Haus Balchem
Als einziges erhaltenes Barockhaus des Severinsviertels beherbergt das Bürgerhaus an der Severinstraße heute eine Stadtteilbibliothek.
Neben Severinstorburg und St. Severin zählt Haus Balchem zu den Wahrzeichen des Veedels, wo es im Volksmund „Em Balge“ heißt.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Bürgerhaus mittelalterlichen Ursprungs, im 17. Jahrhundert barock umgebaut
- Lage
- Severinstraße 15, Köln-Altstadt-Süd, gegenüber dem Garten der Pfarrkirche St. Severin
- Fassade
- Erker auf korinthischen Säulen, hoch aufragender geschweifter Volutengiebel
- Grundstück/Wohnfläche
- 531 m² Grundstück, 915 m² Wohnfläche
- Denkmalschutz
- Baudenkmal seit dem 1. Juli 1980
- Heutige Nutzung
- Stadtteilbibliothek der Stadtbibliothek Köln
Beim Wiederaufbau nach der Kriegszerstörung wurden im Haus originale Treppen, Böden und Türen aus anderen abgerissenen Kölner Bürgerhäusern eingebaut – etwa eine Wendeltreppe aus dem 1911 abgerissenen Rinkenhof, die es dort zuvor nie gegeben hatte.
Geschichte
An dieser Stelle stand ursprünglich eine Schmiede, die beim Kauf durch den Kölner Braumeister und Ratsmitglied Heinrich Deutz im Jahr 1670 bereits etwa 150 Jahre alt war und damit auf das frühe 16. Jahrhundert zurückgeht. Der Legende nach wollte Deutz von seinem Haus aus bis zum Rhein blicken, um die Handelsschiffe zu beobachten. Bis 1676 baute er den schlichten Zweckbau im barocken Stil aus und eröffnete im Erd- und Hochparterre die Gaststube „Zum goldenen Bären“ als Treffpunkt für Ratsleute und Zunftmeister. Nach seinem Tod 1697 führten die Erben das Lokal als „Deutzer Brauhaus“ weiter.
Von der Brauerei zum Namensgeber
Nach häufigem Eigentümerwechsel gaben die Gebrüder Johann Balchem dem Haus ihren Namen; hier bestanden die „Bierbrauerei Balchem“ und die „Kartäuser-Bräu Gebrüder Balchem“ (1884–1921). Johann Balchem errichtete im Hinterhof ein modernes Brauhaus. 1922 entstand durch Zusammenschluss der Brauereien Balchem, Schmitz und Hubertus die „Kölner Union Brauerei“, 1938 in „Hubertus-Brauerei“ umbenannt. Die zuvor als Speicher und Lager genutzten Obergeschossräume wurden 1935 zu Wohnungen ausgebaut.
Architektur
Über der Eingangstür trägt ein Erker ein Statussymbol des Eigentümers, für das eine Sondergenehmigung nötig war. Die ihn stützenden korinthischen Säulen rahmen den Haupteingang und gelten laut Wikipedia als sehr seltenes Zeugnis des alten Kölner Stadtbildes. Auf dem Maueranker steht die Inschrift „Soli deo gloria“. Das Haus besitzt das für Köln typische eingehängte Zwischengeschoss. Bei der Fassadenrenovierung zeigte sich, dass die Gewölbe unter dem Grundstück für drei Häuser vorgesehen waren, aus denen Deutz ein einziges Gebäude errichtete.
Zerstörung und Wiederaufbau
Am 6. April 1944 brannte das Gebäude bis auf die Umfassungsmauern ab. 1954 erwarb die Stadt Köln das Haus und beschloss die Wiedererrichtung als Denkmal. Da genaue Bauaufnahmen fehlten, wurde der Giebel zeichnerisch rekonstruiert und die Fassade fast originalgetreu wiederhergestellt. Für die zerstörten Innenräume trug man Treppen, Fußböden und Türen aus alten Kölner Bürgerhäusern zusammen, darunter eine Wendeltreppe aus dem 1911 abgerissenen Rinkenhof. Die unteren Etagen wurden erneut als Gaststätte verpachtet, nun „Zum goldenen Löwen“. Bis Juni 1962 waren bereits über eine Million DM verbaut; Renovierungen folgten bis 1964 sowie ein weiterer Umbau 1988.
Heute
Seit dem 13. Oktober 1975 dient das Haus als Stadtteilbibliothek, während die Obergeschosse unter anderem der Volkshochschule als Veranstaltungsräume dienten. Von 2013 bis 2017 war das Gebäude für eine Sanierung geschlossen. Im Dezember 2013 beschloss die Stadt als Eigentümerin, es an Privatpersonen als Erbbauberechtigte zu überlassen. Nur wenige Bürgerhäuser sind in Köln erhalten, darunter „Haus Saaleck“ Am Hof, der „Weinkrüger“ am Marsplatz und „Zum Seil“ in der Lintgasse.
Zeitstrahl
- 1670Heinrich Deutz kauft die alte Schmiede
- 1676Barocker Ausbau des Hauses abgeschlossen
- 1697Heinrich Deutz stirbt
- 1884–1921Kartäuser-Bräu Gebrüder Balchem betreibt Brauerei
- 1935Obergeschoss zu Wohnungen ausgebaut
- 1944Haus bis auf Umfassungsmauern abgebrannt
- 1954Stadt Köln erwirbt Haus und beschließt Wiederaufbau als Denkmal
- 1975Stadtteilbibliothek zieht in Haus Balchem ein
Karte
Blaue Punkte: andere Orte in der Nähe – zum Stöbern antippen.
Das könnte dich auch interessieren – themenverwandt oder in der Nähe
Kommentare
- Lade Kommentare…
Quellen & Links
Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-09-18
Wie diese Seite entsteht
Diese Seite stützt sich auf offene Quellen — Wikipedia, Wikidata, offizielle Webseiten und offene Daten der Stadt. Jede Angabe wird gegen die hier verlinkten Quellen geprüft, und die Seiten werden regelmäßig aktualisiert.
Trotzdem einen Fehler entdeckt? Sag uns unten Bescheid — wir lesen jede Einsendung.





