Deutzer Schiffbrücke
Historische Pontonbrücke, die von 1822 bis 1915 die Rheinufer zwischen Köln und Deutz verband – heute nicht mehr erhalten.
seit 1822
Die Deutzer Schiffbrücke war eine schwimmende Pontonbrücke, die fast ein Jahrhundert lang, von 1822 bis 1915, die beiden Rheinufer zwischen Köln und Deutz miteinander verband. Erhalten ist sie heute nicht mehr – doch ihre Geschichte erzählt viel über das Leben am Rhein im 19. Jahrhundert.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Schwimmende Pontonbrücke ("stehende Rheinbrücke")
- Zeitraum
- 1822 bis 1915
- Bauherr
- Auf Order des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III.
- Lage
- Zwischen der Markmannsgasse auf Kölner Seite und Deutz (zunächst Inselstraße, später Deutzer Freiheit)
- Konstruktion
- 39 Pontons, Länge rund 1250 Fuß, Breite 24 Fuß
- Besonderheit
- Konnte über Durchlassjoche für den Schiffsverkehr geöffnet werden
- Heute
- Nicht mehr vorhanden – erhaltene Reste im Historischen Park Deutz
Das kannst du hier erleben
Altersvergleich
Alter im Vergleich mit anderen Orten in Köln.
Geschichte
Schon in römischer Zeit gab es an dieser Stelle eine feste Brücke: die Konstantinbrücke, die im Jahr 315 erwähnt wird und vom Markttor Obenmarspforten zum Deutzer Kastell führte. Ab dem 5. Jahrhundert verfiel sie, und Erzbischof Bruno (935–965) ließ sie schließlich abbrechen. Danach war der Weg über den Rhein jahrhundertelang nur mit Booten möglich, ab 1674 über eine Fährverbindung, die Deutzer Gierponte.
Auf Anordnung Friedrich Wilhelms III. vom 6. Dezember 1821 entstand die Schiffbrücke, die am 16. November 1822 mit militärischen Ehren eingeweiht wurde. Nach 900 Jahren war sie die erste Brücke, die die links- und rechtsrheinischen Landesteile sowie Westfalen wieder verband. Ihr Vorteil: Der Verkehr führte ohne aufwendige Auf- und Abfahrten direkt in die Stadtteile.
Konstruktion und Betrieb
Die Brücke ruhte auf insgesamt 39 Pontons und maß rund 1250 Fuß in der Länge bei 24 Fuß Breite. Über zunächst zwei, später vier Durchlassjoche ließ sie sich für den Schiffsverkehr öffnen – anfangs mit Muskelkraft, später mithilfe von Gasmotoren. Jedes Joch besaß eine Winde und ein Ruder und war so manövrierbar. Abends beleuchteten 20 Petroleumlampen den Übergang.
Zwischen 1871 und 1873 wurde die Brücke wegen des wachsenden Verkehrs um beidseitige Fußgängerstege von je 1,80 m Breite erweitert. Fußgänger zahlten zwei Pfennig Brückengeld, Fuhrwerke und Schiffe entsprechend mehr. Bei Hochwasser und Eisgang musste die Brücke abgebaut werden – dafür wurde 1823 ein Winterhafen am Rhein-Altarm "Schnellert" in Deutz eingerichtet.
Leben rund um die Brücke
Die Brücke war weit mehr als ein Verkehrsweg. Wenn sie wegen vorbeifahrender Schiffe geschlossen war, unterhielt der Puppenspieler Franz Andreas Millowitsch die wartenden Passanten am Deutzer Ufer mit seinem ambulanten Theater – die Familie eröffnete später ein festes Theater in Köln. Sonntags lockten die "Zweipennings Kunzääte", Nachmittagskonzerte der preußischen Garnison, für nur zwei Pfennig Brückenzoll.
An Kaisers Geburtstag war der Übergang zollfrei, und viele nutzten die Gelegenheit für einen kostenlosen Besuch der jeweils anderen Rheinseite. Schon 1824 wurde ein fest verankertes Badeschiff mit 16 Wannen an die Brücke angebaut; später kamen weitere hinzu, in denen Damen und Herren getrennt baden konnten. Berüchtigt war zudem die Schmugglerin Scholastika Bolz (1825–1902), genannt "Et Bolze Lott", die Kaffee, Tabak und Zucker unter ihrem Reifrock nach Köln brachte.
Das Ende der Brücke
Von 1913 bis 1915 entstand rund 50 Meter weiter südlich die Deutzer Hängebrücke, später Hindenburgbrücke genannt. Sie machte die alte Schiffbrücke überflüssig. Im September 1914 wurde diese abgebaut, nach Linz verschifft und dort ab dem 1. Oktober 1914 als Kriegsbrücke genutzt, ehe man sie am 4. März 1915 endgültig entfernte. Über den Verbleib der einzelnen Teile ist nichts bekannt.
Heute
Von der Deutzer Schiffbrücke ist heute nichts mehr zu sehen. Erhalten sind jedoch zwei Bögen der alten Bahndammmauer des früheren "Bahnhofs Schiffbrücke" sowie die Fundamente einer Drehscheibe der Bergisch-Märkischen Eisenbahn. Diese Überreste kann man im Historischen Park Deutz am Rheinboulevard, nahe der Deutzer Brücke, besichtigen.
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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-07-10
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