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Dieses Bauwerk existiert heute nicht mehr – der Eintrag erzählt seine Geschichte.
© Theodor Creifelds · Public domain

Kölner Domkran

Ein hölzerner Drehkran, der über 500 Jahre lang auf dem unvollendeten Südturm des Kölner Doms thronte und die Silhouette der Stadt prägte – bis er 1868 dem Weiterbau weichen musste.

seit 1357

Der Kölner Domkran war ein hölzerner Drehkran, der seit dem 14. Jahrhundert auf dem im Bau befindlichen Südturm des Kölner Doms stand. Er existiert heute nicht mehr, sondern wurde 1868 abgebaut.

Auf einen Blick

Typ
Hölzerner Drehkran mit schieferverkleidetem Eichenholzgerüst
Standort
Südturm des Kölner Doms
Höhe
25,10 m von der Basis bis zur Auslegerspitze; Spitze zuletzt rund 70 m über dem Erdboden
Errichtung
um 1357 oder wenig später (14. Jahrhundert)
Tatsächliche Einsatzdauer
nur etwa 50 Jahre
Prägung des Stadtbilds
über 500 Jahre als Wahrzeichen
Maximale Last
vermutlich höchstens rund 1,5 Tonnen
Abbau
1868

Altersvergleich

Alter im Vergleich mit anderen Orten in Köln.

Zeit der Errichtung

Früher nahm man für den Bau des Krans die Zeit um 1400 oder gar um 1500 an. Neuere Forschungen zur Baugeschichte des Doms sprechen dagegen: Der Fund einer Goldmünze aus dem Jahr 1357 legt nahe, dass die Fundamente der Außenmauern des Südturms damals fertig waren. Der ehemalige Dombaumeister Arnold Wolff geht davon aus, dass der Kran nur wenig später errichtet wurde. Der Baubeginn des Südturms wird für 1355 bis 1360 angenommen; um 1410 wurden die Arbeiten dort wieder eingestellt. Damit war der Kran im Mittelalter nur etwa fünfzig Jahre lang tatsächlich im Einsatz.

© James Redaway · Public domain

Technik und Konstruktion

Frühe Kräne des Mittelalters konnten Lasten meist nur senkrecht bewegen; der horizontale Transport erforderte zusätzliche Hilfsmittel. Der Kölner Domkran dagegen konnte mit der Last eine Kreisbahn beschreiben und dank einer Seillänge von rund zwanzig Metern von der Auslegerspitze bis zum Ablageort die Last mehrere Meter aus der Vertikalen ziehen. Sein Aktionsraum war ein Kreisring, mit dem er nahezu alle Bereiche des Turmmauerwerks erreichte. Dadurch entfielen Transporte auf der Baustelle, und die Gerüste konnten leichter gebaut werden, weil sie nur noch Arbeiter und keine schweren Werkstücke tragen mussten.

Das 25,10 Meter hohe Traggerüst aus etwa 30 mal 30 Zentimeter starken Eichenbalken war mit Schiefer verkleidet und bildete einen 12,80 Meter hohen Pyramidenstumpf mit quadratischer Grundfläche; die Seitenlänge verringerte sich von 9,73 Metern an der Basis auf 4,70 Meter oben. Im Zentrum stand ein aufrechter, 15,20 Meter langer runder Eichenbalken, der „Kaiserstiel“. Er ruhte unten auf einem birnenförmigen schmiedeeisernen Dorn in einer eisernen Lagerschale und war dadurch leicht drehbar. Die Drehbarkeit diente auch dem Schutz bei Stürmen, da sich der Ausleger mit dem Wind drehen konnte. Der 13,15 Meter lange Ausleger trat waagerecht 10,55 Meter aus dem „Kaiserstiel“ heraus; zum Zeitpunkt der Einstellung der Arbeiten lag seine Spitze in etwa 70 Metern Höhe. Der Kran ruhte mit den Ecken seines Rahmens auf vier Wandstücken des Turms, sodass die Eckpfeiler zugänglich blieben. Arnold Wolff vermutet, dass der Kran bereits auf Fundamenthöhe gebaut wurde und mit dem Turm nach oben wanderte, indem man ihn nacheinander an den Ecken mit Keilen anhob – bei etwa halbjährlichem Anheben über die gesamte Bauzeit.

