Chorpfeilerfiguren des Kölner Doms
Vierzehn überlebensgroße, bunt gefasste Statuen von Christus, Maria und den zwölf Aposteln an den Pfeilern des Kölner Hochchores – ein Hauptwerk europäischer Skulptur des frühen 14. Jahrhunderts.
seit 1320
An den 14 Pfeilern des Hochchores im Kölner Dom stehen die Chorpfeilerfiguren – eine Statuenreihe, die Christus, Maria und die zwölf Apostel zeigt. Die farbig gefassten Gestalten zählen heute zu den Hauptwerken europäischer Skulptur im frühen 14. Jahrhundert.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Standort
- Pfeiler des Hochchores im Kölner Dom
- Dargestellt
- Christus, Maria und die zwölf Apostel (14 Figuren)
- Entstehung
- zwischen 1310 und 1330 durch die Kölner Dombauhütte, unter Aufsicht von Dombaumeister Johannes
- Vorbereitung
- Konsolen und Baldachine bereits vor 1268 durch Meister Gerhard fest in die Pfeiler eingebunden
- Material
- Figuren aus Tuffstein; Konsolen, Baldachine und Engel aus Baumberger Sandstein; Plinthe aus Drachenfelstrachyt
- Maße
- Figuren rund 2 Meter hoch (überlebensgroß); Gesamtensemble je 5,25 Meter
- Stil
- hochgotische Skulptur im sogenannten Honoré-Stil, der um 1300 in Paris vorherrschte
- Letzte Restaurierung
- 2009 bis 2012
Altersvergleich
Alter im Vergleich mit anderen Orten in Köln.
Geschichte
Einen Apostelzyklus für einen Chorbau zu planen, war um die Mitte des 13. Jahrhunderts ungewöhnlich. Die mittelalterliche Vorstellung, die Apostel als geistige Stützen der Kirche mit den Säulen eines Gewölbes gleichzusetzen, war 1248 erstmals baulich in der Pariser Sainte-Chapelle umgesetzt worden. In Köln griff Meister Gerhard diesen Gedanken auf und band bereits vor 1268 die Konsolen und Baldachine fest in die 14 Pfeiler ein. Die Figuren selbst entstanden erst rund 50 bis 70 Jahre später zwischen 1310 und 1330. Ihre farbige Fassung erhielten sie durch Kölner Künstler, als sie bereits an den Pfeilern aufgestellt waren.
Über die Jahrhunderte behielten die Figuren ihre Wertschätzung. Selbst im Barock blieben sie in ihrer Farbigkeit unangetastet: Als 1766 im Zuge der zweiten Barockisierung des Chores alle Flächen geweißt wurden, wusch man die Figuren lediglich ab, um ihre Farbwirkung zu verbessern. Im Zuge der Domvollendung folgten 1841/42 eine Restaurierung und Neufassung, die jüngste vollständige Restaurierung fand zwischen 2009 und 2012 statt.
Datierung und Künstler
Die Datierung ist bis heute Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. Die ältere Forschung nahm an, die Figuren seien bis zur Chorweihe 1322 fertiggestellt worden; in den 1970er Jahren legten Stilvergleiche eine Entstehung um 1270/1300 nahe. Robert Suckale wies 2012 dagegen auf die Welle von Nachfolgewerken um 1330 bis 1345 hin: „Es ist auszuschließen, dass ein um 1260 geschaffener Zyklus plötzlich, das heißt nach gut siebzig Jahren eine Welle der Nachfolger ausgelöst hätte.“ Ulrike Bergmann plädierte 2014 anhand stilistischer Bezüge zu anderen Ausstattungen des Chores – etwa dem Chorgestühl – für eine Datierung zwischen 1310 und 1322.
An dem Werk waren mindestens vier verschiedene Bildhauer beteiligt, die in der von etwa 1308 bis 1331 von Johannes und danach von dessen Bruder Rutger geleiteten Dombauhütte zu suchen sind. Ob Johannes oder Rutger selbst als Schöpfer gelten dürfen, bleibt Spekulation. Bemerkenswert: Peter Parler, ein Enkel von Johannes oder Rutger, verbrachte seine Lehrzeit an der Kölner Dombauhütte.
