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© A.Savin · CC BY-SA 3.0

Finnensiedlung

Holzfertighaussiedlung in Köln-Höhenhaus, ab 1942 für Ausgebombte erbaut – ob das Baumaterial aus Finnland kam, ist bis heute nicht belegt.

Schriftliche Dokumente zur Gründung der Siedlung waren schon in den 1980er Jahren nicht mehr greifbar. Befragungen von Anwohnern, stilistische Einschätzungen und der eingebürgerte Name brachten deshalb mehrere Versionen ihrer Entstehung hervor.

Auf einen Blick

Lage
Köln-Höhenhaus (Stadtbezirk Mülheim), an der Ortsgrenze zu Köln-Dünnwald, in unmittelbarer Nähe des Dünnwalder Waldes
Umfang
158 Holzhäuser
Bauform
unterkellerte Doppelhäuser
Grundstücke
jeweils etwa 400 m²
Denkmalschutz
Baudenkmal in Nordrhein-Westfalen
Wusstest du?

Obwohl die Kölner Finnensiedlung ihren Namen von Finnland hat, gibt es keine gesicherten Belege dafür, dass das Baumaterial je aus Finnland kam. Belegt ist dagegen, dass ab 1942/43 etwa 30 Häftlinge der „SS-Baubrigade III“ aus dem Messelager in Deutz beim Bau eingesetzt wurden.

Die Finnland-Legende

Nach einer Version gelangte das Baumaterial im Zweiten Weltkrieg aus Finnland nach Köln. Es soll ein Geschenk der finnischen Reichsregierung für die Hilfe der deutschen SS im „finnisch-norwegischen Krieg 1939/40“ gewesen sein. Diese Bezeichnung passt nicht zu den Ereignissen: 1939/40 führte Finnland den Winterkrieg gegen die Sowjetunion, und darin hielt sich das Deutsche Reich wegen des Hitler-Stalin-Pakts mit Hilfen zurück. Deutsche Unterstützung erhielt Finnland erst im sogenannten Fortsetzungskrieg. Der Ryti-Ribbentrop-Vertrag vom 26. Juni 1944, de facto ein Militärbündnis, fiel in die Bauzeit der Siedlung, wurde aber letztlich nicht mehr vollzogen. Für einen Materialtransport dieser Größe in den Jahren 1943/44 fehlen gesicherte Belege, ebenso für die Ansicht, der Gesamtgrundriss solle an einen Finnendolch erinnern.

© A.Savin · CC BY-SA 3.0

Entstehung im Krieg

Gesichert ist, dass die Siedlung ab 1942 unter dem Stichnamen „Neue Heimat“ für ausgebombte Familien aus der Kölner Altstadt entstand. Für die Arbeiten wurden Zwangsarbeiter herangezogen, möglicherweise über die Deutsche Arbeitsfront (DAF). Belegt ist, dass seit etwa 1942/43 rund 30 Häftlinge der „SS-Baubrigade III“ am Bau mitarbeiten mussten; sie waren im Messelager in Deutz untergebracht. Die DAF trat nach 1940 mehrfach als Bauherr rechtsrheinischer Kölner Wohnanlagen im Sinne von Hitlers „Sozialem Wohnungsbau“ auf.

© A.Savin · CC BY-SA 3.0

Architektur

Die traufständigen Häuser tragen ein Satteldach mit Dachgaupe. Ein Bad gab es ursprünglich nicht, nur eine Waschküche im Keller. Dunkel gebeiztes Holz und weiß abgesetzte Tür- und Fensteröffnungen verliehen den Bauten ein skandinavisches Aussehen. Vor allem seit dem Verkauf wurden Sanitäranlagen, Fenster und Türen modernisiert.

© Nicola · CC BY-SA 3.0

Nach dem Krieg und heute

Nach Kriegsende stellten Bombengeschädigte und Kriegsheimkehrer die Häuser in Selbsthilfe fertig, teils auch Firmen. Eigentümer war die „Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft Rheinland“, inzwischen sind alle Häuser in Privatbesitz. Die Siedlung ist weitgehend geschlossen erhalten; nur zwei Häuser brannten ab, in den 1950er Jahren und 1986. Vereinzelt finden hier Fernsehdreharbeiten statt.

© Nicola · CC BY-SA 3.0

Verwandte Siedlungen

Entwicklungsgeschichtlich steht die Anlage in einer Reihe mit 50 weiteren Finnensiedlungen bzw. Finnenhaussiedlungen in Deutschland und Österreich. Auch in Zündorf entstand 1941 bis 1943 eine vollständig aus Holz errichtete Siedlung, für Angehörige der Firma Aerostahl und daher auch Luftwaffensiedlung genannt; durch spätere Verklinkerung oder Verkleidung ist ihr ursprünglicher Charakter weitgehend verloren. Weitere Kölner Siedlungen wurden in Rath für Reichsbahner und in Junkersdorf errichtet.

© Nicola · CC BY-SA 3.0

Zeitstrahl

  1. 1942
    Beginn des Baus der Siedlung als Hilfe für ausgebombte Familien („Neue Heimat“)
  2. ca. 1942/43
    Einsatz von etwa 30 Häftlingen der „SS-Baubrigade III“ beim Bau
  3. 1950er
    Ein Haus brennt ab
  4. 1986
    Ein weiteres Haus brennt ab

Galerie

© Nicola · CC BY-SA 3.0 · Commons
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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-10-21

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