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© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

Hermann-Josef-Brunnen

Reich figürlicher Brunnen von 1894 am Waidmarkt, der die Legende vom „Apfelheiligen" Hermann Joseph erzählt und als Höhepunkt im Werk des Bildhauers Wilhelm Albermann gilt.

seit 1894

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Am Waidmarkt in der Altstadt-Süd steht ein Brunnen, der eine ganze Bildergeschichte erzählt: unten raufende Knaben, ganz oben ein Junge, der dem Jesuskind einen Apfel reicht. Gestiftet wurde er 1894 vom Kölner Verschönerungsverein, ursprünglich als Laufbrunnen.

Auf einen Blick

Art
Skulpturaler Brunnen, ursprünglich Laufbrunnen, heute reiner Zierbrunnen
Bildhauer
Wilhelm Albermann
Gestiftet
1894 vom Kölner Verschönerungsverein
Thema
Leben und Legende des „Apfelheiligen" Hermann Joseph von Steinfeld
Material
Heimischer wetterfester Sandstein und Basaltlava (Wettbewerbsvorgabe)
Maße
6,80 m hoch, 6,30 m breit, 4,50 m tief — nach anderen Angaben rund 8 m Höhe
Lage
Waidmarkt, Köln-Altstadt-Süd, nördlich von St. Georg
Denkmalschutz
seit 1. Juli 1980, Denkmalliste der Stadt Köln Nr. 164
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Der Brunnen sollte Schulkinder mit dem frommen Hermann Joseph erziehen — überliefert ist allerdings, dass die Kinder eher ihren Schabernack mit ihm trieben. Und weil ab 1903 die Straßenbahn direkt vorbeifuhr, galt der Andachtsort manchen bald als urbane Fehlplanung.

Altersvergleich

Alter im Vergleich mit anderen Orten in Köln.

Entstehung

Nach dem Jan-van-Werth-Brunnen am Alter Markt war dies der zweite Brunnen, den der Kölner Verschönerungsverein der Stadt schenkte. Der Bürgerverein wollte Kölner Plätze neu gestalten und das Stadtbild aufwerten. 1889 schrieb er einen „monumentalen Laufbrunnen" aus, der am Waidmarkt einen Blickfang zum Platzeingang bilden sollte. Vorgegeben waren ein Budget von 15.000 Mark, die Materialien Sandstein und Basaltlava sowie eine Auswahl möglicher Figuren: Thomas von Aquin, Albertus Magnus oder Hermann Joseph, der damals noch als Seliger verehrt wurde.

In der Jury saßen Arthur Pabst, Direktor des Kunstgewerbemuseums, Stadtbaurat Josef Stübben, der Bankier Eduard von Oppenheim und der Architekt und Baurat Hermann Otto Pflaume — Letzterer im Vorstand des Vereins und ein enger Freund Albermanns. Die Entscheidung fiel auf Albermann und damit, wie schon bei Jan von Werth, auf das volkstümlichste Motiv. Weil das Geld erst zusammenkommen und der Verein mit der Stadt verhandeln musste, wurde der Auftrag erst 1893 vergeben. Im September 1894 übergab Albermann den Brunnen dem Verein, der ihn der Stadt schenkte; im Oktober folgte der Wasseranschluss, im Frühjahr 1895 ging er in Betrieb.

© Raymond - Raimond Spekking · CC BY-SA 3.0

Lage am Waidmarkt

Der Waidmarkt ist ein langgestreckter Platz an der ältesten Nord-Süd-Achse der Stadt, zwischen der Severinstraße im Süden und der Hohen Pforte im Norden, wo das historische Römerviertel beginnt. Der Name verweist auf das mittelalterliche Färberviertel und den hier gehandelten Färberwaid. Im südlichen Teil ragt der Westchor der romanischen Basilika St. Georg in den Platz; nördlich davon zweigt die Georgstraße ab. Bis zur Säkularisation stand hier auch die Pfarrkirche St. Jakob, die 1825 abgerissen wurde. Um 1880 war die Nordseite von St. Georg gründlich saniert worden — der Brunnen kam nördlich davon zu stehen, mit der Schauseite nach Norden zur Hohen Pforte.

© Wikimedia Commons · Public domain

Gestaltung

Das etwa kniehoch eingefasste Becken war ursprünglich kleeblattförmig. Daraus erhebt sich ein quadratischer Sockel mit zwei seitlichen Wasserschalen, an den Ecken mit Säulen und Kapitellen besetzt und oben von einem Gesims abgeschlossen. Unter dem Gesims speien zwei Delfinköpfe Wasser in die Seitenbecken, von wo es über jeweils fünf Delfinmasken ins untere Becken läuft.

