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© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

Justizgebäude am Appellhofplatz (Appellhof)

Kölns ältestes Gerichtsgebäude – ein Denkmal rheinischer Rechtsgeschichte vom Appellationsgerichtshof über die NS-Sondergerichte bis zum heutigen Sitz von Verwaltungs- und Finanzgericht.

seit 1893

Das Justizgebäude am Appellhofplatz in der Kölner Altstadt-Nord ist der älteste Gerichtsstandort der Stadt und steht beispielhaft für die Rechtsentwicklung im Rheinland. Im Volksmund heißt es bis heute schlicht „Appellhof".

Auf einen Blick

Lage
Köln-Altstadt-Nord, am Appellhofplatz
Denkmalschutz
seit dem 22. Dezember 1983
Erster Bau
1824–1826 nach Plänen von Johann Peter Weyer
Heutiger Bau
1884–1893, Stil der niederländischen Renaissance
Heutige Nutzung
Verwaltungsgericht Köln (seit 1981) und Finanzgericht Köln (seit 1995)
Erreichbar
U-Bahnhof Appellhofplatz
Besonderheit
kommt bis heute ohne Hausnummer aus

Altersvergleich

Alter im Vergleich mit anderen Orten in Köln.

Name und rechtsgeschichtlicher Hintergrund

Der Name geht auf den Rheinischen Appellationsgerichtshof zurück. Nachdem der Wiener Kongress 1815 die Rheinlande Preußen zugesprochen hatte und der preußische König Friedrich Wilhelm III. die Fortgeltung der napoleonischen Gesetzbücher als „Rheinisches Recht" billigte, wurde 1819 ein Berufungsgericht für dieses Rechtsgebiet nötig. Köln bot sich als größte und zentral gelegene Stadt der Rheinlande an. Da Preußen die Kosten für den rheinischen „Sonderweg" nicht tragen wollte, übernahm die Stadt Köln – mit Zuschuss der Handelskammer – Grundstück und Baukosten fast allein. Aus dem „Appellationsgerichtshof" wurde umgangssprachlich der „Appellhof", ein Name, der schließlich auch auf Platz und Straße überging.

© A.Savin · CC BY-SA 3.0

Erster und zweiter Bau

Der erste, halbkreisförmige Gerichtsbau entstand ab 1824 auf dem Gelände zweier früherer Klöster – des 1805 abgebrannten Augustinerinnenklosters „Zum Lämmchen" und des 1802 im Zuge der Säkularisation aufgelösten Zisterzienserinnenklosters St. Mariengarten – und wurde am 6. November 1826 übergeben. Das Rheinische Recht kannte anders als das preußische die Grundsätze von Öffentlichkeit und Mündlichkeit; entsprechend boten schon fünf große Sitzungssäle dem Publikum Zugang. Die Zuständigkeit reichte von Saarbrücken über Trier, Koblenz, Köln und Düsseldorf bis Kleve.

Mit den Reichsjustizgesetzen von 1879 und dem raschen Bevölkerungswachstum wurde der Bau zu klein. An gleicher Stelle entstand von 1884 bis 1893 das heutige, deutlich größere Gebäude für Oberlandesgericht, Landgericht und Staatsanwaltschaft nach Plänen von Paul Thoemer und Rudolf Mönnich. Es wurde am 8. Juli 1893 übergeben. 1911 zogen Oberlandesgericht und Zivilkammern in einen Neubau am Reichensperger Platz; danach diente der Appellhof bis 1981 der Strafjustiz, deren spektakuläre Prozesse viele Zuschauer anzogen.

© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

NS-Zeit

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme tagten im Appellhof von 1933 bis 1945 sogenannte „Sondergerichte". Sie urteilten praktisch ohne Bindung an Recht und Gesetz im Sinne des Regimes und fällten bis Kriegsende über 120 politisch motivierte Todesurteile, teils aus nichtigem Anlass und allein zur Abschreckung. Eine gelegentlich verbreitete Erzählung, ein unterirdischer Gang habe das Justizgebäude mit der gegenüberliegenden Gestapo-Zentrale im EL-DE-Haus verbunden, ist durch keine überprüfbaren Quellen belegt und gilt als unbelegte Legende: Weder bei Kellersanierungen in beiden Gebäuden noch beim U-Bahn-Bau in der Neven-DuMont-Straße wurden Spuren eines solchen Gangs gefunden.

© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

Wiederaufbau und heutige Nutzung

Nach Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude ab 1945 ohne seine früheren Dachtürme und den reichen Fassadenschmuck schlicht wiederaufgebaut. Seit April 1981 ist das Verwaltungsgericht Köln untergebracht, seit November 1995 auch das Finanzgericht Köln. Wie sehr die Kölnerinnen und Kölner an ihrem ältesten Gerichtsgebäude hängen, zeigte sich 1985: Der Vorschlag, den Appellhofplatz nach dem verstorbenen Heinrich Böll umzubenennen, fand in einer Umfrage nur 17 Prozent Zustimmung und scheiterte im Stadtrat.

© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

Architektur

Der Südteil, in dem einst das Amtsgericht saß, ist ein dreigeschossiger, mehrflügeliger Bau mit halbkreisförmigem Grundriss – eine Anpassung an die Form des abgerissenen Weyer-Baus, deren Krümmung sich noch heute an den Pollern an der Neven-DuMont-Straße ablesen lässt. Der Bau umschließt einen Innenhof; Hof- und Straßenfassaden sind in Backstein mit Maßwerk-Fenstern und Naturstein-Gliederung ausgeführt. Der glasüberdachte Lichthof fasst über 400 Personen und dient auch Kunst- und Geschichtsausstellungen. Erhalten sind historische Vorführzellen und eigene Gefangenen-Wendeltreppen. Bei einer denkmalgerechten Sanierung von 1988 bis 1995 wuchs die Hauptnutzfläche auf rund 7.000 m²; 2011 folgte ein neues Brandschutzkonzept mit Entrauchungsanlage im Lichthof, 2013/2014 umfangreiche Wärmedämmarbeiten.

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Galerie

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Karte

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Adresse

Appellhofplatz
50667 Köln

Öffnungszeiten

Mo: 07:30–16:00

Di: 07:30–16:00

Mi: 07:30–16:00

Do: 07:30–16:00

Fr: 07:30–15:30

Kontakt

0221 20660

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-08-20

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