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© HOWI - Horsch, Willy · CC BY-SA 4.0

Haus Töller

Traditionsreiches Brauhaus in der südlichen Altstadt seit 1871, mit Original-Thekenschaaf und Gästebuch prominenter Besucher wie Konrad Adenauer und Joseph Beuys.

Das Haus Töller in der südlichen Kölner Altstadt ist ein traditionelles Brauhaus, das seit 1871 besteht und seinen Betrieb bis heute weitgehend im Stil einer kölschen Gastwirtschaft des 19. Jahrhunderts führt. Sein Gebäudekern zählt zu den ältesten erhaltenen Häusern der Stadt.

Auf einen Blick

Adresse
Weyerstraße 96, südliche Kölner Altstadt
Gegründet
1871 von Theodor Töller als „Brauerei Töller"
Gebäude
Kern eines der ältesten erhaltenen Häuser Kölns, urkundlich zwischen 1343 und 1451 datiert
Besonderheit
eines der letzten Häuser Kölns mit einem Thekenschaaf in ursprünglicher Funktion
Kölsch
seit 2007 Päffgen (zuvor Sion, dann Mühlen)
Sitzplätze
199, davon 87 in der ursprünglichen Gaststube
Küche
kölsch-rustikal, überwiegend hausgemacht (u. a. Halver Hahn, Hämchen, Himmel un Ääd)
Inhaber heute
Henning Heuser (seit November 2003)

Vom „Steynen Huys" zum Brauhaus

Die Weyerstraße folgt einer alten Römerstraße, die als westliche Ausfallstraße über die Luxemburger Straße bis nach Trier und Luxemburg führte; nur wenige Meter vom Haus entfernt stand mit dem Weyertor eines der größten Tore der mittelalterlichen Stadtmauer. An dieser belebten Straße siedelten sich seit dem 15. Jahrhundert Herbergen, Gasthäuser und Hausbrauereien an — gegen Ende des 19. Jahrhunderts zählte der kurze Abschnitt zwischen Rothgerberbach und Weyertor bis zu neun Betriebe mit eigenem Ausschank.

Das Gebäude selbst, das „Steynen Huys", war anders als die einfachen Fachwerkbauten der Nachbarschaft aus Stein errichtet und stand direkt neben dem städtischen „Tollhaus" (Zollhaus) am Weyertor. Ursprünglich als Doppelhaus mit zwei getrennten „Halbscheiden" angelegt, wechselte es über die Jahrhunderte mehrfach den Besitzer — zu den Eigentümern zählten das Kölner Domkapitel und die Kölner Alexianer. Erst ab 1772 wurden beide Hälften wieder zu einem Besitztum vereint. Ein gastronomischer Betrieb mit Alkoholausschank ist im Haus seit 1813 nachweisbar, damals unter dem Besitzer Joseph Geerling.

© Horsch, Willy · CC BY 3.0

Vater Töller, das „Kölsche Original"

Peter Töller, der ab 1859 im Nachbarhaus eine Brennerei betrieb, erwarb das Gebäude 1864 und gab ihm durch Rücksetzen des Giebels und zwei zusätzliche Stockwerke sein heutiges Aussehen. Sein Sohn Theodor Töller gründete 1871 die Brauerei, die allerdings nur zehn Jahre lief; danach führte er das Haus als Gastwirtschaft weiter.

Theodor Töller ging als „Vater Töller", „reinlicher Dores" oder „Dores met däm naasse Plagge" in die Kölner Erinnerung ein — Beinamen, die er seiner Ordnungsliebe verdankte, denn stets war er mit einem „Plaggen" (Wischlappen) unterwegs. Zigaretten lehnte er in seinem Lokal lange ab, weil deren Asche leichter herabfiel als die der bis dahin üblichen Zigarren und Verschmutzungen drohte; überdies rauchten in seinen Augen nur sehr junge oder unmoralisch lebende ältere Menschen die „Zibibbcher". Er rückte die Stühle zurecht und legte die Zeitungen nach politischer Ausrichtung und Datum sortiert aus. Aus dem Thekenschaaf behielt er alles im Blick und wurde ungehalten, wenn Gäste auf den Tisch klopften oder ein Glas umstießen. 1912 zog er sich aus dem Geschäft zurück. Über ihn kursieren zahlreiche Anekdoten, mehrere Gedichte widmen sich seiner Rolle als strenger Wirt — heute gilt er als Kölsches Original. Vom Namen Töller blieb auch das Emblem: drei an das Kölner Wappen angelehnte Kronen über den Buchstaben H und T, das bis heute Speisekarten, Einrichtung und Biermarken ziert.

