Zum Inhalt springen
stuff to do in.cologne
DE
DeutschEnglish
© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

Zeughaus

Arsenal ohne Ernstfall: Kölns 1594–1606 erbautes Zeughaus zeigte schon im 17. Jahrhundert Reisenden seine Waffen und war 1958–2021 Teil des Stadtmuseums.

Das Kölner Zeughaus steht an der Stelle des spätmittelalterlichen Blidenhauses, und seine Südseite ruht auf Resten der römischen Stadtmauer. Errichtet wurde es, um die Waffen für die Verteidigung der Stadt aufzunehmen.

Auf einen Blick

Lage
Stadtteil Altstadt-Nord, Stadtbezirk Innenstadt, zwischen der Straße „Burgmauer“ im Süden und der Zeughausstraße im Norden
Maße
66,80 Meter lang, 17,15 Meter breit
Stil
schlichter Backsteinbau mit Einflüssen der niederländischen Renaissance
Treppenturm
achteckig, 23,60 Meter hoch, an der Westseite
Schmuckportal
um 1595 von Peter Cronenborch an der Nordseite
Denkmalschutz
Baudenkmal in Nordrhein-Westfalen, seit 1. Juli 1980 in der Denkmalliste der Stadt Köln
Wusstest du?

Das Kölner Zeughaus musste als Waffenarsenal nie wirklich eingesetzt werden; schon im 17. Jahrhundert zeigte man Reisenden dort ausgeschmückte Waffen und Objekte, darunter sogar eine kopflose Mumie und den Streitwagen aus der Schlacht von Worringen 1288.

Vom Blidenhaus zum Arsenal

Die Stadtverteidigung lag zunächst bei den Gaffeln, später bei der städtischen Verwaltung. Für ihre schweren Waffen diente das 1348 erstmals erwähnte Blidenhaus, auch „Werkhaus“ genannt. Eine Blide war eine mittelalterliche Unterform des Katapults. Weil der alte Bau der Wehrordnung von 1583 nicht mehr genügte, entstand das Zeughaus, wobei „Zeug“ für Rüstung steht. Stadtbaumeister Peter von Siberg begann, Stadtsteinmetz Peter von Blatzheim folgte ihm, Matthias von Gleen vollendete den Bau.

© Thomas Robbin · CC BY-SA 3.0

Außen und innen

Zwölf streng rhythmisierte Fensterachsen in drei Reihen gliedern die Nordseite. Das Schmuckportal unterbricht sie asymmetrisch: Es war nicht vorgesehen, geriet etwas überproportional und sollte den „Ruhm und die Macht der Stadt Köln“ symbolisieren. An der höher gelegenen Südseite gibt es nur eine größere und eine kleinere Fensterreihe. Je zwei Treppengiebel unterbrechen das Satteldach zu beiden Längsseiten. Im Erdgeschoss lagerten die schweren Waffen unter 25 Gewölbefeldern, im Obergeschoss lag ein Festsaal mit Intarsien, in dem auch leichtere Waffen untergebracht waren. Dessen Prunkportal zum Treppenturm befindet sich heute im Rathaus.

© HOWI - Horsch, Willy · CC BY 3.0

Ein Museum vor dem Museum

Im Ernstfall gebraucht wurde das Arsenal nie, es lag lange in einem „Dämmerschlaf“. Schon seit dem 17. Jahrhundert wurden Reisenden die Waffen und Objekte samt Schauergeschichten vorgeführt. Gezeigt worden sein sollen sogar eine kopflose Mumie und der Streitwagen aus der Schlacht von Worringen 1288. Nach dem Einzug französischer Truppen 1794 kam der Bau in Regierungsbesitz und wurde ausgeräumt. Als Waffenlager diente er unter französischer und preußischer Herrschaft weiter. Im 19. Jahrhundert wurde er erheblich umgebaut, ab 1920 nutzte ihn unter anderem das Landesfinanzamt.

© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

Zerstörung und Stadtmuseum

Bei Luftangriffen 1942 und 1943 brannte das Gebäude bis auf die Außenmauern nieder. Die Stadt erwarb die Ruine für das damals in Deutz untergebrachte Historische Museum zurück. Beim Wiederaufbau erhielten die unteren Geschosse flache Rippendecken und eine freitragende Treppe im Stil der 1950er-Jahre, die Säulen blieben ohne Gewölbe. Von 1958 bis 2021 gehörte der Bau zum Kölnischen Stadtmuseum. Mit ihm kehrten auch Objekte zurück, die einst über die Sammlung Wallraf und das Wallraf-Richartz-Museum gewandert waren.

© User Bordeaux on de.wikipedia · CC BY-SA 3.0

Der Goldene Vogel

1991 setzte der Künstler HA Schult als „Denkmal der Autozeit“ einen originalen Ford Fiesta mit riesigen Flügeln auf den Treppenturm. Die Aktion war sehr umstritten. Regierungspräsident Franz Josef Antwerpes kritisierte, der Denkmalschutz werde sonst sehr streng ausgelegt, hier aber offensichtlich komplett ignoriert. Wegen statischer Probleme wurde der Vogel später entfernt.

© VollwertBIT · CC BY-SA 2.5

Zeitstrahl

  1. 1348
    Vorgängerbau als „Blidenhaus“/„Werkhaus“ erstmals erwähnt
  2. 1594–1606
    Bau des Zeughauses als städtisches Waffenarsenal
  3. 1794
    Einzug französischer Truppen; Zeughaus ausgeräumt, in Regierungsbesitz
  4. 1920
    Zivile Nutzung, u. a. durch das Landesfinanzamt
  5. 1942/1943
    Zerstörung bis auf die Außenmauern bei zwei Luftangriffen
  6. 1958
    Beginn als Teil des Kölnischen Stadtmuseums
  7. 1980
    Eintrag in die Denkmalliste der Stadt Köln (1. Juli)
  8. 1991
    HA Schult installiert den „Goldenen Vogel“ auf dem Treppenturm

Galerie

© VollwertBIT · CC BY-SA 2.5 · Commons
© Own work · CC0 · Commons
© Mich.kramer · CC BY-SA 3.0 · Commons
© Achim Raschka ( talk ) · CC BY-SA 4.0 · Commons
© Mich.kramer · CC BY-SA 3.0 · Commons
© Mich.kramer · CC BY-SA 3.0 · Commons

Karte

Blaue Punkte: andere Orte in der Nähe – zum Stöbern antippen.

Das könnte dich auch interessieren – themenverwandt oder in der Nähe

Alte Wache am Zeughaus

5,0(1)· Google

Preußisches Wachgebäude von 1840/41 im klassizistischen Florentiner Stil, das nach Kriegszerstörung wiederaufgebaut wurde und heute als Wechselausstellungsraum des Kölnischen Stadtmuseums dient.

4711

seit 1799
4,5(1.350)· Google

Kölnisch Wasser aus der Glockengasse, dessen Name auf eine alte Kölner Hausnummer zurückgeht und das „Original Eau de Cologne" heißen darf.

A. Schaaffhausen’sches Bankpalais

Im Krieg zerstörter Kölner Bankbau von 1859–1862, der klassizistische Formen mit italienischer Renaissance verband.

Kommentare

  • Lade Kommentare…

Quellen & Links

Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-11-08

Wie diese Seite entsteht

Diese Seite stützt sich auf offene Quellen — Wikipedia, Wikidata, offizielle Webseiten und offene Daten der Stadt — sowie, wo ein Ort dort geführt wird, auf grundlegende Ortsdaten und Fotos aus Google Maps. Jede Angabe wird gegen die hier verlinkten Quellen geprüft, und die Seiten werden regelmäßig aktualisiert.

Trotzdem einen Fehler entdeckt? Sag uns unten Bescheid — wir lesen jede Einsendung.

Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht?

Hilf mit, die Seite besser zu machen — schlag eine Änderung oder einen neuen Ort vor.