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© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

Am Römerturm 3

Klassizistisch umgestaltetes Wohnhaus, wo einst das Klarissenkloster Sankt Clara stand – heute Sitz eines Architekturbüros samt „Sancta-Clara-Keller“.

Das Gelände befindet sich am nordwestlichen Eckpunkt der früheren römischen Stadtmauer, unmittelbar neben dem sogenannten Römerturm. Seine Bebauung lässt sich bis ins frühe 13. Jahrhundert zurückverfolgen.

Auf einen Blick

Art
Wohnhaus unter Denkmalschutz (Baudenkmal in Nordrhein-Westfalen)
Lage
Köln, Altstadt-Nord im Stadtbezirk Innenstadt
Umgestaltung im klassizistischen Stil
1820–1822
Wiederaufbau
abgeschlossen 1974, Architekt Friedrich Wilhelm Kraemer
Frühere Bebauung
Parfusenhof, danach Klarissenkloster Sankt Clara (1306–1802)
Nutzung heute
Wohnung, Architekturbüro, Keller für Veranstaltungen
Wusstest du?

Aus den Resten eines 1268 zerstörten fürstlichen Hofs der Grafen von Jülich wurde 1306 das Klarissenkloster Sankt Clara gegründet; sein unterirdischer „Sancta-Clara-Keller" überstand sogar die Brandbomben des Zweiten Weltkriegs und dient heute als Veranstaltungsraum.

Vom Stadthof zum Kloster

Auf mehreren Parzellen an dieser Stelle entstand im Auftrag von Richolf Parfuse, der zeitweise das Amt des Bürgermeisters innehatte, der Parfusenhof. Im Jahr 1265 ging der Hof durch Verkauf von Werner, dem Sohn, und dessen Frau Gertrud an Graf Wilhelm IV. von Jülich und seine Gattin Richardis über; damit diente er fortan als fürstlicher Sitz innerhalb der Stadtmauer. Bereits 1268 fiel er dem Streit zwischen den Overstolzen und den „Weisen“ zum Opfer. In ihrem Testament vermachte Richardis von Jülich das Areal einer Klostergründung: 1306 nahm dort das Klarissenkloster Sankt Clara seinen Betrieb auf, das mit der Säkularisation 1802 endete.

© Chris06 · CC0

Klassizistischer Umbau

Auf mehrere Besitzer folgte 1819 der Generalstaatsanwalt Johann Gottfried Alexander Maria Hubert (von) Sandt als Eigentümer. Zwischen 1820 und 1822 gab er dem heutigen Wohnhaus eine klassizistische Gestalt, vermutlich auf Grundlage eines Entwurfs von Johann Martin Schauss. In den Jahren 1833/34 erhielt außerdem der Römerturm auf sein Betreiben hin zusätzliche Geschosse und wurde so zum dreistöckigen Wohnhaus mit Büro. Nachdem er gestorben war, kam das Areal 1840 zur Versteigerung; in der Folge wurden dort die Helenenstraße und die Straße Am Römerturm angelegt.

© A.Savin · CC BY-SA 3.0

Bankhaus, Zerstörung und Wiederaufbau

Das Privatbankhaus „Delbrück von der Heydt & Co.“, gegründet 1919, kaufte das Gebäude noch im Gründungsjahr und nutzte es für seine Geschäfte. Brandbomben verwüsteten das Haus im Zweiten Weltkrieg; im Wesentlichen überstanden nur das aufgehende Mauerwerk und der Gewölbekeller. Weder ein geplanter Neubau noch das spätere Vorhaben einer Volksschule kamen zustande. Friedrich Wilhelm Kraemer übernahm die Ruine 1972, wobei der Park abgetrennt wurde, und baute sie bis 1974 neu auf – die Gartenseite in moderner Form, das übrige Altbaugefüge bewahrend.

© A.Savin · CC BY-SA 3.0

Nutzung heute

Außer einer Privatwohnung beherbergt das Gebäude unter anderem „Kaspar Kraemer Architekten BDA“, ein Büro, das Kaspar Kraemer, Sohn des Architekten, ins Leben rief. Für Veranstaltungen und auch Konzerte steht der „Sancta-Clara-Keller“ zur Verfügung. Ein Großteil des früheren Gartens hinter dem Haus gehört heute zum Spielplatz.

© Chris06 · CC0

Zeitstrahl

  1. 1265
    Verkauf des Parfusenhofs an Graf Wilhelm IV. von Jülich
  2. 1268
    Zerstörung des Hofs im Streit zwischen Overstolzen und Weisen
  3. 1306
    Einrichtung des Klarissenklosters Sankt Clara
  4. 1802
    Aufhebung des Klosters durch die Säkularisation
  5. 1820–1822
    Umbau zum klassizistischen Wohnhaus unter Johann von Sandt
  6. 1919
    Privatbankhaus Delbrück von der Heydt & Co. erwirbt die Immobilie
  7. 1954
    Stadt Köln erwirbt das kriegszerstörte Grundstück
  8. 1972–1974
    Kauf durch Friedrich Wilhelm Kraemer und Wiederaufbau

Galerie

© Chris06 · CC0 · Commons
© Chris06 · CC0 · Commons

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