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© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

Deserteurdenkmal

Denkmal für die Opfer der NS-Militärjustiz am Appellhofplatz: eine Pergola, deren mehrfach verkettete Hommage-Inschrift in bunten Lettern in den Himmel geschrieben scheint.

Outdoor Eintritt frei Kostenlos Fotospot

In Köln-Altstadt-Nord am Appellhofplatz erinnert das Deserteurdenkmal an die Opfer der NS-Militärjustiz. Es würdigt Deserteure und Kriegsgegner aus der Zeit des Nationalsozialismus und wurde am 1. September 2009, dem 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen, der Öffentlichkeit übergeben.

Auf einen Blick

Art
Denkmal für die Opfer der NS-Militärjustiz, gestaltet als Pergola
Lage
Köln-Altstadt-Nord, Appellhofplatz (Stadtbezirk Innenstadt)
Gestaltung
Entwurf des Schweizer Designers Ruedi Baur und seines Teams
Eröffnung
1. September 2009
Inschrift
bunte Aluminiumlettern auf einer Fläche von acht mal vier Metern
Besonderheit
Der Text ist nach oben gerichtet und scheint ohne festen Hintergrund in den Himmel geschrieben
Wusstest du?

Die Inschrift des Denkmals ist eine endlos verschachtelter Satz, der beim Lesen den Blick in den Himmel zwingt – die bunten Aluminiumbuchstaben auf acht mal vier Metern haben bewusst keinen festen Hintergrund, sodass der Text wie in den Himmel geschrieben wirkt.

Altersvergleich

Alter im Vergleich mit anderen Kölner Orten.

Die Inschrift

Das Herzstück des Denkmals ist sein Text, den man lesen kann, indem man den Blick nach oben richtet. In einer mehrfach verketteten Hommage reiht er Menschen aneinander, die sich verweigerten — und macht dabei jedes Opfer der einen Tat zum Gegenüber der nächsten: „Hommage den Soldaten die sich weigerten zu schießen auf die Soldaten die sich weigerten zu schießen … den Menschen der Solidarität und Zivilcourage zeigte als die Mehrheit schwieg und folgte…“ Die Kette führt vom Schießen über das Töten, Foltern, Denunzieren und Diskriminieren bis zu jenen, die Haltung zeigten.

© Andreas.klug · CC BY-SA 3.0

Lage zwischen drei historischen Gebäuden

Das Denkmal steht in gleichem Abstand zu drei Orten mit NS-Bezug: dem ehemaligen Zeughaus, das heute zum Kölner Stadtmuseum gehört, dem EL-DE-Haus mit der einstigen Gestapo-Folterkammer, in dem sich heute das NS-Dokumentationszentrum befindet, sowie dem Gebäude der früheren Kölner Strafjustiz. Dort wurden während des Nationalsozialismus mindestens 123 Menschen zum Tode verurteilt.

Entstehung

Vorausgegangen war ein Antrag der PDS an den Rat der Stadt Köln vom 28. September 2006, den SPD sowie Bündnis 90/Die Grünen mittrugen. Der Stadtrat beschloss daraufhin ein Denkmal für Deserteure, „Wehrkraftzersetzer“ und Kriegsdienstverweigerer und schrieb einen Künstlerwettbewerb aus. Den Zuschlag erhielt der Entwurf von Ruedi Baur. Die Stadt stellte schließlich 80.000 Euro bereit, die restlichen 10.000 Euro der auf 90.000 Euro veranschlagten Umsetzung kamen über Spenden zusammen.

Recherche

Für die Aufarbeitung wurden das Militärarchiv Freiburg, Akten der Divisionsgerichte und die sogenannte Todesurteils-Kartei ausgewertet. Dabei ließ sich ermitteln, dass 104 Kölner Soldaten desertierten — überwiegend dauerhaft als „Fahnenflucht“, teils nur vorübergehend als „Unerlaubte Entfernung“. Fast immer handelte es sich um Soldaten der unteren Dienstgrade.

Wissenswertes

Zunächst war ein Denkmal am Schießplatz Dünnwald erwogen worden, wo im Krieg Deserteure hingerichtet worden waren. Wegen der Lage weit außerhalb des Stadtzentrums wurde dieser Plan jedoch verworfen.

Zeitstrahl

  1. 2006
    PDS stellt Antrag beim Kölner Stadtrat (28. September)
  2. 2008
    Stadtrat spricht sich für Künstlerwettbewerb aus (13. November)
  3. 2009
    Jury wählt Entwurf von Ruedi Baur (24. April)
  4. 2009
    Stadtrat folgt Jury-Empfehlung (30. Juni)
  5. 2009
    Einweihung zum 70. Jahrestag des Überfalls auf Polen (1. September)

Karte

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Quellen & Links

Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-06-26