Zum Inhalt springen
stuff to do in.cologne
© Sulpiz Boisserée · Public domain

Maria im Spiegel (Kloster Sion)

Ehemaliges Kölner Zisterzienserinnenkloster, im Volksmund Kloster Sion genannt, das 1246 in einer früheren Franziskaner-Niederlassung entstand.

Das Gelände entlang der stadtauswärts führenden Severinstraße war in römischer Zeit ein südliches Gräberfeld und diente später über Jahrhunderte dem Weinanbau und der Landwirtschaft, wie Zeichnungen der Kartografen Anton Woensam und Arnold Mercator festhalten.

Auf einen Blick

Art
ehemaliges Zisterzienserinnenkloster
Lage
Altstadt-Süd, Stadtbezirk Innenstadt
Entstehung
1246
Umwandlung
1613 in ein Birgittenkloster
Aufhebung
1802 im Zuge der Säkularisation
Volksname
Kloster Sion
Vorgeschichte
aus einer Franziskaner-Niederlassung hervorgegangen
Wusstest du?

Die Adelige Mechthild von Sayn ließ sich nicht in ihrer eigenen Grablege, sondern unter dem von ihr gestifteten Hauptaltar der Klosterkirche von Maria im Spiegel beisetzen.

Grund und Boden im Mittelalter

Das Areal befand sich im Mittelalter überwiegend im Besitz kirchlicher Einrichtungen oder der patrizischen Oberschicht der Stadt. Töchter dieser oft untereinander verschwägerten Familien gründeten Konvente oder traten in solche ein. Durch ihre gesellschaftliche Stellung, ihre Ausbildung und die eingebrachten Mitgiften stiegen sie rasch in leitende Positionen auf und mehrten als Priorinnen oder Äbtissinnen über familiäre Verbindungen bis in hohe weltliche und kirchliche Ämter den Wohlstand ihrer Gemeinschaften.

Von den Franziskanern zu den Zisterzienserinnen

Der Kölner Patrizier Gerhard Quatermart schenkte den Franziskanern (Minoriten) 1229 ein Grundstück in der Severinspfarre vor dem Katharinengraben im „Sionstal“ für ein Oratorium. Es war die erste dauerhafte Niederlassung der 1222 nach Köln gekommenen Brüder. Um 1245 veräußerten sie das Anwesen an Graf Heinrich von Sayn und zogen in den Pfarrbezirk St. Kolumba, wo sie mit dem Bau der Minoritenkirche begannen.

Gründung und Stiftungsklausel

Heinrich von Sayn (gestorben 1246) und seine Frau Mechthild, geborene von Landsberg, überließen die frühere Minoriten-Liegenschaft einem Konvent der Zisterzienserinnen, der sich „Maria im Spiegel“ (de Speculo S. Mariae) nannte. Die Stiftung enthielt die Klausel, dass Mechthild weiterhin über einen Teil von Garten und Gebäuden verfügen sollte; der übrige Teil sollte erst beim Fehlen eines Erben an das Kloster fallen. Papst Innozenz stellte das Kloster 1247 unter seinen Schutz und beauftragte 1248 die Ordensleitung der Zisterzienser, es einzugliedern und der Aufsicht des Abtes von Heisterbach zu unterstellen.

Namen und Stifter

Der Name „Maria im Spiegel“ (de Speculo S. Mariae) geht möglicherweise auf das Kölner Patriziergeschlecht „von Spiegel“ zurück, aus dem die Gründerin stammte. Nach den Stiftern von Sayn nannte der Volksmund die Einrichtung Kloster Sion oder Seyne; zu Hermann von Weinsbergs Zeit hieß sie „Jungfernkloster zu Seien“. 1283 bedachte Gräfin Mechthild (gestorben am 12. November 1285) den Konvent erneut und sprach dabei von „van mine Cloister ze Colne“; beigesetzt wurde sie unter dem von ihr gestifteten Hauptaltar der Klosterkirche. Weitere Stiftungen kamen 1280 von Cuno von Horne und 1331 von Werner Overstolz.

Die Klosterkirche

Die Kirche entstand in einer Zeit reger Bautätigkeit des 13. Jahrhunderts, in der in Köln zahlreiche Kirchen und Klosteranlagen errichtet wurden. Ob sie ihre spätere Größe bereits in der kurzen Zeit unter den Minoriten oder erst unter Gräfin Mechthild erreichte, ist nicht bekannt.

Spuren im Stadtbild

Mehrere erhaltene Straßen erinnern an das Kloster und seine Stifter: die Seyengasse, das Sionstal sowie die nach Mechthild benannten Landsberg- und Mechtildisstraße. Die frühere „Bozengasse“ wurde zur Buschgasse.

Zeitstrahl

  1. 1229
    Gerhard Quatermart schenkt Franziskanern Grundstück im Sionstal
  2. um 1245
    Franziskaner verkaufen Grundstück an Grafen Heinrich von Sayn
  3. 1246
    Gründung des Zisterzienserinnenklosters „Maria im Spiegel“
  4. 31. Dezember 1246
    Tod des Grafen Heinrich von Sayn
  5. 1247
    Papst Innozenz stellt das Kloster unter seinen Schutz
  6. 1248
    Kloster wird dem Zisterzienserorden einverleibt, Aufsicht durch Abt von Heisterbach
  7. 1280
    Stiftung durch Cuno von Horne
  8. 1283
    Erneute Stiftung der Gräfin Mechthildis von Sayn

Karte

Blaue Punkte: andere Orte in der Nähe – zum Stöbern antippen.

Das könnte dich auch interessieren – themenverwandt oder in der Nähe

Nicht mehr vorhanden 2,3 kmSt. Maria Magdalena zur Busse (Bethlehem-Kloster), Köln© OpenStreetMap-Mitwirkende · CC BY-SA 2.0

St. Maria Magdalena zur Busse (Bethlehem-Kloster), Köln

Aus einem Beginenkonvent hervorgegangenes Frauenkloster auf dem Eigelstein, das 1475 die Augustiner-Regel annahm und bis 1802 bestand.

Nicht mehr vorhanden 300 mKloster der Unbeschuhten Karmeliten im Dau, Köln© OpenStreetMap-Mitwirkende · CC BY-SA 2.0

Kloster der Unbeschuhten Karmeliten im Dau, Köln

1614 als erste Niederlassung der Unbeschuhten Karmeliten im heutigen Deutschland gegründet — heute erinnert nur die Straße „Im Dau" daran.

Nicht mehr vorhanden 1,4 kmKloster St. Gertrud (Alt-Köln)© Arnold Mercator · Public domain

Kloster St. Gertrud (Alt-Köln)

Ehemaliges Dominikanerinnenkloster mit Kirche an der Nordwestecke des Neumarktes, gegründet vor 1257 und 1802 aufgehoben.

Kommentare

  • Lade Kommentare…

Quellen & Links

Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-09-15

Wie diese Seite entsteht

Diese Seite stützt sich auf offene Quellen — Wikipedia, Wikidata, offizielle Webseiten und offene Daten der Stadt. Jede Angabe wird gegen die hier verlinkten Quellen geprüft, und die Seiten werden regelmäßig aktualisiert.

Trotzdem einen Fehler entdeckt? Sag uns unten Bescheid — wir lesen jede Einsendung.

Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht?

Hilf mit, die Seite besser zu machen — schlag eine Änderung oder einen neuen Ort vor.