Auf den vier Gesimsecken stehen kleine Figurengruppen: je zwei Jungen, die sich um ein Tier balgen — einen Hund, einen Fisch, einen Adler und einen Krebs. Darüber steigt eine reich profilierte achteckige Säule auf, gekrönt von einer sitzenden Madonna mit Jesuskind und dem seligen Hermann Joseph als Junge, der dem Kind einen Apfel hinhält — der Legende nach nimmt das Jesuskind ihn an.

Am Sockel steht die Signatur „Albermann fec.", der Mittelbau trägt vorn „Verschönerungsverein 1894", und zu Füßen der Marienfigur läuft der Schriftzug „S. Hermann Joseph Köln 150" um den achteckigen Aufsatz.

© Horsch, Willy - HOWI · CC BY 3.0

Symbolik

Das Brunnendenkmal sollte der „sittlichen und geistigen Erziehung des Menschen" dienen — und das ist bis ins Detail durchkomponiert. Die Brunnenanlage steht für die Erde, vier romanisierende Säulen tragen die Welt, auf der die Menschheit um irdische Güter ringt. Wie sinnlos dieses Ringen ist, zeigen die Knabengruppen: Im Streit um den Fisch kippt ein Pökelfass um, der Krebs zwickt einen Jungen in den Finger, Hund und Adler lassen sich ohnehin nicht festhalten. Ein Buch liegt unbeachtet am Rand — statt Bildung wird um Materielles gestritten. Die Madonna hoch oben auf dem achteckigen Sockel steht dagegen für die himmlische Sphäre: Hermann Joseph kniet davor, hat das weltliche Streben hinter sich gelassen und verschenkt seinen kleinen Besitz, den Apfel. Der Lohn ist Gottes Gnade.

© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

Kunstgeschichtliche Einordnung

Der Brunnen gilt als Höhepunkt im Schaffen Wilhelm Albermanns, der zehn Jahre zuvor den Jan-van-Werth-Brunnen am Alter Markt gestaltet hatte. Die Wasserspeier in Tierkopfform klingen nach Renaissance und Manierismus, die vier tragenden Säulen mit Würfelkapitellen wirken romanisierend, und der hohe achteckige Sockel erinnert an den Vierungsturm einer staufischen Kirche.

© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

Verkehr, Krieg und Wiederaufbau

Städtebaulich schloss der Brunnen die Außensanierung von St. Georg wirkungsvoll ab — als Ort moralisch-religiöser Erbauung geriet er allerdings bald in Konkurrenz zum wachsenden Innenstadtverkehr: Seit 1903 fuhr die Straßenbahn als Nachfolgerin der Pferdebahn direkt an der Nord-Süd-Achse vorbei. Manche hielten das für eine urbane Fehlplanung. Ein Luftangriff am 2. März 1945 traf den Westchor von St. Georg und beschädigte auch den Brunnen; der Luftdruck hob die Skulptur teilweise aus ihrer Verankerung. Die Denkmalpflege verhinderte nach dem Krieg einen Abriss, 1954/55 wurde der Brunnen in vereinfachter Form wiederhergestellt.

© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

Was heute fehlt

Einige Details des Originals kehrten nicht zurück: Vorn und hinten gab es zusätzlich je einen Wasserspeier als Löwenkopf, dazu vier kleine Pfeiler in Form von Pinienzapfen und auf der Rückseite eine Tränke. All das wurde nicht wieder hergestellt — aus dem Laufbrunnen wurde ein reiner Zierbrunnen.

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Heute

Heute steht der Hermann-Josef-Brunnen zwischen Bäumen. Rund um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 in unmittelbarer Nachbarschaft wurden hier Blumen, Gedenktafeln und Kerzen niedergelegt.

© Raymond - Raimond Spekking · CC BY-SA 3.0

Zeitstrahl

  1. 1889
    Ausschreibung des Verschönerungsvereins für einen monumentalen Laufbrunnen
  2. 1894
    Albermann übergibt den fertigen Brunnen, der Verein schenkt ihn der Stadt
  3. 1895
    Inbetriebnahme im Frühjahr
  4. 1945
    Luftangriff am 2. März beschädigt Brunnen und Westchor von St. Georg
  5. 1954–1955
    Wiederherstellung in vereinfachter Form
  6. 1980
    Eintrag in die Denkmalliste der Stadt Köln (Nr. 164)

Galerie

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Karte

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Adresse

Waidmarkt
50676 Köln

Öffnungszeiten

So: 00:00–24:00

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-07-16

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