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Eberbacher Hof

Einstiger Kölner Stadthof des Klosters Eberbach: Zentrum des Weinhandels mit eigenem Zugang zum Rheinhafen durch die Servaspforte der Stadtmauer.

Als der Hof entstand, besaßen Zisterzienserklöster nur ausnahmsweise Stadthöfe. Erst in den 1180er Jahren erlaubte das Generalkapitel des Ordens solche Niederlassungen allgemein, zunächst begrenzt auf ein Gebäude pro Ort.

Auf einen Blick

Art
ehemaliger Stadthof des Klosters Eberbach im Rheingau, auch Erbacher Hof genannt
Lage
heute Altstadt-Nord im Stadtbezirk Innenstadt; historisch in der Vorstadt Niederich unweit der Kirche St. Kunibert
Erste urkundliche Erwähnung
1163
Hauptgebäude
dreigeschossiges Wohn- und Verwaltungshaus mit großem Kornspeicher
Weinkeller
sieben, um 1500 mit bis zu 500.000 Litern Wein
Besonderheit
Die Servaspforte der Stadtmauer gehörte zum Hof und öffnete ihn direkt zum Rheinhafen
Wusstest du?

Eine Einkaufsliste des Klosters aus dem Jahr 1517 gilt als ältester erhaltener Nachweis für die Verwendung von Hausenblasen – der Schwimmblase des Störs – zur Weinklärung.

Weinhandel am Rhein

Wein war das Haupthandelsgut des Klosters und brachte bis zu 60 Prozent der jährlichen Verkaufserlöse ein. Unter den kirchlichen Weinimporteuren in Köln erreichte nur das Domstift eine vergleichbare Menge. Abnehmer waren überwiegend Kölner Großhändler, die den Wein in ganz Nordeuropa weiterverkauften. Wegen seiner Qualität erzielte das Kloster in der Regel überdurchschnittliche Preise.

Die Kölnfahrt

Der Hof war Ziel der Kölnfahrt, des zentralen Ereignisses im Wirtschaftsjahr des Klosters. Jährlich im Herbst nach der Weinlese oder im folgenden Frühjahr brach die Klosterflotte vom Hof Reichartshausen auf und sammelte flussabwärts die Erträge der Klosterhöfe im Mittelrheintal ein. Neben Wein verkaufte man Getreide, Holz und Erzeugnisse der Klosterwerkstätten. Zugleich dienten die Fahrten dazu, Güter zu beschaffen, die das Kloster nicht selbst herstellen konnte, vor allem Salz, Seefische, Metallwaren und Gewürze. Eine Einkaufsliste von 1517 ist der älteste erhaltene Beleg dafür, dass Hausenblase – die Schwimmblase des Störs – zur Weinklärung verwendet wurde.

Entstehung und Ausbau

Wann der Hof errichtet wurde, ist nicht überliefert; wahrscheinlich geschah es wenige Jahre nach der Klostergründung 1136. Konversen des Klosters bewirtschafteten ihn, und über den Hof entstanden Verbindungen zu Kölner Bürgern, die dem Kloster Stiftungen zukommen ließen oder dem Orden beitraten. Mit der Übertragung der Servaspforte 1292 übernahm das Kloster deren Unterhalt und erhielt zugleich das Kölner Bürgerrecht. Durch Zukäufe wuchs die Anlage schrittweise zu einem ummauerten Komplex, der eine „Stadt in der Stadt“ bildete.

Bedeutungsverlust

Ab dem 15. Jahrhundert verlor die Kölnfahrt und damit der Stadthof allmählich an Gewicht. Die Zollprivilegien ließen sich immer schwerer erneuern, und mit Rat und Bürgern stritt das Kloster über Stapelrecht und Direktverkauf an Endverbraucher. Nach Einführung eines neuen Kölner Rheinzolls 1475 musste das Kloster seinen Wein 1488 vorübergehend in Deutz verkaufen. Hauptumschlagplatz für den Eberbacher Weinhandel blieb Köln dennoch bis zum 16. Jahrhundert.

Zeitstrahl

  1. 1136
    Gründung des Klosters Eberbach, wahrscheinlich wenige Jahre vor Errichtung des Stadthofs
  2. 1108
    Ummauerung der Kölner Vorstadt Niederich, in der sich der Hof befand
  3. 1163
    Erste urkundliche Erwähnung des Hofes; Papst Alexander III. stellt ihn unter seinen Schutz
  4. 1180er Jahre
    Generalkapitel des Zisterzienserordens erlaubt allgemein die Einrichtung von Stadthöfen
  5. 1185
    Befreiung des Klosters vom königlichen Rheinzoll in Koblenz
  6. 1292
    Die Stadt Köln überträgt die Servaspforte an das Kloster
  7. 1352–1369
    Heinrich, zuvor Kölner Bürger, ist Abt des Klosters
  8. 1475–1488
    Neuer Rheinzoll Kölns 1475 zwingt Kloster 1488 zu vorübergehendem Weinverkauf in Deutz

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-09-24

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