Nubbel
Die lebensgroße Strohpuppe gilt im rheinischen Karneval als Sündenbock und wird in der Nacht zu Aschermittwoch verbrannt.
Als „Nubbel“ wird eine Figur bezeichnet, deren Name aus einem kölschen Wort für „irgendwer“ stammt – passend zu ihrer Rolle als anonymer Schuldiger.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Brauchtumsfigur des rheinischen Karnevals
- Gestalt
- lebensgroße, bekleidete Strohpuppe
- Rolle
- Sündenbock des Karnevals
- Kölner Name
- auch „Zacheies“ genannt
- Lage
- in der Kölner Innenstadt, Stadtteil Altstadt-Nord
- Aufhängung
- über vielen Kneipen während der Karnevalszeit
- Höhepunkt
- Verbrennung in der Nacht auf Aschermittwoch
- Verbreitung
- weite Teile des Rheinlands
1913 wurde in Köln-Buchheim eine Zacheiesverbrennung anlässlich der Kirmes angekündigt – daraufhin wurde die Kirmes kurzerhand verboten.
Herkunft des Wortes
„Nubbel“ ist ein kölscher Ausdruck, der bereits im 18. Jahrhundert gebräuchlich war. Man verwendet ihn, wenn keine genaueren Angaben gemacht werden können oder sollen, etwa in „dat wor dä Nubbel“ („das war irgendwer“). Im „Wörterbuch der kölschen Mundart“ von 1905 fehlt das Wort, verzeichnet ist dort jedoch der „Zachaies“. Adam Wrede und Will Hermanns erwähnen und erläutern den Begriff. Der Name bezeichnet im Kölner Raum vor allem den „Zacheies“, die kölsche Form des hebräischen Namens Zachäus.
Vom Kirmesbrauch zum Karneval
Ursprünglich wurde der Zacheies zum Abschluss einer Kirmes verbrannt. Zu Beginn der Kirmes hängte man eine Strohpuppe auf dem Kirmesplatz oder vor einer Wirtschaft auf; sie verkörperte die Kirmes selbst und wurde am letzten Kirmestag verbrannt oder begraben. Auch dieser Zacheies trug den Namen Nubbel. In Poll wirft das Poller Maigeloog den Zacheies symbolisch in den Rhein und fischt ihn in der Nacht zum 1. Mai wieder heraus. Eine für 1913 angekündigte Verbrennung zur Buchheimer Kirmes, einer der ältesten rechtsrheinischen Kirmessen, führte zum Verbot dieser Kirmes. Erst ab 1950 fand zur Kirmes von St. Severin wieder eine Zacheiesverbrennung in der Kölner Innenstadt statt. Das Verbrennen einer Figur zum Karneval lässt sich im Rheinland seit Beginn des 19. Jahrhunderts belegen. Der Kölner Ernst Weyden beschrieb für die 1820er-Jahre, wie am Aschermittwoch eine Puppe im Leichenzug durch die Stadt getragen und auf einem Platz verbrannt wurde; ein ähnliches Fastnachtsspiel will er bereits 1812 bei den in Köln stationierten napoleonischen Truppen gesehen haben.
Ablauf der Zeremonie
Der genaue Verlauf unterscheidet sich von Stadt zu Stadt und von Kneipe zu Kneipe. Meist wird der Nubbel an Weiberfastnacht an der Kneipenfassade befestigt und am Karnevalsdienstag um 24 Uhr bei Kerzenlicht in einem kurzen Umzug zu Grabe getragen. Ein als Geistlicher verkleideter Karnevalsjeck verliest eine Anklageschrift, häufig in Mundart und gereimt; in Einzelfällen leitet auch ein echter Geistlicher die Zeremonie. Anfangs verteidigt die Menge den Nubbel, am Ende ruft sie ihn zum Schuldigen aus – auf Fragen nach vertrunkenem Geld oder Fehltritten antwortet sie mit „Dat wor der Nubbel!“. Anschließend wird die Puppe verbrannt.
Verwandte Bräuche
Der Anthropologe James Frazer sah im mimischen Tod des Karnevals eine Verwandtschaft zu Bräuchen anderer Kulturen. Das Verbrennen einer Figur aus Stroh oder Pappe berichtete er aus Latium, den Abruzzen, aus Katalonien, der Provence und der Normandie. Andernorts wird die Puppe begraben (Lechrain), ertränkt (Jülich) oder aufgehängt (Raum Tübingen). Aus einigen Ardennendörfern sind Scheingerichte und Scheinhinrichtungen überliefert. Dort verkörperte ein junger Mann den „Karnevalsdienstag“, den Mardi Gras, auf den mit Platzpatronen geschossen wurde; nach einem tödlichen Unfall in Vrigne-aux-Bois endete dieser Brauch. Das „Hinaustragen des Todes“ mit ähnlichen Merkmalen beschrieb Frazer für Mittelfranken, Bayern, Thüringen und Schlesien als Brauch zur Mittfasten.
Wissenswertes
Nach dem Volksglauben werden mit dem Nubbel alle in der Karnevalszeit begangenen Sünden getilgt. Nach der Verbrennung wird in der Kneipe weitergefeiert, bis mit dem Morgen der Aschermittwoch die Karnevalszeit beendet.
Zeitstrahl
- 18. JahrhundertBegriff „Nubbel“ im kölschen Sprachgebrauch belegt
- 1905„Wörterbuch der kölschen Mundart“ erwähnt Nubbel nicht, aber Zachaies
- 1820er-JahreErnst Weyden beschreibt Neuordnung des Kölner Fastnachtsgeschehens
- 1812Weyden berichtet von Fastnachtsspiel bei napoleonischen Truppen in Köln
- 1913Verbrennung bei Buchheimer Kirmes angekündigt, Kirmes daraufhin verboten
- um 1950Bezeichnung „Nubbel“ für Strohpuppe kommt auf
- ab 1950Zacheiesverbrennung zur St.-Severin-Kirmes in Kölner Innenstadt wieder eingeführt
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