Beschreibung
Die 14 überschlanken, bewegten Gestalten neigen sich in reich gefalteten, prächtig bemalten Gewändern einander zu und stehen so in kommunikativer Beziehung. Christus und Maria sind an den beiden östlichsten Säulen einander zugewandt; an den Säulen des Rundchores folgen Petrus und Johannes, im Langchor die übrigen zehn Apostel. Die vier Figuren am Rundchor sind vollkommen eigenständige, rundansichtige Schöpfungen, während die weiteren nach Vorlagen variiert wurden und vor allem durch ihre Attribute individualisiert sind – etwa Petrus mit den Schlüsseln, Jakobus Maior mit Pilgermuschel und -stab oder Paulus mit dem Schwert.
Zu jeder Apostelfigur gehört ein musizierender Engel, der den Baldachin bekrönt; die Engel wirken schlichter und kindlicher als die Apostel und spielen jeweils ein anderes Instrument, darunter Harfe, Fidel, Sackpfeife, Portativ und Psalterium. Über Christus und Maria erheben sich dagegen Baldachine ohne Engel. Der Baldachin über Simon Zelotes ist eine Besonderheit: Die Steinmetzen höhlten ihn aus und schufen eine Miniatur der Liebfrauenkirche in Trier.
Material und Farbfassung
Für den Zyklus wählten die Steinmetzen verschiedene Gesteine: Die Figuren sind aus dem besonders leichten Tuffstein geschnitten – dadurch wurden je Statue rund 280 Kilogramm Auflast gespart –, während Konsolen, Baldachine und Engel aus filigran zu bearbeitendem Baumberger Sandstein bestehen und die Plinthe aus hartem Drachenfelstrachyt gefertigt ist.
Die Farbfassung erfolgte mit außergewöhnlichem Aufwand: Für Rot verwendeten die Fassmaler den Lac dye der asiatischen Schildlaus, für das tiefe Blau der Gewänder von Christus und Maria das teure Lapislazuli aus Afghanistan; Silber und leuchtende Lacke steigerten die Wirkung. Insgesamt tragen die Figuren 39 verschiedene, kompliziert gemusterte Gewänder. Die heute sichtbare Fassung stammt aus der Restaurierung von 1841/42 und gilt als „regelrechte Kopie“ der mittelalterlichen Vorbilder, wirkt aber matter als das gotische Original.
Bedeutung und Rezeption
Die Figuren gelten als Inbegriff der hochgotischen Skulptur und als Höhepunkt ihrer manieristischen Phase; zugleich stehen sie am Beginn einer weicheren Skulpturenkunst, die zum böhmischen Schönen Stil führte. Ihre Bewertung war jedoch wechselhaft: 1842 lobte August Reichensperger, „der Meister“ habe die Gewänder „aus Feuer und Gold gewirkt“, während Sulpiz Boisserée aus klassizistischer Sicht die Haltungen als „unangenehm übertrieben“ ablehnte. Georg Dehio empfand 1930 die Figuren zwar als herausragende Leistung, ihre Idealisierung aber als „naturfremd“.
Die jüngere Kunstkritik urteilt ohne solche Vorbehalte. Peter Kurmann nannte sie 2002 eine Bildsprache, „die der schreinartigen Architektur des Kölner Domes angemessen ist“, und hält sie für die „Idealen Statuen der Hochgotik“ – in Analogie zu Dombaumeister Arnold Wolffs Urteil, der Dom sei die „Ideale gotische Kathedrale“.
Wissenswertes
- Das Figurenensemble mit Christus und Maria im Zentrum wurde von Renate Kroos als Versammlung zur Marienkrönung gedeutet; deshalb steht Maria zur Rechten Christi auf dem Ehrenplatz.
- Ursprünglich hielt Christus vermutlich eine Krone in der Hand; sie wurde im 19. Jahrhundert bei der Erneuerung der Hand durch einen Reichsapfel ersetzt.
- An der Konsole des Thomas setzten die Steinmetzen zwei Vögel in den Laubkranz, die an Weinbeeren picken.
- Die abstehenden, ondulierten Bärte – etwa bei Andreas – gelten als typisches Merkmal des Honoré-Stils.
Karte
Blaue Punkte: andere Orte in der Nähe – zum Stöbern antippen.
Adresse
Domkloster 4
50667 Köln
Das könnte dich auch interessieren – themenverwandt oder in der Nähe
Kommentare
- Lade Kommentare…
Quellen & Links
Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-08-22
Wie diese Seite entsteht
Diese Seite stützt sich auf offene Quellen — Wikipedia, Wikidata, offizielle Webseiten und offene Daten der Stadt. Jede Angabe wird gegen die hier verlinkten Quellen geprüft, und die Seiten werden regelmäßig aktualisiert.
Trotzdem einen Fehler entdeckt? Sag uns unten Bescheid — wir lesen jede Einsendung.





