz auf, weil das Rheinhochwasser von 1784 die vorherige Kirche beschädigt hatte. Seit den 1990er Jahren nutzt die griechisch-orthodoxe Gemeinde Kölns den Bau; im Chor steht eine Ikonostase.

© Michael Musto · CC BY-SA 4.0

Klostergebäude heute

Im Zweiten Weltkrieg trug das Klostergebäude schwere Schäden davon, von denen nur das Erdgeschoss sowie Teile des Gewölbekellers verschont blieben. Der Wiederaufbau fiel in die 1970er Jahre; die unter Denkmalschutz stehende Fassade gibt das historische Erscheinungsbild wieder. Im Inneren finden sich Wandgemälde von Werner Weber. Auf der Süd-West-Seite steht ein Stahlkreuz, dessen Sockel die Inschrift „ERECTA 1666 RENOVATA ET BENEDICTA IN SANCTA MISSIONE 1868“ trägt.

Zeitstrahl

  1. 1002
    Gründung der Abtei durch Erzbischof Heribert von Köln
  2. 1020
    Weihe der großen romanischen Abteikirche durch Erzbischof Heribert
  3. 1021
    Beisetzung der sterblichen Überreste Heriberts in der Kirche
  4. 1147
    Erhebung der Gebeine Heriberts und Bettung in kostbaren Schrein
  5. 1659–1663
    Neubau der Klosterkirche auf ottonischen Grundmauern
  6. 1804
    Klosterkirche zur Deutzer Pfarrkirche erhoben (Säkularisierung)
  7. 1896
    Heribertschrein überführt in die neue Pfarrkirche Neu-St. Heribert
  8. 1990er
    Klosterkirche wird Gottesdienststätte der griechisch-orthodoxen Gemeinde Köln

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