Justizgebäude Reichenspergerplatz
Kölns größter historischer Gerichtsbau von 1911 – heute Sitz des Oberlandesgerichts, mit einem 2009 wiederentdeckten Luftschutzbunker unter dem Vorplatz, der jeden ersten Sonntag im Monat besichtigt werden kann.
seit 1911
Der wuchtige Gerichtsbau am Reichenspergerplatz in der Neustadt-Nord prägt seit 1911 einen ganzen Häuserblock. Hinter der geschwungenen Fassade arbeitet bis heute die Kölner Justiz – und unter dem Rasen davor liegt ein begehbarer Bunker.
Auf einen Blick
- Ort
- Reichenspergerplatz 1, 50670 Köln (Neustadt-Nord)
- Eingeweiht
- 7. Oktober 1911
- Architekt
- Paul Thoemer (preußisches Ministerium der öffentlichen Arbeiten)
- Stil
- Historismus, neobarocke Formensprache
- Heutige Nutzung
- Oberlandesgericht Köln, Generalstaatsanwaltschaft, Teile des Amtsgerichts
- Status
- denkmalgeschützt
- Besonderheit
- Luftschutzbunker von 1942, besichtigbar jeden 1. Sonntag im Monat
Altersvergleich
Alter im Vergleich mit anderen Orten in Köln.
Geschichte
Das Oberlandesgericht Köln geht auf den 1819 durch König Friedrich Wilhelm III. gegründeten Rheinischen Appellationsgerichtshof zurück; seinen heutigen Namen trägt es seit 1879. Weil das ältere Justizgebäude am Appellhofplatz schon 1907 zu klein war, wurde ein Neubau am Reichenspergerplatz geplant. Die Ausschachtung begann im Oktober 1907, vier Jahre später wurde das Haus seiner Bestimmung übergeben. Bei der Einweihung galt es als größtes Gerichtsgebäude Deutschlands und war für seine Zeit hochmodern ausgestattet – mit elektrischem Licht, Fernsprechanlage, Aufzug und elektrischer Entstaubung.
Der Zweite Weltkrieg hinterließ eine Ruine. Der Wiederaufbau in den 1950er Jahren verzichtete auf große Teile des Fassadenschmucks. Bei einer umfangreichen Sanierung in den 1980er und 1990er Jahren wurde das Haupttreppenhaus mit seiner Kuppel wieder in die ursprüngliche Form gebracht.
Architektur
Der fünfgeschossige Bau umfasst einen kompletten Block und wird von fünf Straßen gerahmt. Die Hauptfassade zum Reichenspergerplatz – benannt nach dem Juristen und Politiker August Reichensperger – schwingt als konkaver Viertelbogen. Ein reich verzierter Mittelrisalit mit dem Hauptportal wird von zwei vorschwingenden Seitenflügeln gefasst; Säulen, Pilaster, Kapitelle, Konsolen und Skulpturen bestimmen den Schmuck. Über dem Portal zeigt ein Fries Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit. Der auf Wunsch Kaiser Wilhelms II. errichtete 72 Meter hohe Dachreiter wurde im Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.
Im Inneren
Hinter dem Portal öffnet sich eine hohe Eingangshalle, deren offene, symmetrische Treppenläufe den gestalterischen Höhepunkt bilden – wie bei vielen Gerichtsbauten der Zeit. Über das Zentraltreppenhaus mit Oberlicht erreicht man Sitzungssäle und Geschäftszimmer; sieben weitere Treppenhäuser liegen an den Ecken und Flurmitten. Die Flure summieren sich auf über vier Kilometer Länge und verbinden die Gebäudetrakte, belichtet durch drei große und vier kleine Innenhöfe. Ursprünglich waren ein Plenarsaal, 35 Sitzungssäle und 400 Geschäftszimmer vorgesehen. Im ersten Obergeschoss (Flur H) erinnert ein Ehrenmal an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Justizmitarbeiter.
Der Bunker unter dem Platz
Unter dem Rasen vor dem Gebäude verbirgt sich ein Luftschutzbunker von 1942: eine mehrfach abknickende, M-förmige Röhre von 1,50 m Breite und 2,20 m Höhe mit rund 200 m² Grundfläche. Die nur etwa 30 Zentimeter dicke, nicht eisenbewehrte Betondecke liegt knapp unter der Rasenkante; offiziell war die Anlage für 180 Personen zugelassen. Das Oberlandesgericht nutzte sie bis 1979 als Aktenlager, danach geriet sie in Vergessenheit. Erst 2009 wurde der Bunker wiederentdeckt – seither ist er jeweils am ersten Sonntag des Monats zu besichtigen.
Galerie
Karte
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Adresse
Reichenspergerpl. 1
50670 Köln
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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-08-20
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