Vierungsturm des Kölner Doms
Der Vierungsturm ist der 1860 aus Schmiedeeisen errichtete dritte Turm des Kölner Doms. Er steht über der Vierung und erhielt zwischen 1965 und 1973 seine heutige, an das Art déco angelehnte Gestalt mit acht Engelfiguren.
Über der Vierung des Kölner Doms – dort, wo sich Lang- und Querschiff kreuzen – erhebt sich ein oft übersehener dritter Turm. Anders als die berühmten Westtürme geht er nicht auf mittelalterliche Pläne zurück, sondern wurde erst 1860 als filigrane Eisenkonstruktion errichtet und in den 1960er Jahren modern neu verkleidet.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Standort
- über der Vierung, also über der Kreuzung von Lang- und Querschiff
- Höhe
- rund 110 Meter über dem Kirchenboden
- Baujahr
- 1860 errichtet, im Frühjahr 1861 fertiggestellt
- Entwurf
- Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner, Pläne von Richard Voigtel
- Konstruktion
- schmiedeeiserne Rahmenkonstruktion aus 214 Tonnen Eisen
- Neugestaltung
- 1965–1973 mit Verkleidung im Stil des Art déco
- Besonderheit
- vergoldeter Stern statt Kreuz auf der Turmspitze
Vom Dachreiter zum Vierungsturm
Schon im späten Mittelalter trug das 1322 vollendete Dach des Chores einen Dachreiter. Für einen richtigen Vierungsturm gab es dagegen – anders als für die meisten anderen Teile des Doms – keine mittelalterlichen Baupläne. 1744 wurde der Dachreiter im barocken Stil erneuert; er beherbergte zwei Glocken. Doch das Holz war vom Holzwurm befallen, ein tragender Balken zerbrochen, und der Aufbau neigte sich zunehmend nach Südwesten. 1811 untersuchte eine Kommission die Schäden, 1812 ordnete schließlich der französische Präfekt den Abbruch an.
Sulpiz Boisserée, ein früher Verfechter der Domvollendung, war überzeugt, dass bereits die mittelalterlichen Baumeister einen massiven Mittelturm vorgesehen hätten. In seinem 1821 erschienenen Werk zeigte er eine „Idealansicht" des fertigen Doms mit einem achteckigen Steinturm. Diese Vorstellung ließ sich jedoch nicht verwirklichen: Die Pfeiler der Vierung waren nur schwach ausgelegt und hätten das Gewicht eines steinernen Turms nicht getragen.
Eine Konstruktion aus Eisen
Als der Weiterbau des Doms ab 1842 die Frage nach dem Vierungsturm neu aufwarf, legte Zwirner der preußischen Aufsichtsbehörde 1853 vier Entwürfe vor. Drei sahen massive Steintürme vor und wurden wegen des zu großen Gewichts verworfen – man fürchtete den Einsturz der östlichen Vierungspfeiler. Nur der vierte Entwurf, eine leichtere Metallkonstruktion, überzeugte durch geringeres Gewicht, besseren Brandschutz, längere Haltbarkeit und niedrigere Kosten. 1855 genehmigte eine königliche Kabinettsorder den Bau.
Richard Voigtel erstellte 1858/59 die Pläne und die statischen Berechnungen. Die Vorgabe, die alten Pfeiler nur begrenzt zu belasten, zwang zu einer Konstruktion aus gewalzten Blechplatten und Profileisen statt aus schwerem Gusseisen. Gefertigt und montiert wurde der Turm – wie schon der eiserne Dachstuhl des Langhauses – von der Cölnischen Maschinenbau-Actien-Gesellschaft aus Köln-Bayenthal. Am 15. Oktober 1860 setzte Zwirner den vergoldeten Stern auf die Spitze; im Frühjahr 1861 war der Turm gedeckt und vollendet.
Der Stern statt eines Kreuzes
Auf der Turmspitze sitzt eine kupferne Kreuzblume, gekrönt jedoch nicht von einem Kreuz, sondern von einem vergoldeten Stern – ein Symbol der Weihnachtsgeschichte und der Heiligen Drei Könige, deren Reliquien im Dom aufbewahrt werden. Der Stern ist als Ikosaederstern geformt, misst rund 1,80 Meter und trägt eine vergoldete Oberfläche von etwa 3,25 Quadratmetern. In die Kreuzblume wurde bei der Fertigstellung 1861 eine Urkunde eingelegt.
Kriegsschäden und moderne Neugestaltung
Der Zweite Weltkrieg beschädigte vor allem die neugotische Zierverkleidung aus Zinkguss stark; die eiserne Grundkonstruktion überstand ihn dagegen nahezu unversehrt. Die Untersuchungen in den späten 1950er Jahren zeigten die Eisenkonstruktion als überraschend solide. Für die neue Verkleidung entschied man sich 1958 gegen eine Rekonstruktion des Historismus und für ein modernes, an das Art déco angelehntes Design. Auf reichen Schmuck wurde verzichtet, die Dachflächen erhielten stattdessen Gauben.
Das markanteste Element der Neugestaltung sind acht große Engelfiguren, die an der Basis des Turmhelms die früheren Wimperge ersetzen. Sie bestehen aus einem mit Blei verkleideten Lärchenholzkern und gehen auf einen Entwurf des Dombildhauers Erlefried Hoppe zurück; die Holzkerne fertigte 1964/65 Hubert Bruhs. 1967 wurden die Engel angebracht. Wegen immer wieder dringlicherer Abdichtungsarbeiten an anderen Stellen des Doms zogen sich die Arbeiten bis zum 26. Januar 1973 hin.
Wissenswertes
- Im Tambour hängt in einem hölzernen Glockenstuhl das Chorgeläut des Doms mit Angelus-, Wandlungs- und Mettglocke. Angelus- und Wandlungsglocke läuteten schon im Mittelalter zusammen und gelten als ältestes vollständig erhaltenes Geläut Europas.
- Auf der Plattform liegt der höchstgelegene trigonometrische Punkt Kölns, 1867 im Rahmen der Europäischen Gradmessung vermarkt.
- Eine zwölf Meter lange Aluminiumleiter führt in den Turmhelm; sie kann per funkgesteuerter elektrischer Winde ein- und ausgefahren werden und verschließt eingefahren die Einstiegsöffnung.
- Nicht alle sind Fans: Philippe Villeneuve, Chefarchitekt der Pariser Kathedrale Notre-Dame, bezeichnete den modernen Turm als Fremdkörper und verglich ihn mit einer „Warze".
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