Mittelalterliche Synagoge Köln
Im Boden der Archäologischen Zone nahe dem Rathaus: Reste einer jüdischen Synagoge, die vom 11. Jahrhundert bis zur Vertreibung 1424 bestand.
Zwischen 2007 und 2015 legten Ausgrabungen in der Archäologischen Zone Köln Überreste des Bauwerks frei, darunter tausende Bruchstücke des Vorlesepults.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Reste einer mittelalterlichen Synagoge
- Lage
- Umgebung des heutigen Kölner Rathauses, Stadtteil Altstadt-Nord
- Erste Belege
- schriftliche Zeugnisse verweisen ins 11. Jahrhundert
- Grundriss der Synagoge
- zweigeschossig, 9 mal 15 Meter
- Gemeindezentrum
- rund 2400 Quadratmeter, etwa ein Sechstel des jüdischen Viertels
- Nutzung bis
- Vertreibung der Juden 1424
- Freilegung
- Ausgrabungen 2007 bis 2015
Die kunstvolle gotische Bima (das Vorlesepult) der Synagoge wurde bei Ausgrabungen zunächst nur in rund 3000 Einzelbruchstücken gefunden und konnte erst daraus wieder zusammengesetzt werden.
Das jüdische Viertel
Das Judenviertel im Bereich des heutigen Rathauses maß rund 1,35 Hektar, weniger als ein Prozent der damaligen Stadtfläche. Dort lebten 700 bis 800 Menschen, Mitte des 14. Jahrhunderts etwa zwei Prozent der Kölner Bevölkerung von 40.000 Einwohnern. Zäune oder Gitter trennten das Viertel von christlichen Grundstücken. Das Gemeindezentrum vereinte Synagoge, Backhaus, Hospital, Mikwe und ein Gemeindehaus für Feste.
Bau und Ausstattung
Die Synagoge lag etwa in der Mitte des Viertels und diente Gebet, Studium sowie dem Rabbinatsgericht. Unter ihr befand sich ein ausgebauter Keller, vermutlich für wertvolle Gegenstände und Urkunden. Ein Anbau für die Frauen war durch schmale Hörschlitze aus rotem Sandstein mit dem Betraum der Männer verbunden; da die Frauen wenig vom Gottesdienst mitbekamen, traten gelehrte Frauen wie Pura, Jenta und Vromut als Vorbeterinnen auf. Die Wände waren weiß getüncht, unter der Balkendecke waren steinerne Inschriften eingefügt. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts folgte eine Restaurierung im gotischen Stil samt neuer Bima mit Baldachin, die aus rund 3000 Bruchstücken rekonstruiert werden konnte.
Verfolgung und Ende
Bei einem Pogrom 1096 wurden rund 300 jüdische Menschen ermordet, 1349 die gesamte jüdische Bevölkerung getötet und die Synagoge zerstört. Ab 1372 wurden erneut jüdische Familien aufgenommen und die Synagoge kleiner wieder aufgebaut. 1423 beschloss der Rat, den 1424 auslaufenden Aufenthaltsvertrag nicht zu verlängern; einige Familien siedelten über den Rhein nach Deutz.
Spätere Nutzung
Nach der Vertreibung wurde das Gebäude als christliche Ratskapelle St. Maria in Jerusalem umgewidmet. Diese wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Zeitstrahl
- 1012Erzbischof Heribert gestattet Kölner Juden laut späterer Quelle den Bau einer Synagoge
- 1056–1075Judenviertel urkundlich bezeugt
- 1075Kölner Juden beweinen am 4. Dezember den Tod Erzbischof Annos
- 1096Pogrom tötet rund 300 jüdische Menschen
- um 1140Streit über Fenster mit Tierdarstellungen belegt
- 1270Erste schriftliche Erwähnung der Kölner Mikwe
- 1349Massaker tötet gesamte jüdische Bevölkerung, Synagoge zerstört
- 1372Jüdische Familien kehren zurück, Synagoge wird kleiner wiederaufgebaut
- 1423Rat beschließt am 16. August, Aufenthaltsvertrag nicht zu verlängern
- 1424Vertreibung der Juden, Synagoge wird zu St. Maria in Jerusalem umgewidmet
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