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© HOWI - Horsch, Willy · CC BY 3.0

Römische Therme und mittelalterliche Badehäuser in Köln

2007 freigelegte Fundamente einer römischen Therme aus dem 2./3. Jahrhundert unter der Altstadt-Süd — darunter ein Rundbau von 18 Metern Außenweite.

Baden

Die Badekultur lässt sich in Köln über viele Jahrhunderte verfolgen — von antiken Anlagen über jüdische Ritualbäder bis zu mittelalterlichen Badestuben. Belegt ist dies durch archäologische Befunde und frühe Einträge in den Kölner Grundbüchern.

Auf einen Blick

Art
Archäologische Befunde einer römischen Therme und mittelalterlicher Badehäuser
Lage
Altstadt-Süd, Stadtbezirk Innenstadt
Fund
2007 bei Bauarbeiten freigelegt
Datierung
2./3. Jahrhundert (römische Therme)
Rundbau
Außenweite 18 Meter, Grundmauern 1,20 m breit, erhalten 1,70 m hoch
Baumaterial
römischer Zement
Wusstest du?

Der 2007 in Köln entdeckte Rundbau einer römischen Therme aus dem 2./3. Jahrhundert hatte einen Durchmesser von rund 18 Metern und wurde durch außen vorgesetzte Fundamentvorlagen gestützt – ähnlich dem Strebewerk gewölbter Kirchenbauten –, um den Druck einer hohen Kuppel aufzufangen.

Die Thermenfunde von 2007

Bei Schachtarbeiten für ein Bauprojekt kamen 2007 im Bereich zwischen Cäcilienstraße, Cäcilienkloster, Kämmergasse, Nord-Süd-Fahrt und Leonhard-Tietz-Straße die Fundamente eines Rundbaues zum Vorschein, der zu einer römischen Thermenanlage gehörte. Ein Archäologe des Römisch-Germanischen Museums bezeichnete den Befund wegen seiner guten Erhaltung als einen der bedeutendsten Kölner Funde aus römischer Zeit seit vielen Jahren. Der Rundbau diente wohl als Schwitzbad. Außen vorgesetzte Fundamentvorlagen stützten das Mauerwerk, ähnlich dem Strebewerk gewölbter Kirchenbauten, und fingen den Druck eines hohen Kuppelbaus auf. Teile der Fußbodenheizung und der seitlichen Heizkanäle waren noch erkennbar.

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Baden im römischen Köln

Der Besuch einer öffentlichen, von einem Pächter betriebenen Therme war für die meisten Bürger erschwinglich. Männer und Frauen nutzten getrennte Räume oder Öffnungszeiten; gezahlt wurde ein Viertel bis ein As, wobei Frauen mehr als Männer entrichteten und Kinder sowie Soldaten freien Eintritt hatten. Zur Ausrüstung gehörten eine Griffschale (patera), ein Schaber (strigilis) und eine Ölflasche (ampulla). Nach der Reinigung folgten Heiß- oder Kaltbäder sowie der Aufenthalt im Tepidarium, im Caldarium und zum Abschluss im Frigidarium. Manche Thermen boten zudem Massagen, Rasur, Schröpfen und kleine ärztliche Eingriffe an.

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Jüdische Ritualbäder und Badestuben

Die seit dem 4. Jahrhundert belegte jüdische Gemeinde nutzte rituelle Bäder in der Mikwe, deren erste Bauphasen in die Zeit vor 800 datiert werden und die nach 1096 durch einen Umbau ihre erhaltene Form erhielt. Eine „Juden-Badestube“ im Jerusalemgässchen erwähnen die Schreinsakten erst 1334.

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Von der Therme zum Damenstift

Auf dem Gelände der antiken Thermen entstanden wohl seit früher karolingischer Zeit christliche Kultbauten. Eine Urkunde des Erzbischofs Willibert aus dem Jahr 888 bezeugt hier St. Cäcilien als adeliges Damenstift. Das heutige Bauwerk, das Museum Schnütgen, entspricht im Wesentlichen der zwischen 1130 und 1160 errichteten romanischen Pfeilerbasilika. Nach alten Abbildungen war deren Hauptapsis mit Quadern aus Aquäduktenmarmor versehen, der vermutlich von römischen Wasserleitungen zur Versorgung der Therme stammte.

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Eine Sage

Einer Überlieferung zufolge befand sich im 7. Jahrhundert vor der nördlichen Römermauer eine frühe fränkische Kultstätte: ein am Rhein gelegenes Brunnenheiligtum, dessen Wasser die weibliche Fruchtbarkeit erhöht haben soll. Dort fand möglicherweise ein ritueller Badekult statt, vergleichbar mit Vorgängen um 803 in Minden.

© MatthiasKabel · CC BY 2.5

Zeitstrahl

  1. 2./3. Jahrhundert
    Bau der römischen Thermenanlage in Köln
  2. vor 800
    Erste Bauphasen der jüdischen Mikwe entstehen
  3. um 803
    Vergleichbarer ritueller Badekult in Minden bezeugt
  4. 888
    Urkunde Erzbischof Williberts bezeugt St. Cäcilien als Damenstift
  5. nach 1096
    Umbau der Mikwe zur bis heute erhaltenen Form
  6. 1130–1160
    Bau der romanischen Pfeilerbasilika St. Cäcilien
  7. 1334
    Erste Erwähnung einer „Juden-Badestube“ im Jerusalemgässchen
  8. 2007
    Ausgrabung der Fundamente der römischen Therme in Köln

Galerie

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© Konrad Kyeser: "Bellifortis" · Public domain · Commons
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© Johann Schaeffler, Holzschnitt einer Badeszene · Public domain · Commons

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-09-13

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