Bruder-Klaus-Siedlung
Kölner Siedlung, benannt nach dem Schweizer Nationalheiligen Bruder Klaus. Viele Straßen tragen aus Dank für Schweizer Nachkriegshilfe Namen Schweizer Orte.
Als Grundstein der Siedlung diente 1948 ein Stein aus dem Nordturm des Kölner Domes. Ihre Anfänge liegen in einer Gruppe von Ausgebombten, Kriegsflüchtlingen und -rückkehrern, die ab 1946 ein katholischer Pfarrer um sich versammelte.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Siedlung im Kölner Stadtteil und Stadtbezirk Mülheim
- Lage
- Nordosten des Stadtteils, Nachbarn sind Stammheim im Norden und Höhenhaus im Osten
- Entstehung
- Gründung der Siedlergemeinschaft 1947, Ausbau vor allem in den 1950er Jahren
- Namensgeber
- Niklaus von Flüe, genannt Bruder Klaus, Schutzpatron der Schweiz
- Straßennamen
- Schweizer Orte und Landschaften
- Pfarrkirche
- St. Bruder Klaus nach Entwurf von Fritz Schaller, Turm 35 m
Der Grundstein der Siedlung wurde 1948 von Kardinal Josef Frings gelegt – mit einem Stein aus dem Nordturm des Kölner Doms. Die Straßen tragen Schweizer Namen (z. B. Davoser, Zermatter Klause), als Dank für Hilfen aus der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Von der Selbsthilfe zum planmäßigen Ausbau
Initiator war Karl Müller, damals Pfarrer von St. Franziskus in Köln-Bilderstöckchen. Unter seinem Vorsitz gründete sich am 18. März 1947 die Siedlergemeinschaft Neuland e.V., die bis heute besteht. Als Bauherr trat anfangs das Siedlungswerk der Erzdiözese Köln auf; den Grundstein legte Kardinal Josef Frings am 14. August 1948. Die ersten Häuser entstanden in Selbst- und Nachbarschaftshilfe auf Grundstücken, die ihre Bewohner mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Kleintierhaltung versorgen sollten – ein Weg, der länger dauerte als geplant.
1949 war die Siedlergemeinschaft an der Gründung der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft m.b.H. Aachen beteiligt, die unter ihrer Regie den Ausbau übernahm. Am 28. Oktober 1949 wurde das Areal von der Stadt Köln erworben. Mit der Deutschen Wohnungsgesellschaft (DEWOG) kam in den 1950er Jahren ein weiterer Entwickler hinzu. Am 18. Juli 1960 besuchte Bundeskanzler Konrad Adenauer die Siedlung zusammen mit der Stegerwaldsiedlung – beides Neubausiedlungen der 1950er Jahre der CDU-nahen DEWOG.
Schweizer Straßennamen und Grenzen
Aus Dankbarkeit für Hilfen aus der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg erhielten die neuen Straßen Schweizer Namen. Beispiele sind die Davoser, Schwyzer, Genfer, Zuger und Zermatter Klause sowie der Solothurner, Luzerner und Züricher Weg. Begrenzt wird die Siedlung im Südosten vom Mülheimer Zubringer, im Osten von der A3, im Norden vom Dünnwalder Kommunalweg (L101) und im Westen von einer Bahntrasse.
Kirche St. Bruder Klaus
Am 20. August 1956 wurde die Pfarrei als Rektoratspfarre von St. Antonius in Mülheim abgeteilt. Nach der Einsegnung der Gemeinde durch Kardinal Frings folgte am 28. August 1956, dem Vorabend des 77. Deutschen Katholikentages in Köln, die Grundsteinlegung. Nach 15 Monaten Bauzeit wurde die Kirche im November 1957 geweiht. Den breit angelegten Bau prägt ein hohes, sechseckiges Mittelschiff aus aufragendem Betonmaßwerk. Gründungspfarrer und langjähriger Seelsorger war Heinrich Eisenhut.
Gemeindeleben
Neben der Kirche unterhielt die Pfarrei eine Kindertagesstätte, ein Jugendheim und ab 1964 ein Landschulheim in Winnerath. Sie betreut zudem die benachbarte Katholische Grundschule, die die Stadt Köln 1959 bis 1962 errichtete. 1966 lebten 3007 Katholiken im Gemeindebezirk. Die Bewohner waren anfangs jung und kinderreich: Zu Spitzenzeiten gehörten 2.500 Kinder und Jugendliche zur Pfarrei, die eine große Jugendarbeit trug.
Brandanschlag und Protest 2016
Am 2. Januar 2016 versuchten zwei Rechtsextreme, eine Flüchtlingsunterkunft in der Siedlung anzuzünden, in der eine jugoslawische Familie lebte. Dabei nutzten sie Fackeln und Bengalos mit Aufschriften der Pegida-Bewegung. Nur durch Zufall scheiterte der Angriff; drei Erwachsene und neun Kinder blieben unversehrt. Am Tag darauf protestierten 400 Menschen spontan auf dem Wiener Platz in Mülheim. Die Angeklagten verweigerten vor Gericht eine persönliche Entschuldigung und wurden zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.
Zeitstrahl
- 1946Pfarrer Karl Müller sammelt Ausgebombte und Flüchtlinge
- 1947Gründung der Siedlergemeinschaft Neuland e.V. (18. März)
- 1948Grundsteinlegung durch Kardinal Frings (14. August)
- 1949Stadt Köln verkauft das Areal (28. Oktober)
- 1956Pfarrei St. Bruder Klaus gegründet; Grundsteinlegung der Kirche
- 1957Konsekration der Kirche (19. November)
- 1960Besuch von Bundeskanzler Konrad Adenauer (18. Juli)
- 2016Fehlgeschlagener rassistischer Brandanschlag (2. Januar)
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