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© Dismas87 · CC BY-SA 4.0

St. Johannes der Täufer

Denkmalgeschützte Klinikkirche der Uniklinik Köln in Lindenthal, 1962–1965 von Gottfried Böhm aus Sichtbeton errichtet und über einen unterirdischen Gang mit den Kliniken verbunden.

Mitten zwischen den Labor- und Klinikgebäuden der Kölner Universität steht in Lindenthal die katholische Kirche der Uniklinik Köln. Der Sichtbetonbau von Gottfried Böhm ist seit 2001 denkmalgeschützt und bis heute eng mit dem Krankenhausbetrieb verwoben.

Auf einen Blick

Stadtteil
Lindenthal
Architekt
Gottfried Böhm, unter Mitarbeit von Kurt Günssler
Bauzeit
1962 bis 1965
Baustil
Nachkriegsmoderne / Sichtbetonarchitektur
Patrozinium
Johannes der Täufer
Denkmalschutz
seit 2001 (Denkmalliste der Stadt Köln, Nr. 8541)
Auszeichnung
Kölner Architekturpreis 1967
Platzangebot
rund 350 Gläubige plus etwa 30 liegende Kranke
Wusstest du?

Die Kirche ist über ein unterirdisches Gangsystem und Krankenaufzüge direkt mit den Kliniken verbunden, sodass auch liegende oder nicht gehfähige Patienten zu den Gottesdiensten gebracht werden können.

Das kannst du hier erleben

  • Das farbige Fensterband von Gottfried Böhm als Kreuzweg betrachten
  • Den spätgotischen Kruzifixus von um 1410 an der Altarwand ansehen
  • Die freistehende Betonarchitektur und die gefaltete weiße Decke auf sich wirken lassen
  • Den Heilkräutergarten mit der Gedenksäule nördlich der Kirche besuchen

Geschichte

Den Planungsauftrag erhielt Gottfried Böhm 1958 nach einem auf sechs Architekten begrenzten Wettbewerb. Ursprünglich war eine Anstaltskirche mit Pfarrhaus geplant; nach einer Umplanung entstand seitlich stattdessen ein Klostergebäude für etwa 80 Ordensschwestern, das heute das Dekanat der Medizinischen Fakultät und die Forschungsstelle Ethik beherbergt. Die Bauarbeiten starteten im Juli 1962, das Richtfest fand im Dezember 1963 statt, und im September 1965 wurde die Kirche geweiht. Das Patrozinium knüpft an das mittelalterliche Hospital St. Johann Baptist an der Breite Straße an.

© HOWI - Horsch, Willy · CC BY 3.0

Architektur

Der Bau ist ein klar umrissener, quaderförmiger Saal, dem eine sehr schlanke Glockenstele als Campanile beigestellt ist, die nur über eine kleine Vorhalle mit dem Hauptbau verbunden ist. Die kräftig und gleichmäßig gefaltete Dachlandschaft läuft an den Längsseiten in je acht flache Zickzack-Giebel aus, die von vorstehenden Wasserspeiern konturiert werden. Ein breites Fensterband auf niedrigem Sockel gliedert die Sichtbetonwände, während die Wand darüber bis zur Dachkante völlig geschlossen bleibt.

© Willy Horsch · CC BY 2.5

Innenraum

Im Inneren spannt sich eine weiße, gefaltete Decke ohne jede Stütze über den Raum. Die weiße Farbe steht dabei für das Jenseitige, der Sichtbeton an Brüstung, Boden und den freistehenden Einbauten für das Irdische. Zu diesen Einbauten zählen zwei zylindrische Beichtstühle und eine quaderförmige Orgelempore, unter der eine Marienkapelle mit Pietà sowie die Sakristei Platz finden. Über Krankenaufzüge lassen sich von hier aus nicht gehfähige Patienten zwischen Klinik und Kirche transportieren. Im Chorraum dient eine freigestellte Altarwand als rechtwinkliger Baldachin für das Kreuz.

© Elya · CC BY-SA 3.0

Ausstattung

Das von Böhm entworfene, farbkräftige Fensterband dient zugleich als Kreuzweg; die Glasmalerei führte Peter Winnen aus, die geschmiedeten Plastiken entwarf Hans Lückerath. In die Altarwand ist ein Kreuz modelliert, an dem ein rund 103 cm hoher Kruzifixus aus der Zeit um 1410 hängt, der vor dem Zweiten Weltkrieg im Schwesternhaus der Kliniken angebracht war. Das Tabernakel gestaltete Eva Burgeff-Kerkoff, Ambo und Taufbecken stammen von Böhm selbst; das bronzene Taufbecken wurde 1965 in den Kölner Werkschulen gefertigt.

© HOWI - Horsch, Willy · CC BY 3.0

Orgel

Die Orgel wurde im Juni 2009 am Fest des Heiligen Johannes eingeweiht. Sie stammt aus einer aufgelösten Kirche in Vlaardingen bei Rotterdam und wurde von der Kölner Orgelbaufirma Peter in Teilen überholt und neu aufgebaut.

© Egidius~dewiki · CC0

Wissenswertes

2006/2007 wurde eine aufwendige Betonsanierung nötig, bei der die Körnung des ursprünglichen Sichtbetons an den Flickstellen so genau wie möglich nachgebildet wurde. 2007 entstand nördlich der Kirche ein kleiner Heilkräutergarten, in dem eine abgebrochene Säule an jene Menschen erinnert, die ihren Körper nach dem Tod der medizinischen Forschung überließen. Kunsthistorisch gilt der Bau als Mittlerwerk Böhms, das die klare Geometrie des Frühwerks mit den plastischen Decken der späteren Hauptwerke verbindet.

© Elke Wetzig · CC BY-SA 4.0

Zeitstrahl

  1. 1958
    Gottfried Böhm erhält nach einem Wettbewerb den Planungsauftrag
  2. 1962
    Beginn der Bauarbeiten im Juli
  3. 1963
    Richtfest am 12. Dezember
  4. 1965
    Weihe der Kirche auf Johannes den Täufer im September
  5. 1967
    Auszeichnung mit dem Kölner Architekturpreis
  6. 2001
    Aufnahme in die Denkmalliste der Stadt Köln
  7. 2007
    Betonsanierung abgeschlossen und Heilkräutergarten angelegt

Galerie

© Elke Wetzig · CC BY-SA 4.0 · Commons
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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-07-05

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