Kallendresser
Kupferfigur am Alter Markt, die dem Betrachter das nackte Gesäß zuwendet — ein kölsches Spottmotiv mit Wurzeln im Mittelalter.
Seit dem Mittelalter gehört der Kallendresser zum Kölner Brauchtum; mit entblößtem Hinterteil bringt die Figur eine spöttische Haltung gegenüber Obrigkeiten zum Ausdruck. Am bekanntesten ist die Skulptur an einem Haus am Alter Markt in der Altstadt-Nord.
Auf einen Blick
- Art
- Figur des Kölner Brauchtums, Skulptur an einem Wohnhaus
- Lage
- Alter Markt, Altstadt-Nord (Stadtbezirk Innenstadt)
- Material
- grünpatiniertes Kupferblech
- Künstler der Nachbildung
- Ewald Mataré
- Wortbedeutung
- kölsch für jemanden, der seine Notdurft in die Regenrinne verrichtet
- Verwandte Figuren
- drei ähnliche Konsolenfiguren am Rathausturm
Der bekannteste Kallendresser am Alter Markt entstand durch einen ungewöhnlichen Tausch: Architekt Jupp Engels gab einem Nachbarn die Rechte an einem mittelalterlichen Torbogen – gefunden bei Bauausschachtungen – und erhielt dafür im Gegenzug die Rechte an der steinernen Kallendresser-Figur, die der Künstler Ewald Mataré dann in grünpatiniertem Kupferblech nachbildete.
Das kannst du hier erleben
- Die freche Kupferfigur am Alter Markt entdecken
- Das kölsche Spottmotiv aus der Nähe bestaunen
- Ein humorvolles Erinnerungsfoto schießen
- Den Blick zum Rathausturm schweifen lassen und die drei verwandten Konsolenfiguren suchen
- Beim Bummel durch die Altstadt-Nord kölsches Brauchtum erleben
Bedeutung der Figur
Wofür die Figur genau steht, beurteilen Brauchtumsforscher unterschiedlich. Übereinstimmend gilt sie als Mittel, echten oder selbsternannten Obrigkeiten auf diese Art eine Meinung zu zeigen. Zwei Typen lassen sich trennen: der hockend im Profil gezeigte Kallendresser sowie der „Kölner Spiegel“, der dem Betrachter den Rücken zudreht und den Kopf zwischen die Beine hält.
Am Rathausturm
Die Konsolen des Kölner Rathausturms zeigen Männer, die dem Betrachter das nackte Gesäß zuwenden. Während im Mittelalter dort mindestens fünf dieser Figuren saßen, sind heute noch drei erhalten. Sie liegen unterhalb der Skulpturen von Konrad von Hochstaden, Gottfried Hagen und Katharina Henot.
Die Figur am Alter Markt
1956 erwarb der Architekt Jupp Engels (1909–1991) ein durch Kriegszerstörung freigewordenes Grundstück am Alter Markt und baute darauf ein Haus, das sich den älteren Bauten anpasste und mit dem Kölner Architekturpreis bedacht wurde. Er versah es mit „Em Hanen“, dem mittelalterlichen Namen des Vorgängerbaus. Einen bei den Ausschachtungen entdeckten Torbogen gab er im Tausch gegen die Rechte an der einst steinernen Kallendresser-Figur weiter, von der danach die heutige Nachbildung entstand. 1986 erhielt das Gebäude Denkmalschutz.
Fortleben im Brauchtum
Engels rief zudem den Kallendresser-Orden ins Leben, den er als Ordensmeister und „Oberkallendresser“ leitete und in den nur Personen mit besonderen Verdiensten um die Kölner Brauchtumspflege gelangen. Auch die kölsche Musikgruppe De Kallendresser trägt ihren Namen nach der Figur. 2011 schuf die Kölner Künstlerin Elisabeth Wegener-Botz eine weitere Figur, deren Abgüsse an einem Privathaus in Junkersdorf sowie am Eingang der Privatbrauerei Heller in der Roonstraße angebracht wurden. Nach dem Kallendresser benannte die Brauerei Heller auch einen Kräuterlikör.
Zeitstrahl
- 1956Jupp Engels kauft Grundstück am Alter Markt und errichtet Haus „Em Hanen"
- 1986Haus „Em Hanen" wird unter Denkmalschutz gestellt
- 1991Jupp Engels stirbt; hatte zuvor den Kallendresser-Orden gegründet
- 2011Künstlerin Elisabeth Wegener-Botz gestaltet eine weitere Kallendresser-Figur
Karte
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Adresse
Alter Markt 24
50667 Köln
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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-06-26
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