Peristylhaus mit dem Dionysosmosaik
Römisches Wohnhaus am Kölner Dom, dessen Speisesaal-Boden ein Mosaik aus rund 1,5 Millionen Steinchen mit dem Lustgott Dionysos trägt.
Der Fund gab den Anstoß, an dieser Stelle das heutige Römisch-Germanische Museum zu errichten. Das Wohnhaus gilt als Beispiel für ein Gebäude in den germanischen Provinzen, das in einem eher mediterranen Stil erbaut wurde.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Römisches Wohnhaus (Peristylhaus) mit Bodenmosaik
- Lage
- Altstadt-Nord, Stadtbezirk Innenstadt, nahe dem Kölner Dom
- Fläche des Hauses
- rund 2500 Quadratmeter, ein ganzer Häuserblock (insula)
- Errichtung
- vermutlich um 50 n. Chr. (claudische Zeit)
- Mosaik
- 27 mehrfarbige Medaillons
- Fund
- 1941 beim Ausheben des Dombunkers
- Versicherungswert
- 15 Millionen Euro (Stand 2007)
- Standort heute
- in situ im Römisch-Germanischen Museum
Als 2007 der Orkan Kyrill eine bis zu 70 Kilogramm schwere Holzabdeckung über die Domplatte schleuderte, durchschlug sie die Glasfront des Museums und stürzte direkt auf das Dionysosmosaik – dabei wurden an rund 120 Stellen der 1,5 Millionen Mosaiksteinchen Schäden festgestellt.
Das Haus
Das nord-südlich ausgerichtete Haus lag nah am Rheinufer und gehört zu den wenigen Häusern der Colonia Claudia Ara Agrippinensium, deren Grundriss weitgehend bekannt ist. Um einen zentralen Garten, das Peristyl mit einem Brunnen, gruppierten sich mehr als 20 Räume, die über eine Säulenhalle erreichbar waren. An der Frontseite lagen Speicher oder Läden. Mehrere Bauphasen ließen sich unterscheiden: Auf die claudische Ersterrichtung folgte eine zweite Phase um 80 n. Chr. in flavischer Zeit, ehe das Haus um 230 n. Chr. vollständig umgestaltet wurde. Einige Räume besaßen Hypokausten; von den Mosaiken und Wandmalereien weiterer Räume fanden sich nur geringe Reste. Etwa zehn Generationen nutzten die Stadtvilla rund 300 Jahre lang, bis das Gebäude im Dezember 355 n. Chr. bei einem Angriff der Franken niederbrannte.
Das Dionysosmosaik
Mit der Umgestaltung um 230 n. Chr. entstand in der Mittelachse des Peristyls das Triclinium, dessen Boden das rund 70 Quadratmeter große Mosaik aus etwa 1,5 Millionen Steinchen aus Naturstein, Glas und Ton von 9 mm Dicke erhielt; schon zuvor hatte der Raum ein Mosaik besessen, das in Resten nachweisbar war. Das zentrale Bildfeld zeigt den angetrunkenen Dionysos, der sich auf einen Satyr stützt. Die achteckigen und quadratischen Medaillons zeigen Szenen um Dionysos sowie Jahreszeiten, Vögel und Früchte. Nach der Ausgrabung wurde das Mosaik zum Schutz mit Sand abgedeckt; Ende der 1950er Jahre erhielt es eine Kunstharzschicht. Es ruht auf einer von neun Stützen getragenen Konstruktion. Beim Weltwirtschaftsgipfel 1999 diente der Raum den Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten als Speisesaal; das Mosaik wurde dabei mit einer schweren Acrylglasplatte geschützt.
Sturmschaden 2007
In der Nacht zum 19. Januar 2007 riss der Orkan Kyrill die Holzabdeckung des Brunnens auf der Domplatte los. Die bis zu 70 Kilogramm schweren Holzbalken und Bretter schlitterten quer über den Roncalliplatz, durchschlugen die Glasfront des Museums und fielen auf das Mosaik. Zahlreiche Steine lockerten sich, mehrere Medaillons wurden beschädigt, nicht jedoch das zentrale Bildmotiv. Spezialisten des Nationalmuseums Luxemburg und des Rheinischen Landesmuseums Bonn begutachteten die Schäden. Zu den Restaurierungsfachleuten zählten Christoph Merzenich von der Fachhochschule Erfurt sowie zwei Restauratorinnen des Istituto Superiore per la Conservazione ed il Restauro in Rom, das bereits 50 Jahre zuvor an der Bergung des Mosaiks mitgewirkt hatte. Beim Abklopfen aller Steinchen stellten sie an rund 120 Stellen abgelöste oder gelockerte tesserae mit bis zu drei Millimeter tiefen Abschürfungen fest. Der Gesamtschaden erreichte eine siebenstellige Summe. Besucher konnten die im Juli 2008 abgeschlossenen Arbeiten vor Ort verfolgen. Am 18. Januar 2009, dem zweiten Jahrestag des Sturmschadens, wurde die Wiederherstellung mit einem Dionysosfest gefeiert.
Zeitstrahl
- um 50 n. Chr.Errichtung des Hauses in claudischer Zeit
- um 80 n. Chr.Zweite Bauphase in flavischer Zeit
- um 230 n. Chr.Vollständige Umgestaltung, Triclinium mit Dionysosmosaik errichtet
- Dezember 355 n. Chr.Haus brennt bei Frankenangriff auf Köln nieder
- 1941Entdeckung der Hausreste beim Ausheben des Dombunkers
- Ende der 1950er JahreMosaik erhält zum Schutz eine Kunstharzschicht
- 1999Ausstellungsraum dient beim G8-Weltwirtschaftsgipfel als Speisesaal
- 18./19. Januar 2007Orkan Kyrill beschädigt das Mosaik erheblich
- Juli 2008Restaurierungsarbeiten am Mosaik abgeschlossen
- 18. Januar 2009Feier zur Wiederherstellung mit Dionysosfest
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