Villa Suburbana Köln, Pantaleonsberg
Römisches Landgut vor der Südwestecke der Kölner Stadtmauer, nur wenige Meter von einem Tempel eines keltischen Jupiters entfernt.
Guter Boden, fließendes Wasser und eine Fernstraße in Stadtnähe dürften Gründe gewesen sein, unmittelbar vor den Mauern der römischen Kolonie ein Landgut zu bewirtschaften. Die Bauten lagen an der Kante einer Anhöhe am Pantaleonsberg.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Römisches Landgut (Villa suburbana) „extra muros“ der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA)
- Lage heute
- Stadtteil Altstadt-Süd, Stadtbezirk Innenstadt
- Höhe
- etwa 51 m ü. NN
- Bauphasen
- angenommen zuerst Holz- und Fachwerkbauten zur Zeit der Flavier, später Steinbauten
- Bewohnt
- nach den Befunden offenbar bis in das 4. Jahrhundert
- Fundverbleib
- Jupiterstatue im Bonner Provinzialmuseum, Inv.-Nr. 7626
Die Bewohner der Villa am Pantaleonsberg hatten nur wenige Meter bis zu einem Tempel des keltischen Jupiters, in dem 1891 ein Weihaltar mit einem achtspeichigen Sonnenrad, dem Symbol des Gottes Taranis, gefunden wurde. Dort baten sie etwa darum, Unheil von der Ernte oder Krankheit abzuwenden.
Siedler, Boden und Wasser
Als neue Eigentümer ließen sich im Vorland der Kolonie verdiente Personen der römischen Herrschaft nieder, häufig Veteranen. Der Boden auf der linken Niederterrasse des Rheins bestand aus einer etwa ein bis zwei Meter starken Auelehmschicht über Sanden und Kiesen. Im Norden begrenzte der Duffesbach das Gebiet. Wege und Plätze an seinem Lauf erhielten später die Namen dort ansässiger Betriebe, etwa Rotgerberbach, Blaubach, Waidmarkt und Mühlenbach, wo wohl eine seit vorchristlicher Zeit bekannte Wassermühle stand.
Der Blick von der Anhöhe
Von den Bauten des Gutes, die sich vor der Südwestecke der Stadtmauern nach Nordosten erstreckten, sah man links die Befestigung der Stadt. Nach der Gründung im Jahr 50 n. Chr. umschloss sie die Stadt zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert schrittweise; ihr rheinwärts verlaufender Südabschnitt war rund 903 m lang. Rechts lag offenes Vorland, das nach Süden in eine später „Martins Feld“ genannte Senke überging. Erzbischof Anno machte dieses Gebiet später zum eigenständigen Vorstadtbezirk Airsbach.
Ein Tempel für Jupiter und Taranis
Bei Arbeiten am Kleinen Griechenmarkt Nr. 81 bis 85 kamen 1891 Fundamentreste in der äußersten Südwestecke der Stadt zum Vorschein. Die Funde wiesen sie als Tempel eines keltischen Jupiters aus, der am Eckturm der römischen Stadtmauer stand; von diesem Turm ist heute ein Rest als Ruine erhalten. Ob der Tempel innerhalb oder außerhalb der Mauer lag, lassen die Angaben offen. Geborgen wurden ein thronender Jupiter aus Kalkstein mit Szepter und Blitzen sowie ein 0,86 m hoher Weihaltar mit Inschrift und einem achtspeichigen Sonnenrad, dem Symbol des keltischen Gottes Taranis.
Glaube im Alltag
Die Menschen vor der Stadtmauer, nicht nur die Bewohner der Villa, hatten nur wenige Meter zu gehen, um dem Gott zu danken oder ihn etwa um Schutz der Ernte oder das Abwenden einer Krankheit zu bitten. Zu einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt übernahmen eigene Heiligtümer im südwestlichen Vorland diese Aufgabe. Der Historiker Joseph Klinkenberg verzeichnete 1892 in einer Abhandlung zu den Außengebieten der CCAA zudem eine Marmorstatuette der Fortuna mit Füllhorn und Steuerruder, gefunden an der Straße Am Weidenbach.
Zeitstrahl
- um 20 v. Chr.Agrippa siedelt verbündete Ubier linksrheinisch an
- 50 n. Chr.Gründung der Colonia Claudia Ara Agrippinensium; Stadtmauer wächst bis ins 3. Jh.
- Zeit der FlavierErste Bauperiode der Villa mit Holz- und Fachwerkbauten (angenommen)
- 4. JahrhundertVilla bis in diese Zeit bewohnt und bewirtschaftet
- 10./11. JahrhundertEntstehung der Griechenpforte
- 1891Fund eines Jupiter-Tempels am Kleinen Griechenmarkt 81–85
- 1892Joseph Klinkenberg verzeichnet Funde, u. a. Fortuna-Statuette
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