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St. Engelbert

Erster moderner Kirchenbau Kölns: Dominikus Böhms Zentralbau mit Sternkuppel von 1930–1932 in Riehl.

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St. Engelbert in Riehl gilt als erster moderner Kirchenbau Kölns und darüber hinaus als einer der Ursprungsbauten moderner Kirchenarchitektur. Dass die Kirche als Zentralbau mit Sternkuppel entstand, geht auf eine ausdrückliche Vorgabe des Kirchenvorstands zurück.

Auf einen Blick

Art
Katholische Pfarrkirche
Lage
Riehler Gürtel, Stadtteil Riehl (Stadtbezirk Nippes)
Bauzeit
1930–1932, geweiht am 6. Juni 1932
Architekt
Dominikus Böhm
Baustil
Neues Bauen
Bauform
Zentralbau mit Sternkuppel und freistehendem Turm
Material
im Wesentlichen aus Bimsbeton gegossen
Schutz
Baudenkmal in Nordrhein-Westfalen
Wusstest du?

In der Kirche hielt Kardinal Frings 1946 seine berühmte Silvesterpredigt, in der er den Kölnern die Absolution für das Stehlen von Kohle (Klütten) im Voraus erteilte – woraufhin das Wort „fringsen" als Synonym für Mundraub in den deutschen Sprachgebrauch einging.

Altersvergleich

Alter im Vergleich mit anderen Kölner Orten.

Patron und Vorgängerbau

Patron ist Engelbert I. von Köln, der um 1900 zum Pfarrpatron bestimmt wurde; ihm war in Köln bis dahin kein Altar geweiht. Da Riehl Ende des 19. Jahrhunderts rasch zum Stadtteil wuchs, entstand 1897 eine Notkirche nach einem Entwurf von Heinrich Krings. Sie erwies sich bald als zu klein und wurde 1932 nach Vollendung des Neubaus profaniert; das Gebäude brannte 1944 vollständig aus.

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Vom Standortwechsel zur Sternkuppel

Pfarrer Clemens Wirtz betrieb den Neubau seit 1921. Zunächst war eine neuromanische Kirche mit rund 2150 Plätzen am Hintereingang des Botanischen Gartens geplant. Erst 1929 entschied das Erzbistum in Abstimmung mit dem Stadtbauamt, die Kirche in der Mitte des Stadtteils am Riehler Gürtel zu errichten. Im Januar 1930 wurde der Bau in einem beschränkten Wettbewerb unter fünf Kölner Architekten ausgeschrieben; der Kirchenvorstand wünschte dabei ausdrücklich einen Kuppelbau und bestand schließlich ultimativ auf einem Zentralbau. So fiel die Wahl im April 1930 auf Böhms Entwurf „Sternkuppelprojekt mit freistehendem Turm“. Das Generalvikariat reagierte zunächst skeptisch und empfand den Entwurf als fremdartig, genehmigte ihn aber nach Böhms Bauerläuterung mit Hinweis auf mittelalterliche Vorbilder.

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Altar und Ausstattung

Den Altar gestaltete Böhm selbst aus rotem Lahnmarmor. Seine Form spielt auf das geöffnete Grab Christi an: „Die Grabplatte ist weggenommen, das heilige Grab geöffnet.“ Erst durch die für die Chorrückwand vorgesehene Auferstehungsdarstellung sollte diese Symbolik ihren vollen Sinn erhalten — das Fresko wurde jedoch ebenso wenig ausgeführt wie die geplanten Evangelistenfiguren auf den vier Konsolen über dem Portal.

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Ausbau über Jahrzehnte

Der weitere Ausbau zog sich vor allem aus Geldmangel hin: Der Holzfußboden kam 1935, die Heizung 1939. Lange war die Kirche mit Ruberoid-Pappe gedeckt; das von Böhm geplante Metalldach wurde erst 1979 ausgeführt. Seither entsteht der vom Architekten gewünschte Gegensatz zwischen dem silbrigen Blei und der Backsteinverkleidung der Außenwände.

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Krieg und Nachkriegszeit

Im Zweiten Weltkrieg dienten Räume im Kirchensockel als Luftschutzräume für bis zu 400 Personen. Am 21. April 1944 rissen die Fundamente der Chorrückwand auf, beim Häuserkampf am 6. März 1945 erhielt die Kirche drei Treffer; die Schäden konnten rasch behoben werden, sodass St. Engelbert in den ersten Nachkriegsjahren zu den größten nutzbaren Kirchen Kölns zählte. Hier erteilte Erzbischof Joseph Kardinal Frings in der Silvesterpredigt 1946 vorab die Absolution für lebensnotwendiges „Klüttenklauen“ — woraus im deutschen Sprachraum der Ausdruck „fringsen“ entstand.

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Zeitstrahl

  1. 1897
    Notkirche (Entwurf Heinrich Krings) an der Stammheimer Straße geweiht
  2. 1921
    Pfarrer Clemens Wirtz beginnt, auf den Bau einer neuen Kirche hinzuarbeiten
  3. 6. Juni 1932
    Neue St.-Engelbert-Kirche durch Erzbischof Karl Joseph Schulte geweiht
  4. 1932
    Notkirche profaniert; 1944 brannte sie vollständig aus
  5. 21. April 1944
    Bombenangriff trifft und reißt die Fundamente der Chorrückwand auf
  6. 6. März 1945
    Kirche erhält beim Häuserkampf drei Treffer, Schäden schnell behoben
  7. Silvester 1946
    Erzbischof Frings erteilt in St. Engelbert Absolution für Kohlenklau (‚fringsen')
  8. 1979
    Böhms geplantes Metalldach (Blei) wird endlich realisiert

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