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© Jörg Lenk · Public domain

Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln

Gedenkstein am Rheinufer für die schwulen und lesbischen NS-Opfer – 1995 als erstes von einer Gewerkschaft errichtetes Mahnmal dieser Art.

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Am Rheinufer nahe der Hohenzollernbrücke erinnert seit 1995 ein Mahnmal an die Verfolgung Homosexueller während des Nationalsozialismus. Es war das erste Mahnmal dieser Art, das von einer Gewerkschaft errichtet wurde.

Auf einen Blick

Art
Mahnmal / Gedenkstein
Lage
Rheingarten/Frankenwerft an der Hohenzollernbrücke, Altstadt-Nord
Aufstellung
24. Juni 1995
Stifterin
Gewerkschaft ÖTV Köln (heute Ver.di)
Aufschrift
„Totgeschlagen – Totgeschwiegen“
Besonderheit
erstes von einer Gewerkschaft errichtetes Mahnmal dieser Art
Wusstest du?

Das Mahnmal wurde von einer Gewerkschaft gestiftet – ein historisches Novum: die ÖTV Köln war damit die erste Gewerkschaft überhaupt, die ein spezielles Mahnmal für schwule und lesbische NS-Opfer errichtete. Der Standort direkt an der Hohenzollernbrücke war zudem bewusst gewählt, denn dort befand sich bis zu seiner Kriegszerstörung ein seit der Jahrhundertwende bekanntes Pissoir, das schwulen Männern als diskreter Treffpunkt diente.

Altersvergleich

Alter im Vergleich mit anderen Kölner Orten.

Anlass des Gedenkens

Das Mahnmal erinnert vor allem an die Verfolgung Homosexueller in der NS-Zeit. Seine Aufschrift lautet „Totgeschlagen – Totgeschwiegen, den schwulen und lesbischen Opfern des Nationalsozialismus“. Eine systematische Verfolgung von Lesben gab es in dieser Zeit nicht; sie werden dennoch ausdrücklich genannt, weil auch ihre Lebensumstände und ihre Infrastruktur betroffen waren. Die ersten beiden Worte verweisen zugleich auf die Lage der Opfer in der Nachkriegs-Bundesrepublik und auf die anhaltende Diskriminierung in der Gegenwart.

© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

Entstehung

Die Initiative ging im März 1990 vom Arbeitskreis Lesben und Schwule der ÖTV Köln aus; Jörg Lenk blieb bis zur Aufstellung die treibende Kraft. Den offiziellen Antrag stellte der DGB-Kreis Köln. Vertreter des Stadtrats wollten zunächst „schwul und lesbisch“ durch „homosexuell“ ersetzen; auf Betreiben der GRÜNEN blieb die Wortwahl den Initiatorinnen und Initiatoren überlassen. 1993 folgte eine beschränkte Ausschreibung unter 25 vom Kulturamt vorgeschlagenen Künstlerinnen und Künstlern. Eine Spendensammlung erbrachte 30.900 DM. Die Stadt erhielt das Mahnmal als Schenkung der Gewerkschaft.

© CPallaske · CC BY 4.0

Standort mit Bezug

Der gewählte Ort am Rheingarten direkt an der Hohenzollernbrücke, mit Museum Ludwig und Kölner Dom im Hintergrund, ist nicht zufällig. Die Rheingegend an der Brücke war lange ein Treffpunkt homosexueller Männer und bot die Möglichkeit anonymer Kontakte, ohne im bürgerlichen Leben als schwul bekannt zu werden. Bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg stand hier ein seit der Jahrhundertwende genutztes Pissoir; in den Nachkriegsjahren wurden die kriegszerstörten Treppentürme der Brücke als Treffpunkt umfunktioniert.

© Jörg Lenk · Public domain

Einordnung

Mit der Aufstellung 1995 entstand in Deutschland das zweite nicht als Gedenktafel gestaltete Mahnmal zum Gedenken an die Verfolgung Homosexueller. Vorausgegangen war 1994 der Frankfurter Engel, 2008 folgte das Berliner Denkmal; davor gab es im deutschsprachigen Raum nur Gedenktafeln in ehemaligen Konzentrationslagern und am Berliner Nollendorfplatz. Von dort stammen auch die Worte der Kölner Inschrift.

© Jörg Lenk · Public domain

Zeitstrahl

  1. um 1900
    Pissoir an der Hohenzollernbrücke wird schwuler Treffpunkt (seit Jahrhundertwende)
  2. März 1990
    Arbeitskreis Lesben und Schwule der ÖTV Köln startet Initiative für das Mahnmal
  3. 1993
    Beschränkte Ausschreibung unter 25 vom Kulturamt vorgeschlagenen Künstler:innen
  4. 11. Dezember 1994
    Frankfurter Engel eingeweiht – erstes nicht-tafelhaftes Homosexuellen-Mahnmal in Deutschland
  5. 24. Juni 1995
    Mahnmal in Köln am Rheinufer/Hohenzollernbrücke der Öffentlichkeit übergeben
  6. 27. Mai 2008
    Denkmal für im NS verfolgte Homosexuelle in Berlin eingeweiht

Karte

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-06-27