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Nicht mehr vorhanden
Dieses Bauwerk existiert heute nicht mehr – der Eintrag erzählt seine Geschichte.
© Wirtz · Public domain

Heiliggeisthaus

Mittelalterliches Hospital und zentrale Stelle der Kölner Armenfürsorge, einst am Domhof auf dem Gelände der heutigen Domplatte gelegen.

Seinen Namen verdankte das Haus dem Heiligen Geist, der als „Vater der Armen“ galt. Im mittelalterlichen Kölsch hieß es „heilgen Geystzhuyss upme doymhoue“, auch die Bezeichnung „Hospital Geisthaus“ ist überliefert.

Auf einen Blick

Art
Hospital und Armenherberge (nicht mehr erhalten)
Lage
am Domhof neben der Hacht, auf der heutigen Domplatte (Altstadt-Nord, Stadtbezirk Innenstadt)
Erste Erwähnung
um 1056
Träger
eine Bruderschaft mit dem Heiligen Geist als Schutzherrn
Ausstattung
eigene Bäckerei und Brauerei
Besonderheit
ältestes bekanntes Siegel eines sozialen Instituts (zwischen 1267 und 1281)
Ende
musste vor 1845 dem Bau des Dom-Hotels weichen
Wusstest du?

Vom Heiliggeisthaus stammt das älteste bekannte Siegel eines sozialen Instituts überhaupt, überliefert aus der Zeit zwischen 1267 und 1281.

Anfänge am Domhof

Das Hospital unterstand wahrscheinlich dem Domstift. Möglicherweise ist es identisch mit jenem Hospital, das Erzbischof Anno II. nach 1056 errichten ließ und in dem er ein Xenodochium gründete. Urkundlich greifbar wird es in einer Schreinskarte aus der Zeit um 1170.

© Arnold Mercator († 1587) · Public domain

Anlaufstelle für die Armen der Stadt

Schon im 12. Jahrhundert übernahm das Heiliggeisthaus die städtische Armenfürsorge. Weil es für ganz Köln zuständig war, ist bereits 1254 die Rede davon, dass dort viele Arme und Kranke zusammenkamen. Ab 1305 verteilte es als zentrale Stelle Almosen, allerdings nur an „Hausarme“ – Bedürftige, die im Hause unterstützt wurden. Die tragende Bruderschaft verlor ab 1310 an Bedeutung, die Einrichtung selbst dagegen nicht. Für Arme und Kranke blieb sie die wichtigste Stelle der städtischen Armenpflege.

© Johann Valentin Reinhardt (1712-1769), Kölner Stadtplan, Nürnberg 1752 · Public domain

Stiftungen und Vermögen

Die große Zahl der Unterstützten lässt auf vergleichsweise viele Mittel schließen. Gespendetes Geld floss oft in Häuser, Land sowie Haus- und Getreiderenten, um die Versorgung zu sichern. Auch die freiherrlichen Domkanoniker bedachten das Haus in ihren Testamenten. Wie stark es in Nachlässen berücksichtigt wurde, zeigen die Jahre 1310 bis 1350: Von 38 Testamenten mit genaueren Verfügungen sahen 26 Legate für Hospitäler und 24 für Arme vor – zwölf der letzteren gingen allein an das Heiliggeisthaus. Zwischen 1563 und 1588 war es der größte geistliche Rentengläubiger Kölns. Über eine Stiftung von Elisabeth von Krebs gelangte der Schiffhof zu Höningen 1614 in seinen Besitz.

Das Gebäude

Von Osten gesehen führte ein Spitzbogentor, flankiert von zwei hohen Spitzbogenfenstern, ins Innere; darüber lag ein Geschoss mit drei kleinen Rundbogenfenstern. Ein Kreuz über der Kapelle krönte das kleine Giebeldach. Nach einem Brand im Jahr 1463 wurden Kapelle und Hospital noch vor 1478 neu errichtet. Rechts schloss die Hacht an, links ein Gasthaus, dahinter stand das Haus des Heilig-Geist-Hausmeisters. Arnold Mercators Stadtansicht von 1570 zeigt das Hospital auf der Südseite des Doms im westlichen Teil des Domhofs; auf Johann Valentin Reinhardts Stadtplan von 1752 ist es dort mit einem Halbmond markiert.

Ende in der Franzosenzeit

Im Zuge der Säkularisation ging die Verwaltung per Beschluss des Präfekten vom 17. Januar 1802 an das Wohltätigkeitsbüro des Armenhauses über; am 23. September 1802 wurde der Status des Hauses aufgehoben. Um 1840 wurde es verkauft. An seiner Stelle entstand das Dom-Hotel, das am 28. November 1857 eröffnete.

Zeitstrahl

  1. um 1056
    Erste Erwähnung; möglicherweise Bau durch Erzbischof Anno II. mit Xenodochium
  2. um 1170
    Erste urkundliche Erwähnung in einer Schreinskarte
  3. 1254
    Erwähnt als Zufluchtsort für viele Arme und Kranke der Stadt
  4. zwischen 1267 und 1281
    Ältestes bekanntes Siegel eines sozialen Instituts überliefert
  5. 1305
    Wird zentrale Almosenverteilungsstelle für Hausarme
  6. 1308
    Schenkung zweier Holzhäuser durch die Söhne des Hermann Albus
  7. 1310–1350
    38 Testamente mit Legaten, zwölf ausschließlich für das Heiliggeisthaus
  8. 1455
    Urkunde nennt drei Provisoren des Hospitals
  9. 1463
    Kapelle und Hospital brennen nieder, Wiederaufbau vor 1478
  10. 1563–1588
    Größter geistlicher Rentengläubiger der Stadt Köln
  11. 1614
    Erwerb des Schiffhofs zu Höningen durch Stiftung Elisabeth von Krebs
  12. 1802
    Verwaltung übertragen (17. Januar), Status aufgehoben (23. September)
  13. um 1840
    Veräußerung des Gebäudes
  14. 1857
    Eröffnung des an seiner Stelle errichteten Dom-Hotels

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-09-24

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