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Dieses Bauwerk existiert heute nicht mehr – der Eintrag erzählt seine Geschichte.
© Arnold Mercator · Public domain

Kahlenhausener- oder Judenpforte

Ein kurzlebiges mittelalterliches Stadttor im nordöstlichen Abschnitt der Kölner Stadtmauer zwischen Eigelsteintor und Kunibertsturm, das 1349 als „porta judeorum" bezeichnet wurde und heute nicht mehr erhalten ist.

Zwischen Eigelsteintor und Kunibertsturm durchbrach einst die schmale Kahlenhausener- oder Judenpforte die mittelalterliche Kölner Stadtmauer. Sie taucht 1349 als „porta judeorum" in den städtischen Schreinsbüchern auf, hatte aber als Tor nur kurz Bestand.

Auf einen Blick

Was
Abgegangenes Stadttor der mittelalterlichen Kölner Stadtmauer
Lage
Nordöstlicher Mauerabschnitt zwischen Eigelsteintor und Kunibertsturm (Vorstadtbezirk Niederich)
Erste Erwähnung als „porta judeorum"
1349 in den städtischen Schreinsbüchern
Baumaterial
Tafelbasalt, Durchgang aus Werkstein
Durchgang
spitzbogig, nur 2,75 m breit, 5,00 m Scheitelhöhe
Vermutlich vermauert
bereits um 1446
Heute
nicht erhalten; Straßenname „Unter Kahlenhausen" erinnert an die Lage

Lage und Hinterland

Die Pforte lag im nordöstlichen Vorstadtbezirk Niederich, dort wo sich stadtseitig das als „Kaldenhuysen" und später Kahlenhausen bezeichnete Acker-, Wein- und Gartenland an den Türmchenwall anschloss. Ein neuer Graben vor „Caldenhusen" wurde bereits 1239 erwähnt.

Das Areal war zunächst nur spärlich bebaut und lediglich von einigen Höfen bestanden. Diese Besitzungen gehörten überwiegend den Stiften oder Familien des Kölner Patriziates. Ein Schreinseintrag von 1405 nennt beispielsweise einen zuvor „dat Kelderhus" genannten Hof, der einst dem Ritter Werner vom Spiegel gehörte und danach im Besitz des Schöffen Goebel Hardevust war. Familien wie die vom Schiederich, vom Spiegel und Hardevust stellten schon im 14. Jahrhundert Bürgermeister der Stadt.

Landwirtschaftlich genutzt blieb Kahlenhausen bis weit in die Neuzeit dünn besiedelt. Die auf die Pforte zulaufende „Calhauser gaß" entspricht der heutigen Straße „Unter Kahlenhausen".

Das Bauwerk

Errichtet aus Tafelbasalt, besaß die Pforte einen der engen Gasse entsprechend schmalen Durchgang. Dieser war spitzbogig aus Werkstein gestaltet, maß nur 2,75 m in der Breite und erreichte eine Scheitelhöhe von 5,00 m.

Flankiert wurde das Tor westlich von einem halbrunden Wehrturm der Mauer und östlich von einem Mauervorsprung mit einem kleineren Durchgang zum Wall. Wie viele andere Torbauten trug die Pforte zur Feldseite über dem Tor eine hölzerne Wurfgalerie. Eingefasst war der Bau von der aus Tuffstein in Ziegelform errichteten Stadtmauer, die in regelmäßigen Abständen halbrunde Wehrtürme besaß. Der in Richtung Eigelstein folgende Turm war mit einer „Wurfnase" ausgestattet und galt wohl als sogenanntes Kampfhaus, im mittelalterlichen Köln als Wichhus bezeichnet.

Der Name „Judenpforte" und das Ende als Tor

Die Pforte entstand vermutlich als eines der letzten Tore der großen Ringmauer. Eine Schreinsakte von 1262 bezeichnet die ältere Judenpforte in der Zeughausstraße als „antiqua porta", die bei der Erweiterung der Umwallung 1106 den Juden zur Verteidigung überwiesen worden war.

1349 kam es in Köln, mitbefördert durch die grassierende Pest, erneut zu Ausschreitungen gegen die jüdischen Einwohner, die in Mord, Enteignung und Vertreibung mündeten. Diese Vorgänge dauerten unter Billigung des Rates bis in die 1370er Jahre an; ab 1372 verfolgte der Rat wieder eine gemäßigtere Politik. Es ist anzunehmen, dass den Juden ab 1349 die Verantwortung für den Verteidigungsabschnitt Kahlenhausen entzogen wurde. Für 1371 verzeichnen die Stadtrechnungen den Eintrag „vigilantes up der Juden Wichhuss", woraus hervorgeht, dass die Bürgerwehr diesen Abschnitt bewachte.

Als Tor hatte die Pforte nur eine kurze Lebensdauer und war offenbar schon 1446 vermauert: Das Protokoll einer Wachtverteilung desselben Jahres berücksichtigt nur noch das „Judenwichhaus" des Abschnitts, nicht aber Tor oder Pforte. Der Name „Juden Wichhuss" blieb als aus der Vergangenheit übernommene Bezeichnung erhalten, die der Realität nicht mehr entsprach; er erscheint noch 1475 („Wacht auf der Juden Wichhuys") und 1560. 1582 fehlt die Bezeichnung völlig; nun ist von „sechs Feldtürmen zwischen Eigelsteinpforte und S. Cunibert" die Rede. Die 1423 vom Rat beschlossene endgültige Ausweisung der Juden wurde 1424 unter Pogromen vollzogen.

Vom Bollwerk zum Verschwinden

Auf der Karte Arnold Mercators ist von der Kahlenhausenpforte nichts mehr zu erkennen, wohl aber eine zunehmende Bebauung des Viertels. Im 17. Jahrhundert, während des Dreißigjährigen Krieges, verstärkte die Stadt ihre Befestigungen und stattete den Mauerabschnitt vor Kahlenhausen mit einem kleinen Bollwerk aus. Diese Veränderung soll auf den Zeichnungen Hollars und Merians (1646) erkennbar sein; mit ihr enden die Hinweise auf die Befestigungsanlagen Kahlenhausens.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts machte die Stadterweiterung Abrissmaßnahmen unumgänglich. 1882 begann die Schleifung der Bollwerke, der abschnittsweise die Niederlegung der Stadtmauer folgte. Im Rahmen der entstehenden Neustadt-Nord wurde der Türmchenwall auch an seiner Nordwestseite bebaut. Die Straße Unter Kahlenhausen setzte sich später in der neu geschaffenen Clever Straße fort, die zum Deutschen Ring (heute Theodor-Heuss-Ring) führte.

Heute

Von der Kahlenhausener- oder Judenpforte ist nichts erhalten. Das Tor wurde spätestens im Zuge des Stadtmauerabbruchs im späten 19. Jahrhundert beseitigt. An die einstige Lage erinnert heute noch der Straßenname „Unter Kahlenhausen", der auf die frühere „Calhauser gaß" zurückgeht.

Karte

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-08-24

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