Das römische Westtor der Colonia (verschwundenes Stadttor am Apostelnkloster)
Ein spurlos verschwundenes Tor der römischen Stadtbefestigung Kölns, dessen Straßenreste beim Apostelnkloster nahe dem Neumarkt ausgegraben wurden.
Am westlichen Rand des römischen Köln lag ein Stadttor, durch das die große Fernstraße nach Westen die Colonia verließ. Vom Tor selbst ist heute nichts mehr erhalten – erhalten blieben nur Reste der zugehörigen Straße im Boden beim heutigen Apostelnkloster.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Standort
- Apostelnkloster / nahe Neumarkt, Köln-Innenstadt (ca. 50.93898, 6.95058)
- Art
- Verschwundenes Tor der römischen Stadtbefestigung
- Entstehung
- Römische Zeit (kein genaues Baujahr überliefert)
- Funktion
- Westausgang an der Ost-West-Achse (Decumanus maximus)
- Verschwunden
- Vermutlich im Zusammenhang mit dem Bau von St. Aposteln um 1020/30
- Erhalten
- Reste der römischen Fernstraße im Untergrund
- Zugang
- Kein sichtbares Bauwerk; der Straßenquerschnitt im Gebäude der Fritz-Thyssen-Stiftung ist privat und nicht öffentlich zugänglich
Lage und Bedeutung
Das Tor gehörte zur westlichen Ummauerung der römischen Stadt und lag zwischen dem Südwest-Tor und dem nördlichen Ehrentor am westlichen Ende der heutigen Breiten Straße. Von hier führte die römische Staatsstraße geradlinig nach Westen in Richtung Boulogne-sur-Mer; sie ist heute unter dem Namen Via Belgica bekannt und entspricht in etwa dem Verlauf der Aachener Straße. Für Militär und Handel war dieser Durchgang von großer Bedeutung – in der West-Ost-Achse der Stadt nahm er einen ähnlichen Rang ein wie die Tore der Nord-Süd-Achse.
Straßenreste im Boden
Während in nachrömischer Zeit der Handel zunehmend über den Rhein lief und der Westrand der Stadt zunächst kaum besiedelt blieb, hat sich die alte Fernstraße im Untergrund erhalten. Bereits im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts legte man auf dem Gelände Apostelnkloster 13–15 einen gut erhaltenen Abschnitt der nach Westen führenden Heerstraße frei; sie war rund 6,50 m breit. Ihr Aufbau war sorgfältig geschichtet: ein Unterbau aus Trachyt, darüber eine Mischung aus Kies sowie eine Lage Ziegelbeton. Kiesschichten belegen, dass der Belag zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert n. Chr. mehrfach erneuert wurde.
Wiederentdeckung 2009
Bei Umbauten im Jahr 2009 – als das Archiv der am Apostelnkloster ansässigen Fritz-Thyssen-Stiftung erweitert wurde – kam die alte Grabungsstelle erneut zum Vorschein. Ein Querschnitt durch den Straßendamm, gefertigt aus dem hier gefundenen Material und als Leihgabe des Römisch-Germanischen Museums präsentiert, veranschaulicht den Aufbau der Straße. Dieser Ausschnitt befindet sich jedoch im privaten Gebäude der Stiftung und ist nicht öffentlich zu besichtigen.
Das Ende des Tores
Eine der letzten Spuren des Tores findet sich in der ottonischen „Vita Brunonis": Ruotger berichtet vom Leichenzug des 965 in Reims verstorbenen Erzbischofs Brun, der über die alte Römerstraße bis in die Kölner Vorstadt kam. An einem Tor und einer kleinen, den Aposteln geweihten Kirche wurde Rast gemacht, bevor der Zug zur Stiftskirche St. Pantaleon weiterzog. Daraus schließt die Forschung, dass das Westtor noch im 10. Jahrhundert genutzt wurde. Danach verlieren sich seine Spuren: Vermutlich führten die Gründung des Apostelnstiftes und der Bau der Kirche [[St. Aposteln]] um 1020/30 dazu, dass der Neubau das Tor versperrte, die Straßenführung geändert wurde und das antike Tor schließlich ganz verschwand.
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