Synagoge Mülheim am Rhein
Zwei jüdische Gotteshäuser an der Mülheimer Freiheit; das letzte wurde 1938 zerstört, heute erinnert nur eine Gedenktafel.
Als Synagoge Mülheim am Rhein werden zwei nacheinander genutzte jüdische Gotteshäuser an der Mülheimer Freiheit im heutigen Kölner Stadtteil Mülheim bezeichnet. Das letzte Gebäude wurde 1938 zerstört; an seiner Stelle steht heute ein Mehrfamilienhaus mit einer Gedenktafel.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Lage
- Mülheimer Freiheit, Köln-Mülheim
- Erste Synagoge
- Bethaus, vor 1770 bis 1784
- Zweite Synagoge
- eingeweiht 1788 oder 1789, Entwurf von Baumeister Wilhelm Hellwig
- Zerstört
- in den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 (Novemberpogrome)
- Heutiger Zustand
- Ruinen 1956 abgetragen, heute Mehrfamilienhaus
- Erinnerung
- Gedenktafel am Gebäude Mülheimer Freiheit 78
- Gemeinde
- kleine Landgemeinde, Höchststand von rund 310 Mitgliedern (1929)
Die erste Synagoge und das Hochwasser von 1784
Vermutlich Mitte des 17. Jahrhunderts entstand in Mülheim eine kleine jüdische Landgemeinde. Ein erstes Bethaus befand sich vor 1770 im Haus von Simon Cain an der heutigen Mülheimer Freiheit Nr. 5 und wurde von den Mülheimern „die Synagoge“ genannt. Im Februar 1784 zerstörte ein Hochwasser das Gebäude: Nach einem plötzlichen Temperaturanstieg türmten sich Eisschollen auf dem Rhein, der Pegel erreichte einen Rekordwert von 13,55 Metern. In Mülheim ertranken 21 Menschen, rund zwei Drittel der Häuser wurden zerstört. Kult- und Einrichtungsgegenstände gingen verloren; die Amsterdamer Gemeinde sandte eine neue Torarolle nach Mülheim.
Der Neubau von 1788/89 und die Gemeinde
Der Mülheimer Gelehrte Elieser Cain stiftete ein schmales, hochwassersicheres Grundstück an der Freiheit. 1788 oder 1789 wurde dort ein von Wilhelm Hellwig entworfener Neubau eingeweiht. Genehmigt wurde nur eine Hinterhofsynagoge, weshalb ein Wohn- und Gemeindehaus davorgesetzt wurde. Die Synagoge verfügte über eine Männerabteilung mit 17 Bänken und eine Frauenabteilung mit vier Wandbänken; ein Inventar von 1851 nennt sieben Torarollen. Die sehr kleine Gemeinde hatte nie einen eigenen Rabbiner; religiöse Aufgaben übernahmen Lehrer und Vorsänger. 1865 wurde die selbständige Mülheimer Synagogengemeinde gegründet, 1929 zählte sie rund 310 Mitglieder. Nach der Eingemeindung Mülheims nach Köln 1914 bestand sie zunächst weiter, schloss sich angesichts des zunehmenden Antisemitismus der 1920er Jahre aber der Kölner Gemeinde an. Im Gemeindehaus befanden sich auch die jüdische Schule und eine Wohnung.
Zerstörung 1938
Während der Novemberpogrome wurde die Synagoge in den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 angezündet und weitgehend zerstört. Das Archiv der Synagogengemeinde gilt seitdem als verschollen. Im Zuge der „Arisierung“ wurde das Grundstück mit der Ruine am 7. August 1942 verkauft; das dort errichtete Wohnhaus wurde 1944 durch Bombenangriffe zerstört. Die Lehrer Leopold Vogel und Israel Janowski, die bis in die 1930er Jahre in Mülheim unterrichteten, kamen mit ihren Familien in Majdanek und Theresienstadt um.
Erinnerung heute
Nach der NS-Zeit beantragte die wiedergegründete Synagogengemeinde Köln 1948 die Rückerstattung des Grundstücks, die 1954 gerichtlich verfügt wurde. Die verbliebenen Ruinen wurden im Sommer 1956 abgetragen; an der Stelle des früheren Gemeindehauses entstand ein Mehrfamilienhaus. An den Standort erinnert eine Gedenktafel am Gebäude Mülheimer Freiheit 78 mit der Inschrift: „Im Hause Mülheimer Freiheit 78 befand sich bis 1938 die Mülheimer Synagoge. Sie wurde ebenso wie die kleine Religionsschule für jüdische Mülheimer Kinder am 9.11.1938 zerstört.“ Die verstorbenen Gemeindemitglieder wurden auf dem Jüdischen Friedhof Köln-Mülheim bestattet.
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Adresse
Mülheimer Freiheit 78
51063 Köln
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