Ehemalige Strohhutfabrik Silberberg & Mayer
Denkmalgeschütztes Fabrikgebäude in Köln-Sülz von 1912/13, dessen Flügel sich um einen weiß gefliesten Oberlichtsaal gruppieren.
Von der Strohhutfabrikation über Zwangsarbeit und Schulbetrieb bis zur heutigen kulturellen Nutzung spiegelt das Backsteingebäude ein bewegtes Stück Kölner Geschichte.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Denkmalgeschütztes Fabrikgebäude (Baudenkmal in Nordrhein-Westfalen)
- Lage
- Lotharstraße 14–18, Stadtteil Sülz, Stadtbezirk Lindenthal
- Bauzeit
- 1912 bis 1913
- Architekten
- Peter Gärtner und Jacob Berns
- Bauweise
- Viergeschossige Vierflügelanlage in Eisenbeton-Skelettbauweise mit Backsteinverkleidung
- Besonderheit
- Weiß gefliester Oberlichtsaal im Erdgeschoss als Zentrum der Anlage
Von 1943 bis Kriegsende betrieb das NS-Regime im Dachstuhl der Fabrik ein Zwangsarbeitslager mit rund 120 ukrainischen Zwangsarbeitern, die dort für den Metalleinsatz in Kölner Industriebetrieben angelernt wurden.
Architektur
Um den zentralen Lichtsaal reihen sich die vier Flügel der Anlage. Die Backsteinfassaden sind mit Kunststeinelementen gegliedert und greifen stilistisch den niederrheinisch-holländischen Barock auf. Das Eisenbeton-Skelett ließ eine funktional-flexible Nutzung der Räume zu.
Geschichte
Das Gebäude gehörte einer jüdischen Fabrikantenfamilie und wurde 1938 von der Stadt Köln übernommen. 1940 tauschte die Stadt es gegen Gelände in der Innenstadt mit dem Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds, der es dem Preußischen Staat für die staatliche Hildegardis-Mädchenoberschule überließ. Ab Oktober 1943 bestand im Dachstuhl ein Zwangsarbeitslager mit rund 120 Zwangsarbeitern aus der Ukraine. Die Arbeitsgemeinschaft Eisen und Metall organisierte dort für metallverarbeitende Betriebe im Kölner Raum die Umschulung dieser Arbeiter, die binnen weniger Wochen angelernt wurden.
Nutzung als Schulhaus
Im Krieg wurde das Gebäude stark beschädigt. Ab November 1945 nahm es zusätzlich das wiedererrichtete staatliche Apostelgymnasium auf, das sich mit der Hildegardisschule den Unterricht im Schichtwechsel teilte; anfangs lief im Dachgeschoss und einem Nebengebäude noch ein Fabrikbetrieb weiter. Ab Oktober 1946 übernahm das Staatshochbauamt den Wiederaufbau, erneuerte die Zentralheizung und errichtete das Glasdach über dem Lichthof neu, der beiden Schulen fortan als Turnhalle und Aula diente. Die Hildegardisschule nutzte die linke, das Apostelgymnasium die rechte Hälfte. Auch danach blieb das Haus ein Provisorium: Der Schulhof bot nur der Unter- und Mittelstufe Platz, während die Oberstufe ihre Pausen bei geöffneten Fenstern auf den Fluren verbrachte. Im Herbst 1961 zogen beide Schulen in neue Gebäude um.
Heute
Danach übernahmen Teile der späteren Fachhochschule Köln das Haus. Heute nutzen unter anderem die Rheinische Musikschule Köln, die Regionalschule Köln-Sülz sowie Künstler das Gebäude und die Ateliers Lichthof. Von Februar 2016 bis Juli 2025 unterrichtete das Schiller-Gymnasium Köln hier seine Oberstufe. Im Mai 2018 wurde vor dem Haupteingang ein Stolperstein für Auguste Fuchs verlegt.
Zeitstrahl
- 1912–1913Errichtung der Vierflügelanlage nach Plänen von Gärtner und Berns.
- 1938Übernahme des Gebäudes durch die Stadt Köln von der jüdischen Fabrikantenfamilie.
- 1940Eintausch gegen Innenstadtgelände; Übergabe an den Preußischen Staat für die Hildegardis-Mädchenoberschule.
- 1943Ab Oktober Einrichtung eines Zwangsarbeitslagers im Dachstuhl.
- 1945Ab November zusätzliche Aufnahme des wiedererrichteten Apostelgymnasiums.
- 1946Ab Oktober Beginn des Wiederaufbaus durch das Staatshochbauamt.
- 1961Im Herbst beziehen beide Schulen neue Gebäude.
- 2016–2025Von Februar 2016 bis Juli 2025 Nutzung durch das Schiller-Gymnasium Köln.
- 2018Im Mai Verlegung eines Stolpersteins für Auguste Fuchs vor dem Haupteingang.
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