Villa Oberländer Ufer 208
Villa nach englischem Landhaus-Vorbild: ab 1915 Wohnsitz von Moritz Bing, dessen Vermögen 1941 für verfallen erklärt wurde, ab 1949 südafrikanische Residenz.
Die denkmalgeschützte Villa in Köln-Marienburg entstand 1911–1912 für den Dekorationsmaler und Schornsteinfegermeister Heinrich Bales. Die Pläne stammen vom Kölner Architekten Heinrich Müller-Erkelenz.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Villa, Baudenkmal in Nordrhein-Westfalen
- Lage
- Villenkolonie Köln-Marienburg, Stadtbezirk Rodenkirchen
- Abstände
- jeweils etwa 100 m westlich des Rheinufers und nördlich der Militärringstraße (Bundesstraße 9)
- Erweiterung
- seitlicher, eingeschossiger Anbau 1915/1916
- Grundriss
- winkelförmig
- Denkmalliste der Stadt Köln
- seit 4. Januar 1991
Die Villa diente ab Dezember 1949 als Residenz des südafrikanischen Gesandten (ab 1954 Botschafters) in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn – und das, obwohl sie im Kölner Stadtteil Marienburg steht; erst 1975 zog die Botschaft nach Bonn um.
Moritz Bing und der Entzug seines Vermögens
Seit 1915 lebte der jüdische Rechtsanwalt Moritz Bing in der Villa. Ein Jahr später gingen die Grundstücke Oberländer Ufer 208 und 206a in sein Eigentum über. Nach den Novemberpogromen 1938 ging er ins Exil in die Schweiz. Der Deutsche Reichsanzeiger Nr. 143 erklärte sein Vermögen am 23. Juni 1941 „als dem Reich verfallen“. Seine Erben verlangten später im Rahmen der Wiedergutmachung, dass ihnen das Anwesen zurückübertragen wird. Beigelegt wurden diese Ansprüche durch einen Vergleich über 35.000 DM für das im Krieg beschädigte Haus.
Residenz der südafrikanischen Diplomaten
Mit Bonn als Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland ab 1949 erhielt die Villa eine neue Rolle: Spätestens ab Dezember 1949, als die erste Akkreditierung erfolgte, wohnte hier der Gesandte der Südafrikanischen Union. Die Gesandtschaft wurde 1954 zur Botschaft, ab 1961 vertrat sie die Republik Südafrika. Zunächst lebte Generalmajor William Henry Evered Poole als Missionsleiter im Haus. Als Residenz blieb die Villa in Gebrauch, bis die Botschaft 1975 nach Bonn umzog.
Architektur
Vorbild für die Gestaltung waren englische Landhäuser. Die Südseite und die zum Rhein gewandte Ostseite sind als Schauseiten angelegt. Abweichend von zahlreichen Bauten in Marienburg tragen die Giebelflächen eine Verkleidung aus Schindeln. Das Haus steht als Solitär auf seinem Grundstück.
Die Remise im Park
Östlich im Park gehört ein Remisengebäude zum Anwesen. Es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1950 vom Hochbauamt der Stadt Köln wiederaufgebaut. Im Unterschied zur Villa ist die Remise nur stark verändert erhalten.
Zeitstrahl
- 1911–1912Bau der Villa nach Entwurf von Heinrich Müller-Erkelenz
- 1915/1916Seitliche, eingeschossige Erweiterung des Hauses
- 1916Moritz Bing wird Eigentümer der Grundstücke Nr. 208 und 206a
- 1938Nach den Novemberpogromen Emigration Moritz Bings in die Schweiz
- 1941Bings Vermögen am 23. Juni als dem Reich verfallen erklärt
- 1949Ab Dezember Residenz der südafrikanischen Gesandtschaft
- 1975Umzug der südafrikanischen Botschaft nach Bonn
- 1991Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Köln am 4. Januar
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