Zivilschutzbunker Köln-Kalk
Die einzige vollständig erhaltene Zivilschutzanlage Kölns – ein Relikt des Kalten Krieges unter der Kalker Hauptstraße, das heute besichtigt werden kann.
seit 1979
Unter der Kalker Hauptstraße verbirgt sich ein Bauwerk aus der Zeit des Kalten Krieges: eine Schutzanlage, die im Fall eines Atomkriegs Tausenden Menschen für zwei Wochen Unterschlupf bieten sollte. Sie gilt als die einzige komplett erhaltene Zivilschutzanlage in Köln.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Standort
- Kalker Hauptstraße, am U-Bahnhof Kalk Post, Köln-Kalk
- Baujahr
- 1979
- Kapazität
- ausgelegt für 2366 Personen, geplante Aufenthaltsdauer 14 Tage
- Fläche
- rund 4000 Quadratmeter (etwa 1,7 m² pro Person)
- Baukosten
- geschätzt rund sieben Millionen Mark
- Einordnung
- einzige komplett erhaltene Zivilschutzanlage in Köln
- Besichtigung
- nach Angaben (Stand 2019) jeden ersten Sonntag im Monat
- Betreuung
- ehrenamtlich durch den Verein „Dokumentationsstätte Kalter Krieg"
Altersvergleich
Alter im Vergleich mit anderen Orten in Köln.
Ein Kind des Kalten Krieges
Ende der 1970er Jahre waren in Köln neun bis zehn unterirdische Zivilschutzanlagen vorgesehen. Umgesetzt wurde davon einzig die Anlage in Kalk; am Rudolfplatz blieb es bei einigen heute unzugänglichen Teilbauten. Die Anlage entstand 1979 zusammen mit der U-Bahn-Haltestelle Kalk Post und bildet mit ihr über zwei Etagen die Zivilschutz-Mehrzweckanlage Kalker Hauptstraße. Gegen einen direkten Atomwaffentreffer war der Bunker nicht ausgelegt, wohl aber gegen herabfallende Trümmer und radioaktiven Niederschlag.
Technik und Ausstattung
Der eigentliche Bunker ist von 1,40 Meter dickem Beton umschlossen und ließ sich mit gasdichten Tunnelabschlüssen sowie rund 40 Zentimeter dicken, gepanzerten Stahltüren der Bochumer Eisenhütte Heintzmann hermetisch verriegeln – auch als Schutz gegen biologische und chemische Waffen. Ein 75 Meter langer Gang führt zu den Versorgungsräumen: einem Erste-Hilfe-Raum und einer Krankenstation, die auch für Operationen eingerichtet war, dazu 354 vierstöckige Sitz-Liege-Kombinationen und Lebensmittelvorräte. Fiel die öffentliche Versorgung aus, sollten Pumpen Trinkwasser aus einem eigenen Brunnen fördern und ein großer Schiffsmotor Strom liefern, unter anderem für die aufwendige Lüftung.
Ein Notfallplan mit Lücken
Vorgesehen war, im Ernstfall zusätzliche Kapazitäten zu schaffen: Feldbetten für 354 Menschen vor dem Kiosk im Eingangsbereich und auf den Bahnsteigen sowie Straßenbahnzüge, die von beiden Seiten in die Haltestelle einfahren und rund 432 Personen als Quartier dienen sollten. Robert Schwienbacher, Vorsitzender der Kölner Dokumentationsstätte Kalter Krieg, hält den Schutzzweck allerdings für fraglich: Funktioniert hätte die Anlage wohl nur bei einem etwa zwei Wochen vorher angekündigten Angriff und rechtzeitig eingetroffener Bedienmannschaft. Einlass war zudem allein für Durchreisende des Verkehrsknotens Deutz/Trimbornstraße gedacht, während Anwohner auf eigene Schutzräume verwiesen wurden. Offen blieb, wie Menschen nach zwei Wochen in einer zerstörten und verstrahlten Umgebung hätten weiterleben sollen.
Von der Schutzanlage zum Erinnerungsort
2005 wurde der Bunker außer Dienst gestellt; die Technik wird seither nicht mehr gewartet. Zunächst war ab 2014 eine Nutzung als Lager vorgesehen, doch seit 2016 ist die Anlage für Besichtigungen geöffnet – nach Angaben (Stand 2019) an jedem ersten Sonntag im Monat. Wegen der langen Warteliste entstand zusätzlich ein virtueller 3D-Rundgang, der online abrufbar ist. Betreut wird der Ort ehrenamtlich vom Verein „Dokumentationsstätte Kalter Krieg", einer Ausgründung des Kölner Festungsmuseums, das preußische Forts und Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg pflegt.
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