Villa rustica (Köln-Müngersdorf)
Römischer Gutshof im Kölner Westen: Knochenfunde von hier belegen die Hauskatze erstmals für das römische Germanien.
Der Gutshof gehörte in römischer Zeit zu den zahlreichen landwirtschaftlichen Betrieben im Umland von Köln. Seine Reste lagen auf einem Gelände mit dem Namen „Auf der alten Steinrutsch“.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- ehemaliger römischer Gutshof (Villa rustica)
- Lage
- Stadtteil Müngersdorf, Stadtbezirk Lindenthal, in der Nähe des heutigen Rheinenergiestadions
- Entfernung
- etwa 5,2 Kilometer vom westlichen Stadttor der antiken Colonia Claudia Ara Agrippinensium
- Entstehung
- vermutlich um 50 n. Chr.
- Ausgrabung
- März bis kurz vor Weihnachten 1926, Leitung Fritz Fremersdorf
- Befunde
- Haupthaus, elf Nebengebäude, sieben Brunnen, Brandgräberfeld, Grabgruppe mit sechs Sarkophagen
- Verbleib der Funde
- Römisch-Germanisches Museum Köln
Anhand der Knochenfunde aus den Brunnen der Villa wurde die Hauskatze erstmals für das römische Germanien nachgewiesen.
Notgrabung vor dem Bau der Jahnwiese
Südlich der Hauptkampfbahn im Sportpark Müngersdorf, dem späteren Müngersdorfer Stadion, war eine Spiel- und Aufmarschwiese geplant, für die der Boden tief ausgeschachtet werden sollte. Damit drohte einer bekannten römischen Trümmerstelle die Zerstörung. Oberbürgermeister Konrad Adenauer bewilligte einen „Sonderkredit“, die Stadt stellte 30 arbeitslose Männer zum Ausschachten. Weil die Baufirma in Konkurs ging, blieben den Archäologen drei Wochen mehr als geplant. Großflächige Suchschnitte erfassten auch einen Teil der Hofeinfassung sowie vorgeschichtliche, teils steinzeitliche Reste aus Feuerstein und Keramik. 1933 erschienen die Ergebnisse als Monographie.
Haupthaus und Nebengebäude
Die Gebäude entstanden auf den Resten eines bäuerlichen Fachwerkhauses aus der Ubierzeit; über den Bauherrn ist nichts bekannt. Das Hauptgebäude war eine Portikusvilla mit Eckrisaliten und großem zentralem Wirtschaftsraum, für die der Ausgräber sechs Bauphasen rekonstruierte. Es besaß einen über eine Hypokaustenanlage beheizten Wohnraum, ein Bad, Abortanlagen, einen Steinkeller, ein Ziegeldach und eine rot verputzte Außenwand. Aus der Ausstattung stammen Fragmente aufwendiger Malereien aus Raum 16, Stücke marmorner Wandverkleidung und einzelne Mosaiksteinchen. Das kleinere Gebäude I wird als Gesindewohnhaus interpretiert, obwohl die Materialvorlage seine Ähnlichkeit mit einer kleinen Portikusvilla mit großer zentraler Halle (Typus Stahl) hervorhebt. Weitere Bauten waren offenbar Scheunen und Ställe.
Tierknochen und Erstnachweis der Hauskatze
Knochen aus den Brunnen geben Einblick in die Viehhaltung: Belegt sind Pferd, Rind, Schwein, Schaf, Gans und Huhn. Unter den Hunden fanden sich große Hofhunde und ein sehr kleines Tier von der Größe eines Pinschers. Anhand der Müngersdorfer Knochenfunde wurde die Hauskatze erstmals für das römische Germanien nachgewiesen.
Wirtschaft, Handel und Versorgung
Ein kleiner Amboss aus dem Hauptgebäude und Webgewichte zur Textilverarbeitung deuten auf zusätzliche wirtschaftliche Aktivitäten hin. Austernschalen weisen auf importierte Luxusspeisen hin, Wein kam in Amphoren. Das Badewasser floss durch einen 16 Meter langen gemauerten Kanal in einen Teich, Abfälle kamen in Mulden im Hofbereich. Die heutige Aachener Straße entspricht der Fernstraße Via Belgica von Köln über Jülich und Maastricht nach Boulogne-sur-Mer und verläuft nur etwa 700 Meter nördlich des Hofs.
Religiöse Zeugnisse
Im Hofbereich wurden eine Weihinschrift für Jupiter, Juno und weitere Götter sowie das Bruchstück eines Matronenaltars geborgen.
Zeitstrahl
- um 50 n. Chr.Errichtung der Gebäude auf Resten eines ubierzeitlichen Fachwerkhauses
- 1926Planung der „Jahnwiese“ bedroht die römische Trümmerstelle
- März 1926Beginn der Ausgrabung unter Fritz Fremersdorf
- Dezember 1926Ausgrabungsarbeiten enden kurz vor Weihnachten
- 1933Monographische Vorlage der Grabungsergebnisse
Galerie
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