Grinkopf
Groteske steinerne Fratzenmasken als Zierrat an vielen älteren Kölner Häusern – mit tönernen Vorläufern aus der Römerzeit.
Archäologische Grabungen im Kölner Stadtgebiet haben eine römische Werkstatttradition für tönerne Masken dokumentiert, die den steinernen Grinköpfen zeitlich vorausging.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Steinerne Fratzenmasken als Zierrat an Gebäuden
- Andere Bezeichnung
- Annoköpfe
- Lage
- Köln, Altstadt-Nord (Stadtbezirk Innenstadt)
- Motiv
- Groteske, verzerrte Gesichter
- Römische Vorläufer
- tönerne Masken, etwa 90 bis 200 nach Christus, im Bereich des heutigen Rudolfplatzes
- Fundmenge
- über 200 Fragmente römischer Terrakottamasken im Kölner Stadtgebiet
Von den römischen Tonmasken, die Köln zwischen 90 und 200 n. Chr. in Serienfertigung produzierte, fanden sich Fragmente sogar in England, den Niederlanden, Belgien und der Schweiz.
Was Grinköpfe sind
Grinköpfe, auch Annoköpfe genannt, sind steinerne Masken mit verzerrten Fratzen. Sie sind als Schmuck an zahlreichen älteren Häusern in Köln angebracht.
Römische Töpferei in Köln
Die Handwerksbetriebe gehörten zum Oppidum Ubiorum, der Vorgängersiedlung der römischen CCAA. 1997 wurden auf einem etwa 100 m² großen Areal an der Lungengasse südlich des Neumarktes neunzehn Töpferöfen freigelegt; bereits 1956 war in Höhe der Thieboldsgasse römische Keramik gefunden worden. In stehenden Öfen mit Brennkammern zwischen 1,8 und 2,6 m entstanden Weißtonware und Terra Nigra für den Bedarf von Stadt und Umland. Anders als bei früheren, wenig aufschlussreichen Grabungen kamen 1997 zahlreiche Fehlbrände zutage, die den Fachleuten Aufschluss über Umfang und Art der Produktion gaben.
Aussehen und Herstellung der Tonmasken
Die Masken besaßen Öffnungen für Augen, Mund und Nase und waren lebensgroß. Häufig zeigten sie verunstaltete, furchterregende Gesichter kahlköpfiger Männer mit überlanger oder breiter Nase und dolchartigen Zähnen im geöffneten Mund. Daneben entstanden Masken weiblicher Köpfe mit aufwendigen, von Schmuck gehaltenen Frisuren. Gefertigt wurden sie in Gipshohlformen, in die feuchter Ton gedrückt wurde; nach dem Antrocknen folgten Feinbehandlung, Bemalung und Brand. Aus einem Modell ließen sich viele Abformungen gewinnen, sodass Serienfertigungen entstanden.
Verwendung und Theaterfrage
Grabungen im Kölner Flottenkastell Alteburg belegen, dass die Masken der Dekoration von Bau- und Gartenarchitektur dienten. Sie fanden sich an öffentlichen wie privaten Bauwerken, vereinzelt auch in Heiligtümern, möglicherweise als Votivgabe. Eine Nutzung für das antike Theater halten Fachleute für unwahrscheinlich: Die Stücke sind zu schwer, weisen auf der Rückseite scharfkantige Grate auf und haben keinen Bezug zu antiken Theatergestaltungen.
Kölns Rolle und Verbreitung
Zwischen etwa 90 und 200 nach Christus stellten Töpfer im Bereich des heutigen Rudolfplatzes Gefäßkeramik, Geschirr, Öllampen sowie kleine Figuren und Masken in hoher Stückzahl her. Köln nahm dabei eine führende Rolle ein: Rohstoffe wie Wasser, Ton und Holz, die Lage am Rhein mit ausgebauten Fernstraßen sowie seit Generationen erfahrene Töpfer begünstigten das Handwerk. Anhand spezifischer Herstellungsmerkmale ließen sich die Masken einem Ort zuordnen. Über den Rhein gelangten sie bis in die Schweiz, die Niederlande, nach Belgien und England.
Nachrömische Zeit
Für eine Fortführung der Maskenherstellung in nachrömischer Zeit gibt es bisher keinen Nachweis. Erst eine Legende aus dem 11. Jahrhundert deutet darauf hin, dass das Wissen um solche Skulpturen fortbestand.
Zeitstrahl
- 1956Römische Keramik an der Thieboldsgasse gefunden
- 1997Grabung an der Lungengasse legt 19 römische Töpferöfen frei
- 90–200 n. Chr.Töpfer am heutigen Rudolfplatz produzieren Gefäßkeramik und Masken
- 11. JahrhundertLegende deutet fortbestehendes Wissen um Maskenskulpturen an
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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-09-23
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