Klingelpütz
Einst Gefängnis und in der NS-Zeit zentrale Hinrichtungsstätte der rheinischen Sondergerichte – heute liegt auf dem Areal der Klingelpützpark.
Im Kölner Volksmund steht der Straßenname Klingelpütz meist für die rund 6 km entfernte JVA Köln an der Rochusstraße in Ossendorf. Ursprünglich bezeichnete er jedoch den Standort eines preußischen Gefängnisses im Stadtbezirk Innenstadt.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- ehemaliges Gefängnis
- Lage
- Altstadt-Nord, zwischen Gereonswall und Vogteistraße, nahe dem Hansaring
- Bauherr
- Königreich Preußen, Entwurf von Regierungsbaumeister Matthias Biercher
- Bauzeit
- ab 1835, Übergabe 1838
- Grundstück
- 26.267 m²
- Besonderheit
- erster Gefängnisneubau in der preußischen Rheinprovinz
- Heute
- Klingelpützpark
Als amerikanische Soldaten am 7. März 1945 das Gefängnis besetzten, fanden sie 80 Insassen vor, die nach der Flucht ihrer Bewacher fünf Tage lang ohne Essen und Trinken zurückgelassen worden waren.
Ein Name aus Brunnen
Im 13. Jahrhundert gehörte das Gelände der Familie Clingelmann, auf deren Grund mehrere Brunnen lagen. „Pütz“ ist das kölsche Wort für Brunnen, abgeleitet vom lateinischen „puteus“ bzw. französischen „puits“. Aus dem umgangssprachlichen „dä Klingelmannspöötz“ wurde später Klingelpütz, das schließlich offiziell als Straßenname eingeführt wurde.
Von der Wallfahrtsstätte zum Gefängnis
Schon vor 1426 gab es hier eine Wallfahrtsstätte; ihre Gebäude und ihre Kapelle wurden vom Augustiner-Kloster Herrenleichnam übernommen, umgebaut und erweitert. Das von großen Gärten umgebene Kloster versorgte sich über sieben Tiefbrunnen, die auch die Nachbarschaft mit Frischwasser belieferten. Unter französischer Besatzung diente die Anlage ab 1793 als Krankenhaus für kriegsgefangene französische Truppen, 1805 wurde sie abgerissen. Das frei gewordene Grundstück kaufte der Gärtner Matthias Bilstein, bevor es 1833 per Kaufvertrag mit der Stadt Köln an Preußen ging.
Der Gefängnisbau
Der dreigeschossige Ziegelbau war für 300 „Zwangs-Arbeitsstraffällige“ und 500 „Correktionäre“ ausgelegt und von zwei Mauern mit 5,02 und 6,28 Metern Höhe umgeben. Das Mittelgebäude hatte die Form eines Oktogons. Bereits 1841 war die Anstalt zu klein, sodass im Bayenturm und in der Severinstorburg Notgefängnisse eingerichtet werden mussten. Von 1843 bis 1845 kam ein Südflügel mit Einzelzellen für 180 Personen hinzu. Zu den Insassen zählte 1874 Kardinal Paulus Melchers.
Hinrichtungsstätte und NS-Zeit
1931 wurde hier der Serienmörder Peter Kürten hingerichtet, da das Düsseldorfer Gefängnis keinen von außen uneinsehbaren Hof besaß. In der NS-Diktatur diente der Klingelpütz als zentrale Hinrichtungsstätte für die Sondergerichte des Rheinlandes; auch Todesurteile von Volksgerichtshof und Reichsgericht wurden hier vollstreckt. Schätzungen zufolge starben über 1.000 Menschen durch Fallbeil oder vereinzelt Handbeil. Am 30. November 1933 wurden sechs junge Rotfrontkämpfer öffentlich hingerichtet, denen man den Mord an zwei SA-Mitgliedern vorgeworfen hatte. Ab 1944 nutzte die Gestapo einen der Flügel, im selben Jahr waren über 10.000 Gefangene untergebracht.
Kriegsende und Abriss
Im Januar 1945 wurde der Transport von 330 Häftlingen ins KZ Buchenwald befohlen. Als amerikanische Soldaten das Gefängnis am 7. März 1945 besetzten, fanden sie 80 Menschen, die nach der Flucht ihrer Bewacher fünf Tage ohne Essen und Trinken geblieben waren. Nach Fertigstellung der JVA Ossendorf wurde das über 130 Jahre alte Gefängnis 1969 abgerissen.
Zeitstrahl
- 1263Erste urkundliche Erwähnung als Clingilmanshus
- 1426Gründung des Augustiner-Klosters Herrenleichnam
- 1793Klosteranlage dient als Kriegsgefangenenlazarett
- 1805Abriss des Klosters
- 1833Grundstückskauf durch das Königreich Preußen
- 1838Übergabe des neu gebauten Gefängnisses
- 1931Hinrichtung des Serienmörders Peter Kürten
- 1945Befreiung des Gefängnisses durch US-Soldaten
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