Villenkolonie Köln-Marienburg
Rund 30 Jahre Villenbau von 1895 bis 1925: In Marienburg lässt sich der Weg vom späten Historismus über Jugendstil und Expressionismus zur Moderne ablesen.
Das Gebiet im Süden Kölns wurde lange ausschließlich landwirtschaftlich genutzt. Einer Darstellung von Abraham Hogenberg zufolge setzte eine Bebauung hier erst nach 1609 ein.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Villenkolonie
- Lage
- Köln, im Wesentlichen im heutigen Stadtteil Marienburg (Stadtbezirk Rodenkirchen)
- Bauzeit
- etwa 1895 bis etwa 1925
- Baustile
- später Historismus, Jugendstil, Expressionismus, Moderne
- Bebauungsplan
- angeregt von Camillo Sitte, umgesetzt von Stadtbaumeister Josef Stübben
- Eingemeindung nach Köln
- 1. April 1888
- Erhaltenes Relikt
- Turm-Torso einer Windmühle des früheren „Gut Alte Burg“
Der Gründer der Villenkolonie, Ernst Leybold, musste wegen seiner spekulativen Immobiliengeschäfte 1880 sein eigenes Gut Marienburg verpachten und in eine Kölner Mietwohnung ziehen.
Vom Gutshof zum Villenvorort
Der Kaufmann Paul Joseph Hagen erwarb 1843 Grundstücke samt dem Hügel „Galgenberg“ und verpflichtete sich, dort binnen eines Jahres ein Gebäude zu errichten. So entstand der Gutshof Marienburg, nach dem der Stadtteil heute heißt. Nach einer Immobilienkrise ab 1848 ging das Anwesen an das Bankhaus Oppenheim. 1868 kauften der Kölner Unternehmer Ernst Leybold und der Leipziger Kommerzienrat Adolph Davignon ein rund 60 Hektar großes Areal mit Herrenhaus und Gutshof. Leybold teilte die freien Flächen in Parzellen auf und verkaufte sie an wohlhabende Interessenten.
Planung und Ausbau
Mit der Eingemeindung nach Köln ging der Straßenbau in städtische Hand über, und der Ausbau des Villenvororts beschleunigte sich. 1896 regte Camillo Sitte einen einheitlichen Bebauungsplan mit Verkehrsanbindung an. Erläuterungsbericht und Plan erschienen erst nach seinem Tod; umgesetzt wurde der Plan von Josef Stübben.
Architektur aus drei Jahrzehnten
In den rund 30 Jahren der Bebauung entstand eine Vielzahl palastartiger Gebäude, an denen sich die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus bis zur Moderne verfolgen lässt. Beteiligt waren auswärtige Architekten wie Joseph Maria Olbrich, Paul Bonatz, Bruno Paul und Otto March sowie in Köln ansässige wie Dominikus Böhm und Wilhelm Riphahn. Als wichtigste Architekten Marienburgs gelten Paul Pott und Theodor Merrill. Eine Wohnbebauung in dieser Kompaktheit findet sich in Deutschland sonst nur in Berliner und Münchner Vororten.
Villa als Gesamtkunstwerk
Die Marienburger Villen wurden stets als Gesamtkunstwerk verstanden. Zum Ensemble gehörten die Einbettung in eine große Gartenanlage, Wandmalereien im Inneren und häufig eigens für das jeweilige Haus entworfene Möbel. Bis heute ist das Viertel ein Wohngebiet, das von Bauten der Jahrhundertwende sowie ausgedehnten Gärten, Alleen und Parks geprägt ist.
Wissenswertes
Bereits 1782 legte der Kölner Ratsherr Johann Wilhelm Joseph Huybens auf dem alten Flottenkastell Alteburg einen 20 Morgen großen „englischen Park“ an. Ludwig Böcking errichtete auf dem „Gut Alte Burg“ mit einer Kalkbrennerei dort den ersten industriellen Betrieb.
Zeitstrahl
- 1782Huybens legt 20-Morgen-„englischen Park“ auf der Alteburg an
- 1843Paul Joseph Hagen erwirbt Grundstücke samt Galgenberg; Bau des Gutshofs Marienburg
- 1868Leybold und Davignon erwerben das rund 60 ha große Areal von Sal. Oppenheim
- 1874Leybold bezieht den Herrensitz und parzelliert die freie Fläche
- 1879Gründung der „Actiengesellschaft Marienburg-Cöln“
- 1888Eingemeindung nach Köln (1. April); Straßenbau geht an die Stadt
- 1896Camillo Sitte regt einheitlichen Bebauungsplan an
- um 1895–1925Hauptbebauung der Villenkolonie
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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-10-22
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