© Johann Franz Michiels · Public domain

Antrieb und Leistung

Für den Antrieb gibt es keine zuverlässige Überlieferung. Eine Zeichnung von Jan van Eyck aus dem Jahr 1437 zeigt einen Turm mit Baukran und einem Mann in einem Tretrad, doch ist nicht sicher, dass es der Kölner Südturm ist. Am wahrscheinlichsten gilt ein Antrieb mit einem oder zwei Treträdern, die sich im Krangehäuse oder wenig unterhalb befanden. Die verbreitete Behauptung, mit dem Kran seien die Domglocken gehoben worden, erscheint ausgeschlossen: Die Pretiosa etwa wiegt über zehn Tonnen, während für den Kran eine maximale Last von rund eineinhalb Tonnen angenommen wird. Während der etwa fünfzigjährigen Bauzeit des Südturms wurden rund 20.000 Tonnen Steine bewegt – täglich zwei bis drei Tonnen; ein einzelner Hub dauerte zuletzt etwa 20 Minuten.

© Max Hasak (1856-1934) · Public domain

Bedeutung als Wahrzeichen

Über 500 Jahre lang war der Domkran ein prägendes Element des Kölner Stadtbilds und für die Bevölkerung ein Symbol dafür, dass der Dombau nicht aufgegeben, sondern nur unterbrochen war. Die Kölner lasen an ihm die Windrichtung ab; drehte er sich nachts im Wind, drang ein charakteristisches Geräusch durch die ganze Stadt. Als 1816 auf preußische Anordnung der Ausleger abgenommen werden musste, rief das energische Proteste der Bürger hervor. Seine unverwechselbare Silhouette diente als Wahrzeichen der Stadt, wie heute die Zwillingstürme des Doms, und erscheint in zahlreichen Chroniken und Stadtansichten des 15. und 16. Jahrhunderts, etwa in der Schedelschen Weltchronik (1493) und der Koelhoffschen Chronik (1499). Noch die 1880 zur Domvollendung in den Schlussstein eingelassene Urkunde nahm auf den „Domkrahnen, das alte Wahrzeichen Kölns“ Bezug.

© Max Hasak (1856-1934) · Public domain

Abbau und Verbleib

Bis zum 19. Jahrhundert hatte die Technik dem Kran weit überlegene Fördermittel hervorgebracht: 1867 waren auf dem Nordturm drei handbetriebene Winden im Einsatz, ab 1869 zusätzlich eine Dampfmaschine. Als die Gerüste des Nordturms 1867 die Höhe des Südturms erreichten, stand der Domkran dem Weiterbau im Weg. Am 29. Februar 1868 begannen die Zimmerleute der Dombauhütte mit dem Abbau, der Ende März 1868 abgeschlossen war. Von den Bauteilen ist in ursprünglicher Form nur der schmiedeeiserne Dorn mit seinem Korb erhalten, auf dem der „Kaiserstiel“ und damit das gesamte Gewicht ruhte; er befindet sich heute in der Modellkammer der Dombauhütte. Das Holz des Krans wurde zu zahlreichen Gegenständen verarbeitet – darunter ein Kruzifix, Konsolen, Lehnstühle sowie mehrere Modelle des Krans, die teils als Tabakdosen dienten.

© Unbekannt · Public domain

Galerie

© Max Hasak (1856-1934) · Public domain · Commons
© Theodor Creifelds · Public domain · Commons
© Johann Maria Farina · CC BY 3.0 de · Commons
© Arnold Mercator · Public domain · Commons
© Johannes Franciscus Michiels · Public domain · Commons
© Laurenz Janscha · Public domain · Commons

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-08-04

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