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© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

St. Johannes XXIII. – Kirche der Katholischen Hochschulgemeinde Köln

Skulpturaler Betonkirchenbau der 1960er Jahre in Sülz, dessen Architektur konsequent um das Symbol eines Baumes herum entwickelt wurde.

seit 1969

Mitten im Kölner Stadtteil Sülz steht ein Kirchenbau, der sich deutlich von seiner Umgebung abhebt: St. Johannes XXIII., die Kirche der Katholischen Hochschulgemeinde. Ihre brutalistische, plastisch geformte Betonarchitektur verschafft ihr eine Sonderstellung unter den Kölner Sakralbauten.

Auf einen Blick

Stadtteil
Sülz (Köln)
Bauzeit
1968–1969
Architekt/Gestaltung
Heinz Buchmann (Architektur) und Josef Rikus (Konzeption/Ausstattung)
Patrozinium
Papst Johannes XXIII. (seit dessen Heiligsprechung 2014 im Namen geführt)
Konfession/Gemeinde
römisch-katholisch, Katholische Hochschulgemeinde Köln
Baustil
Brutalismus, skulpturale Betonarchitektur
Denkmalschutz
seit 2016 (Denkmalliste der Stadt Köln, Nr. 8792)
Wusstest du?

Die Kirche hat weder Turm noch Glocken – die drei „Baumpfeiler“ sind zugleich tragende Konstruktion und zentrales Symbol, sodass die gesamte Architektur aus dem Bild eines Baumes hervorwächst.

Das kannst du hier erleben

  • Den mittleren „Baumpfeiler“ aus vier Betonpfeilern betrachten, der bis durch die Decke wächst
  • Die asymmetrische Dachlandschaft aus kreuzförmig angeordneten Betonscheiben entdecken
  • Die Fenster aus blauem und tiefrotem Antikglas nach Will Thonett bewundern
  • Das Triptychon von Egbert Verbeek in der Krypta ansehen
  • Die aus Eichenholz gefertigte Ausstattung von Josef Rikus wie Altar und Ambo betrachten

Altersvergleich

Alter im Vergleich mit anderen Orten in Köln.

Entstehung und Idee

Den Anstoß gab 1964 die Katholische Hochschulgemeinde, die auf ihrem Gelände ein Studierendenwohnheim, ein Gemeinschaftshaus und eine Kirche für rund 300 Personen errichten wollte. Aus dem ausgeschriebenen Architektenwettbewerb ging Heinz Buchmann als Sieger für die gesamte Baugruppe hervor. Entscheidend für die künstlerische Richtung war der Bildhauer Josef Rikus, mit dem der damalige Hochschulpfarrer Wilhelm Nyssen eng verbunden war. Gemeinsam legten sie fest, dass die Kirche vom Innenraum, von der Gemeinde und der Liturgie her gedacht werden sollte – nicht als von außen wirkendes Monument. Als tragende Symbole wählte man die Höhle und den Baum, die Wurzel Jesse als Metapher des Irdischen; aus dem Baum sollte die gesamte Architektur hervorwachsen, umhüllt nur von dünnen Wänden aus Glas oder Betonpalisaden. Über die genaue Urheberschaft gehen die Erinnerungen der Beteiligten auseinander, doch gilt der Bau als gelungenes Zusammenspiel mehrerer Köpfe. Errichtet wurde die Kirche 1968–1969; nur wenige zeitgenössische Dokumente zur Umsetzung sind erhalten, der Nachlass des Architekten liegt heute im Archiv für Architektur und Ingenieurbaukunst NRW.

© Raimond Spekking · CC BY-SA 3.0

Architektur

Der annähernd rechteckige Bau ruht auf drei „Baumpfeilern“, die zugleich Gestaltungs- und Konstruktionselemente sind. Der mittlere Baum aus vier massiven Betonpfeilern wächst mit seinen Wurzeln aus der Unterkirche empor, durchstößt den Hauptraum und die Decke; die Durchbruchstellen sind mit Glasbausteinen als Sinnbild für Wasser gefüllt. Die beiden äußeren Stämme verankern die West- und Ostwand. In der Dachlandschaft setzt sich das Geäst fort: wuchtige, quer zur Mittelachse aufgestellte Betonscheiben steigen von beiden Seiten zur Mitte auf und überschneiden sich zu einer Kreuzform – völlig asymmetrisch über den ganzen Bau verteilt. Große Fensterflächen nehmen dem Beton seine Schwere. Einen Glockenturm gibt es nicht; die beiden leicht erhöhten Seitenstämme lassen sich als Andeutung dieses fehlenden Elements lesen. Wände außen wie innen sind mit feinen Kanneluren überzogen, wie man sie von antiken Säulen kennt, und der ziegelbelegte Boden zieht sich vom Hof ebenerdig ins Innere. Fachleute erkennen eine Verwandtschaft mit den Arbeiten Le Corbusiers und mit der wenig zuvor entstandenen Wallfahrtskirche in Velbert-Neviges von Gottfried Böhm.

© Raimond Spekking · CC BY-SA 3.0

Ausstattung

Auch die Ausstattung ist Teil des Gesamtkonzepts und trägt die Handschrift von Josef Rikus. Altar, Ambo, Tabernakel und Sedilien fertigte er aus schweren Eichenholzblöcken, deren natürliches Material auf das zentrale Baummotiv antwortet. Der ebenerdige Altar steht auf Augenhöhe mit der Gemeinde unter den „Ästen“ des mittleren Baumes, der Taufort liegt unten in der „Höhle“ der Krypta. Die Fenster aus blauem und tiefrotem Antikglas gehen auf Entwürfe von Will Thonett zurück und vermitteln zwischen Wänden und Dach. Die Pietà schuf 2002 Egbert Verbeek, von dem auch das große Triptychon in der Krypta stammt; der Kreuzweg ist ein Werk von Karl Kaspers.

© Raimond Spekking · CC BY-SA 3.0

Wissenswertes

Weil der Kirche ein Turm fehlt, besitzt sie kein Geläut. Die Orgel mit sechs Registern auf einem Manual baute Orgelbau Romanus Seifert & Sohn in Kevelaer. 2016 restaurierte das Kölner Büro 3pass vor allem die Beton-Außenhaut, im selben Jahr wurde die Kirche unter Denkmalschutz gestellt.

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Zeitstrahl

  1. 1964
    Die Hochschulgemeinde plant Wohnheim, Gemeinschaftshaus und Kirche und schreibt einen Architektenwettbewerb aus.
  2. 1968
    Baubeginn der Kirche.
  3. 1969
    Fertigstellung des Kirchenbaus.
  4. 2002
    Egbert Verbeek schafft die Pietà.
  5. 2014
    Nach der Heiligsprechung von Papst Johannes XXIII. wird er als Patron in den Namen aufgenommen.
  6. 2016
    Sanierung der Beton-Außenhaut durch das Büro 3pass und Eintragung in die Denkmalliste.

Galerie

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-07-06

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