© -- Superbass · CC BY-SA 3.0

Die Ära Esser und prominente Gäste

Am 1. Mai 1912 übernahm Peter Esser das Haus und führte es als „Schenkwirtschaft und Restauration von Peter Esser. Vorm. Th. Töller". 1915 ließ er rückwärtig einen kleinen Saal anbauen, der bis heute die Kapazität erweitert. Sein Sohn Willy Esser, wegen seines Studiums auch „dä akademische Zappjung" genannt, führte den Betrieb bis in die 1980er Jahre.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Haus zu den wenigen fast unbeschädigten Gebäuden der zu über 90 Prozent zerstörten Kölner Innenstadt und wurde 1947 zum Ausgangspunkt für die Wiederbegründung der KDStV Rappoltstein. Überliefert ist auch, Willy Esser sei aus dem zerstörten Köln nach Dänemark zur Carlsberg-Brauerei gereist und habe von dort obergärige Hefe für das erste Nachkriegs-Kölsch mitgebracht, die mehrere Kölner Brauereien dringend benötigten. In den 1950er bis 1980er Jahren war das Lokal Treffpunkt vieler Prominenter. Ein seit den 1930er Jahren geführtes Gästebuch — heute hinter Glas in der Gaststube ausgestellt — versammelt Einträge von Konrad Adenauer, Heinrich Lübke, Joseph Beuys, Rainer Werner Fassbinder, Roy Black, James Last, Wencke Myhre, Berti Vogts und Karl-Heinz Schnellinger neben vielen Zeitungsberichten über das Haus.

© -- Superbass · CC BY-SA 3.0

Thekenschaaf, Zappes und originale Einrichtung

Weil seit der Gründung nur wenig verändert wurde, entsprechen Ausstattung und Betrieb bis heute weitgehend einer kölschen Wirtschaft des 19. Jahrhunderts. Das meiste Mobiliar wurde seit 1871 nicht ausgetauscht, sondern nur repariert — manchen Tischen sieht man die jahrzehntelange Behandlung mit der Scheuerbürste an. Original erhalten ist auch die hölzerne Kassettendecke der Gaststube, die letzte ihrer Art in Köln.

Der Grundriss folgt dem klassischen Aufbau einer Kölner Hausbrauerei: Durch die Eingangstür gelangt man zuerst in einen Hausflur, der zugleich Schankraum („et Zappes") ist. Früher diente er als Verkaufsstelle für außer Haus und als „Schwemme" für Gäste, denen der Zutritt zur Gaststube verwehrt war — in reichsstädtischer Zeit etwa dem Henker, den Abdeckern oder den Stadtsoldaten. Eine Zapfanlage gibt es bis heute nicht: Die Köbesse zapfen das Bier direkt aus hölzernen Fässern, die mit einem Kettenzug durch eine Bodenöffnung aus dem Kühlhaus im Keller gehoben werden.

Herzstück ist das reich geschnitzte Thekenschaaf zwischen Schankraum und Gaststube, auch „Beichtstuhl" genannt. Dieser erkerförmige Arbeitsplatz des Wirtes wird weiterhin in ursprünglicher Funktion genutzt: Von hier überblickt der Wirt Gaststube, Schankraum und Küche. Die Köbesse geben ihre Biermarken hier ab, wo sie an einem Metallwinkel für genau 100 Marken aufgereiht werden — daran liest der Wirt die Zahl der ausgeschenkten Kölsch und den Füllstand des Fasses ab. Zugleich dient der „Beichtstuhl" als Büro und Aufbewahrungsort für Tabak und Soleier; auch ein alter Tischfernsprecher vom Typ W 48 steht darin. Direkt daneben sind einige Tische als Stammtisch den Stammgästen vorbehalten, von denen manche seit Jahrzehnten kommen.

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Das Haus Töller heute

Nach mehreren Pächterwechseln übernahm im November 2003 Henning Heuser das Haus. 2007 wechselte auch die Brauerei: Nach 51 Jahren Sion- und 34 Jahren Mühlen-Kölsch liefert seither die kleine Brauerei Päffgen — neben deren Stammhaus ist das Haus Töller einer der wenigen Betriebe, die diese Marke führen. Bedient wird von Köbessen in traditioneller blauer Arbeitskleidung; wie in vielen rheinischen Brauhäusern wird ein leeres Glas auch unbestellt gegen ein volles getauscht, bis der Gast einen Bierdeckel darauflegt. Im Hintergrund sorgen ein Koch und eine Kaltmamsell für die Bewirtung.

Die kölsch-rustikale Karte bietet überwiegend hausgemachte Klassiker wie Halven Hahn, Hämchen, Himmel un Ääd oder Rheinischen Sauerbraten vom Pferd; freitags, am rheinischen Reibekuchentag, gibt es Rievkooche mit Schwarzbrot, Rübenkraut oder Apfelmus. Moderne Zutaten wie Musikanlage, Spielautomat, Registrierkasse, Espressomaschine oder Fernseher sucht man im Haus Töller vergebens.

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Galerie

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Karte

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Adresse

Weyerstraße 96
50676 Köln

Öffnungszeiten

Mo: 17:00–00:00

Di: 17:00–00:00

Mi: 17:00–00:00

Do: 17:00–00:00

Fr: 17:00–00:00

Sa: 17:00–00:00

Kontakt

0221 2589316

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-08-18

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