Siedlung Kunstfeld
Älteste erhaltene Arbeitersiedlung im Rheinland: ab 1820 im Wald bei Dünnwald für die Arbeiter einer chemischen Produktion errichtet.
Ihren Namen erhielt das Kunstfeld wegen der „künstlichen“ Erzeugnisse, die der Chemiker Johann Gottfried Wöllner dort herstellen ließ. Zuvor hatte an dieser Stelle über mehrere Jahrhunderte das Gehöft „Backeshof“ gestanden.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Arbeitersiedlung, Gebäude unter Denkmalschutz
- Lage
- Köln, Stadtteil Dünnwald, Stadtbezirk Mülheim
- Gelände
- 20 Morgen in der „Schlebuscher Heide“, etwa 1,5 Kilometer von Dünnwald entfernt
- Beschäftigte
- zeitweise bis zu 25 in der Fabrik
- Einwohner
- 48 (1827), Rückgang auf 30 (1840), ab 1850 Anstieg bis auf 179 (1900)
- Explosion
- 25. Januar 1870, 15 Tote
Als 1815 in einer Berliner-Blau-Fabrik im Kloster Altenberg eine Explosion stattfand, wurde dabei sogar das Dach des benachbarten Altenberger Doms zerstört – danach zog die Produktion nach Dünnwald, wo wegen des Geruchs 1820 der Umzug ins „Kunstfeld“ folgte, das seinen Namen von den „künstlichen“ Produkten erhielt.
Von Altenberg ins Kunstfeld
Nach der Säkularisation der Abtei Altenberg 1803 pachteten Wöllner und Friedrich Mannes 1809 die Klostergebäude und stellten dort Berliner Blau her, einen Textilfarbstoff für preußische Uniformen. Eine Explosion im November 1815 zerstörte die Klostergebäude und das Dach des benachbarten Altenberger Doms. Die beiden verlegten ihre Produktion daraufhin in das Gebäude des ehemaligen Prämonstratenserklosters in Dünnwald, nordöstlich von Mülheim am Rhein. Wegen des starken Geruchs beklagten sich die Dorfbewohner, und 1820 verbot die Kölner Bezirksregierung Wöllner die Produktion innerhalb der Dorfgrenzen. Er kaufte daraufhin das Gelände im Wald, der damals Maikammer genannt wurde.
Wohnen und Arbeiten in der Siedlung
Arbeitskräfte aus der näheren Umgebung ließen sich schwer gewinnen. Die Unternehmer holten deshalb protestantische Arbeiter aus dem Bergischen Land in das bis dahin rein katholische Dorf. In einigen Häusern wurden in Heimarbeit Textilien gewebt. Die Gebäude der Siedlung sind erhalten und stehen unter Denkmalschutz.
Produkte und Betreiber
Zunächst entstanden meist Farben aus Mineralien des Bergischen Landes und/oder Berliner Blau, daneben etwa Salmiak, Holzessig und Bleizucker, um 1835 auch Eau de Cologne. Verkauft wurde bis nach Brabant und Holland. Ein Jahresumsatz von 60.000 bis 70.000 Talern wäre möglich gewesen, günstige Importe aus England verhinderten dies jedoch. Später hielten mehrere Gesellschaften Konzessionen, darunter Christian Wöllner, ein Sohn Johann Gottfried Wöllners, und Friedrich Mannes, die Brüder Friedrich und Benjamin Sternenberg sowie Ed. Halbach aus Wald bei Solingen. Der Historiker Josef Thur nennt zwei chemische Produktionen: Buntfarben der Gebrüder Mannes von 1820 bis 1840 sowie Farben und Salmiak der Sternenbergs bis in die 1830er Jahre.
Weitere Gewerbe
Im Kunstfeld gab es zudem eine Horn- und Knochenmühle, auf die der Name „Hornpottweg“ zurückgeht. Nur mündlich überliefert sind eine Drahtweberei und die Herstellung gelochter Bleche, die statt Gardinen an Fenstern hingen.
Die Explosion von 1870
Ende der 1860er Jahre experimentierte Friedrich Sternenberg nach dem Vorbild Alfred Nobels mit Nitroglycerin und Salpetersäure, um Sprengstoff zu produzieren; mitverantwortlich war auch Heinrich, ein weiterer Sohn Benjamin Sternenbergs. Die Behörden verlangten, die Fabrikräume zum Schutz von Arbeitern und Bevölkerung zu sichern. Obwohl Sternenberg zunächst keine Konzession erhielt, traf er Vorbereitungen, ohne dass die Behörden eingriffen. Am 25. Januar 1870 kam es nachts in der Fabrik, zu der die Siedlung gehörte, zu einer Explosion mit 15 Toten – laut Pfarrer Christian Bertram 14 Katholiken und ein Nichtkatholik. Die Erschütterung soll so stark gewesen sein, dass selbst im entfernten Köln Bilder von den Wänden und Stuck von der Decke fielen.
Zeitstrahl
- 1803Säkularisation der Abtei Altenberg
- 1809Wöllner und Mannes pachten die Klostergebäude und gründen eine Farbenfabrik
- 1815Explosion in Altenberg zerstört Klostergebäude und Dach des Doms; Umzug nach Dünnwald
- 1820Produktionsverbot in Dünnwald; Wöllner erwirbt Gelände, Kunstfeld entsteht
- 182748 Einwohner in Kunstfeld
- 1840Einwohnerzahl sinkt auf 30
- 1870Schwere Explosion in der Fabrik (25. Januar), 15 Tote
- 1900179 Einwohner in Kunstfeld
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