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© A.Savin · CC BY-SA 3.0

Geusenfriedhof

Ältester evangelischer Friedhof des Rheinlandes — angelegt während der Gegenreformation, als Kölner Protestanten ihren Glauben verdeckt lebten.

seit 1576

Der Geusenfriedhof in Köln-Lindenthal ist der älteste evangelische Friedhof des Rheinlandes. Er entstand zu einer Zeit, als sich Protestanten im katholischen Köln der Verfolgung ausgesetzt sahen und ihren Glauben weitgehend verdeckt praktizierten.

Auf einen Blick

Art
Ältester evangelischer Friedhof des Rheinlandes
Lage
Köln-Lindenthal, einst außerhalb der Stadttore
Belegung
erste Bestattung 1582, Beisetzungen bis 1875
Bestand
144 liegende Platten, rund 50 niedrige Stelen, rund 30 klassizistische Grabmale
Schutz
seit 1981 unter Denkmalschutz
Besonderheit
Grundstück von einer Katholikin gestiftet

Altersvergleich

Alter im Vergleich mit anderen Orten in Köln.

Name und Herkunft

Die Bezeichnung geht auf niederländische Protestanten zurück, die als Glaubensflüchtlinge nach Köln kamen und „Geusen“ genannt wurden. Der Begriff leitet sich vom französischen „gueux“ („Bettler“) ab und bezeichnete die niederländischen Freiheitskämpfer im Achtzigjährigen Krieg (1568–1648).

© © 1971markus · CC BY-SA 4.0

Geschichte

Im 16. Jahrhundert unterlagen Anhänger der Lehren Martin Luthers in Köln der Verfolgung; 1529 wurden die Reformatoren Adolf Clarenbach und Peter Fliesteden verbrannt. Den Grundstein für den Friedhof legte ausgerechnet eine Katholikin: Ursula von Gohr zu Kaldenbroek schenkte der Stadt 1576 ein 2700 m² großes Grundstück vor dem Weyertor südwestlich der Stadt, woraufhin dort am 24. Juni 1576 ein protestantischer Friedhof eröffnet wurde. Förmlich untersagte der Rat protestantische Bestattungen erst seit 1583; zuvor war eine Beisetzung „Unkatholischer“ allenfalls auf dem Elendsfriedhof neben Selbstmördern und „Ehrlosen“ gestattet. Für den Geusenfriedhof galten strenge Begräbnisregeln: Nur zwischen sechs und einem Dutzend Trauernden durften die Totenkarre begleiten. Zu den Bestatteten zählen der Kupferstecher Frans Hogenberg (1590) und der Maler Gottfried von Wedig (1641); der Grabstein des Bürgers Johannes Böcking (1792) ist bis heute erhalten. Seit 1829 durften Protestanten auf dem überkonfessionellen Melaten-Friedhof beerdigt werden; eine der letzten Beisetzungen war 1874 die des Mathematikers Franz Taurinus.

© © 1971markus · CC BY-SA 4.0

Heute

In den 1980er Jahren begann die Evangelische Gemeinde mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen, Grabsteine zu restaurieren und das Gelände herzurichten; seit 1981 steht die Anlage unter Denkmalschutz. Das Grundstück mit altem Baumbestand ist über einen Rundweg und zwei Querwege begehbar, zwischen den Gräbern ist der Boden dicht mit Efeu bewachsen. Einige der alten liegenden Grabsteine wurden konserviert und auf neuen Sockeln gelagert, andere sind zugewachsen und verwittert. In der Mitte steht ein 1964 von Wolfhard Röhrig aus Sichtbeton gegossener Altar, der nach der Schließung des Jeremiahauses 2006 hierher gebracht wurde. Er enthält ein inzwischen verschlossenes bronzenes Taufbecken; in seine Flächen sind Wellen als Symbol der Taufe sowie Ähren und Weinreben für das Abendmahl eingearbeitet. Bei besonderen Anlässen wird er für Freiluft-Gottesdienste genutzt.

© © 1971markus · CC BY-SA 4.0

Kunsthistorische Bedeutung

Die frühen Grabsteine unterscheiden sich in ihrer Formensprache von zeitgenössischen katholischen Anlagen: Statt kreuzförmiger Steine finden sich geschrägt liegende rechteckige oder quadratische Platten, die an Gedenksteine einer Kirchengruft erinnern. Später näherte sich die Gestaltung mit aufrechten Stelen und Obelisken tradierten Formen an. Heiligendarstellungen sind seltener als in der katholischen Grabkultur, während Wappen, Hausmarken, berufliche Symbole sowie Bildmetaphern für Tod und Vergänglichkeit häufig vorkommen, oft ergänzt durch Bibelzitate.

© © 1971markus · CC BY-SA 4.0

Galerie

© © 1971markus · CC BY-SA 4.0 · Commons
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Weyertal
50931 Köln

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-06-30

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