Thekenschaaf
Im „Beichtstuhl“ Kölner Brauhäuser sitzt der Wirt: Das Thekenschaaf bot ursprünglich Blick auf Gaststube, Hausflur und Bierfässer zugleich.
Aus dem Kölschen übersetzt bedeutet das Wort „Thekenschrank“. Von diesem Platz aus überwacht und steuert der Gastwirt den Geschäftsbetrieb seines Hauses.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Sitz- und Arbeitsplatz des Gastwirts, ein kleines, in die Einrichtung integriertes Büro
- Verbreitung
- Kölner Brauhäuser und Gastwirtschaften
- Material
- dunkel gefärbtes Holz
- Form
- meist halboffene Kabine, zu einer Seite offen, zur anderen mit Glasfenstern
- Wortherkunft
- „Schaaf“ geht auf das althochdeutsche „scaf“ oder „scaph“ für Gefäß zurück
- Heute
- in einigen Kölner Brauhäusern noch vorhanden
In der Reichsstadt Köln durften Henker, Abdecker, Diener des Gewaltgerichts und Stadtsoldaten kein Gasthaus betreten, sondern nur dessen Hausflur aufsuchen – genau dort, wo das Thekenschaaf des Wirts oft den Blick auf Schwemme und Gaststube zugleich erlaubte.
Beichtstuhl, Kontörchen, Theke
Wegen seines Erscheinungsbildes nennt man das Thekenschaaf auch Beichtstuhl, wegen seiner Funktion Kontörchen. Die Kurzform lautet schlicht Theke. In Aachen war dagegen ausschließlich der Begriff „Theke“ für den erkerartig vorgebauten Sitz des Wirtes gebräuchlich. Im Mittelalter wandelte sich „Schaff“ vom Behälter mit Holzwänden zum verschließbaren Schrank. In Köln ist das Wort für einen Schrank ab dem 14. Jahrhundert belegt, nach dem 18. Jahrhundert als „Schaaf“, etwa in Kleiderschaaf.
Schwemme und Gaststube
Ab dem 17. Jahrhundert war bei kleinen Kölner Hausbrauereien ein typischer Grundriss verbreitet. Hinter der Eingangstür lag ein Flur, der seitlich in die Gaststube und geradeaus zu Brauerei und Keller führte. Dieser Flur diente als Schankraum („et Zappes“) und als Anlaufstelle für den Verkauf außer Haus. In der Reichsstadt Köln durften etwa der Henker und seine Knechte, die Abdecker und die Stadtsoldaten nur diesen Flur betreten, nicht die Gaststube. In der Franzosenzeit wurde diese „Klassengesellschaft“ beendet, eine nach Schichten getrennte Nutzung blieb aber verbreitet.
Ein Platz mit Blick in zwei Räume
Wann das erste Thekenschaaf entstand, ist nicht genau überliefert. In Häusern mit dem beschriebenen Grundriss wurde es als Sitz für Wirt und Wirtin in die Wand zwischen Gaststube und Schwemme eingebaut. Zur Flurseite hin hatte es einen schalterähnlichen, meist runden Glasabschluss. So konnte der Wirt beide Räume mit Publikumsverkehr beobachten und die Bierfässer sehen. Vermutlich führte das Bestreben, Gäste und Köbesse im ganzen Betrieb im Blick zu behalten, zur Einführung des Schaafs. Dieser Grundriss ist heute noch im Brauhaus Päffgen und im Haus Töller vertreten.
Aufbau und Ausstattung
In der ursprünglichen Form ragt das verglaste Schaaf als halbkreisförmiger Erker aus der Gaststube in den Flur. Eine Öffnung dient für Gespräche und als Durchreiche; manche ließen sich mit einem Schiebefenster, der „Thekerüttsche“, schließen. Innen steht eine fest eingebaute Doppelbank mit gegenüberliegenden Sitzen für Wirt und Wirtin, dazwischen ein kleiner Zahl- und Schreibtisch. Ein „Thekenschlitz“ darin konnte Biermarken oder Kleingeld ins „Thekenschöttche(n)“ darunter leiten. Schubladen, Fächer und Schlüsselhaken ordnen den Betrieb; einige Beichtstühle tragen Schnitzwerk oder Jugendstilelemente.
Neue Bauformen und heutige Nutzung
Etwa ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen rechteckige Grundrisse, Stühle statt Bänken und der Einbau in einen Tresen auf, so im 1858 gegründeten Brauhaus zur Malzmühle. Im Em Golde Kappes in Köln-Nippes lag das Thekenschaaf bis zu einem Umbau 2009 zwischen Tresen und Küche. Seit es elektronische Kassen- und Abrechnungssysteme gibt, wird die Einrichtung nur noch selten für ihren ursprünglichen Zweck genutzt.
Zeitstrahl
- 14. JahrhundertBezeichnung „Schaff/Schrank“ in Köln erstmals nachweisbar
- ab 17. JahrhundertTypischer Grundriss kleiner Kölner Hausbrauereien mit Schwemme verbreitet
- nach 18. JahrhundertSchreibung „Schaaf“ in Köln gebräuchlich (z. B. Kleiderschaaf)
- ab 2. Hälfte 19. JahrhundertAndere Einbauorte und Bauformen des Thekenschaafs nehmen zu
- 1858Gründung des Brauhauses zur Malzmühle mit in den Tresen integriertem Thekenschaaf
- 1913Gründung von Em Golde Kappes (Köln-Nippes)
- 2009Umbau des Em Golde Kappes, Lage des Thekenschaafs verändert
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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-10-15
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