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© Wilhelm Scheiner (1852-1922), deutscher Kunstmaler · Public domain

Synagoge Deutz

Religiöses Zentrum der jüdischen Gemeinde in Köln-Deutz; die 1938 zerstörte Synagoge am Reischplatz ist heute ein Wohnhaus mit Gedenktafel.

Die Synagoge Deutz war über Jahrhunderte das religiöse Zentrum der jüdischen Gemeinde im heutigen Kölner Stadtteil Deutz auf der rechten Rheinseite. Am Reischplatz erinnert eine Gedenktafel an das 1938 zerstörte Gotteshaus; das später veränderte Gebäude dient heute als Wohnhaus und ist nicht öffentlich zugänglich.

Auf einen Blick

Lage
Reischplatz, Köln-Deutz (rechtsrheinisch)
Jüdische Gemeinde in Deutz
erstmals 1426 bezeugt
Heutiges Gebäude erbaut
1915
Zerstört
Novemberpogrome, 9./10. November 1938
Frühere Nutzung nach 1938
Polizeiwache Deutz (1941–2010)
Heutiger Zustand
Wohnhaus, nicht öffentlich zugänglich
Erinnerung
Gedenktafel am Haus

Geschichte der Gemeinde

Nach der Vertreibung der Juden aus Köln 1424 wurde das damals eigenständige Deutz zu einem jüdischen Zentrum, da die Bewohner dort gegen Gebühr unter dem Schutz des Erzbischofs von Köln standen. Eine Synagoge in der „Freiheit" Deutz wurde erstmals 1426 bezeugt, an der heutigen Deutzer Freiheit (früher Freiheitstraße 4). Zeitweise war der Ort Sitz der jüdischen Hauptgemeinde des Erzstifts Köln. Um 1665 lebten etwa 65 Juden in Deutz, gegen Ende des 18. Jahrhunderts war die Gemeinde auf 163 Personen angewachsen. Von etwa 1802 bis 1816 gehörte auch die Familie des Komponisten Jacques Offenbach zur Deutzer Gemeinde; sein Vater Isaac war zeitweise Vorsänger der Synagoge.

Das 1426 bezeugte Gebäude nahe dem Rhein wurde im Februar 1784 durch ein schweres Hochwasser mit Eisgang zerstört. 1786 errichtete die Gemeinde an gleicher Stelle einen Neubau, dessen zum Rhein gerichtete Front über viele Jahre das Deutzer Rheinpanorama mitprägte. 1914 musste diese Synagoge dem Bau der Deutzer Hängebrücke weichen.

© Unbekannt. Vor 1913. Urheber vermutlich Friedrich Carl Heimann (1850-1921) · Public domain

Die dritte Synagoge (1915–1938)

Für die 1914 abgerissene Synagoge entstand 1915 am neu bebauten Reischplatz ein neues jüdisches Gemeindezentrum; die Stadt hatte das Grundstück 1913 erworben. Der Bau war kein freistehendes Gebäude, sondern reihte sich in eine Front von Wohnhäusern ein. Sein Aussehen ist vor allem aus Beschreibungen von Ernst Simons, dem Sohn des letzten Rabbiners, bekannt. Der Betsaal reichte vom ersten bis in den zweiten Stock und bot 240 Plätze für Männer sowie auf einer Empore 200 Plätze für Frauen. Im Erdgeschoss lagen eine Religionsschule für 50 Kinder, ein Gemeindesaal für 100 Personen sowie ein Sitzungs- und Bibliotheksraum. In der dritten Etage wohnte die Familie Simons. Zahlreiche über Generationen überlieferte rituelle Objekte und Textilien hatte die Gemeinde 1915 in den Neubau mitgenommen.

© Unbekannt. Vor 1913. Urheber vermutlich Friedrich Carl Heimann (1850-1921) · Public domain

Novemberpogrome 1938

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge von SA-Männern in Brand gesteckt und verwüstet; die Außenmauern und Teile der inneren Struktur blieben erhalten. Der Rabbiner Julius Simons, seine Frau Veronika und ihr Sohn Hermann wurden 1943 deportiert und im Holocaust ermordet. Ein weiterer Sohn, Kurt, starb im August 1945 in Köln; der Sohn Ernst Simons kehrte 1952 aus der Lagerhaft nach Köln zurück. Im Mai 1941 ordneten die NS-Behörden an, dass die verbliebenen Juden aus Deutz in Ghettohäuser im linksrheinischen Köln umziehen mussten – damit endete die Existenz der Deutzer jüdischen Gemeinde. Die Deportationen der Kölner Juden erfolgten in 15 Transporten vom Bahnhof Deutz.

© Unbekannt. Vor 1913. Urheber vermutlich Friedrich Carl Heimann (1850-1921) · Public domain

Erinnerung heute

Das Gebäude wurde nach 1938 in veränderter Form wieder aufgebaut und beherbergte von 1941 bis 2010 die Polizeiwache Deutz; seitdem dient es als Wohnhaus und ist nicht öffentlich zugänglich. 1957 erwarb das Land Nordrhein-Westfalen die Immobilie im Rahmen eines Vergleichs mit der Jewish Trust Corporation. Eine Gedenktafel am Haus erinnert an die frühere Synagoge Deutz. Ein Teil der Kultgegenstände, vor allem Textilien, gelangte in den Besitz des Kölnischen Stadtmuseums, wo er den Zweiten Weltkrieg überdauerte.

© Tomtom10 · CC BY-SA 4.0

Galerie

© Tomtom10 · CC BY-SA 4.0 · Commons
© Unbekannt. Vor 1913. Urheber vermutlich Friedrich Carl Heimann (1850-1921) · Public domain · Commons

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Adresse

Reischplatz 6
50679 Köln

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-08-13

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