Kloster Weiher
Um 1198 im Kölner Vorland gegründetes Augustinerinnen-Frauenkloster, 1474 im Neusser Krieg geräumt und abgebrochen.
Seinen Namen erhielt der Konvent nach seiner Lage an einem Bachlauf oder Weiher in der westlichen Feldflur Kölns, wo das Gelände als „piscinam“ (am Weiher) bezeichnet wurde.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Frauenkloster der Augustinerinnen, der heiligen Maria geweiht
- Lage
- früheres Vorland im Westen der Stadt, heutiger Stadtteil Lindenthal
- Grundfläche
- zwei Landstücke von zusammen 28 Morgen
- Zugehörigkeit
- unterstand der Abtei St. Pantaleon
- Überliefert
- 1466 als „clouster zo wijer“ genannt
Das Kloster wurde von Richmodis, der Adoptivtochter und Erbin des vermutlich reichsten Kölner Bürgers Gerhard Unmaze, gegründet – doch nur sieben Jahre nach der Gründung 1198 verwüsteten abziehende Belagerungstruppen im Thronstreit zwischen Philipp und Otto das Kloster vollständig.
Gründung
Den Ausgangspunkt bildete eine Urkunde des Kölner Erzbischofs Adolf I. aus dem Jahr 1198. Darin verkaufte „Blithildis“ als Magistra der Benediktinerinnen von St. Mauritius mit Zustimmung des Abtes von St. Pantaleon einen Teil ihrer Güter. Käuferin war die Witwe Rigmudis, eine Kölner Bürgerin, die an dem Ort „Zum Weiher“ einen Teil des Weihers erwarb und darauf ein Kloster zu Ehren der Jungfrau Maria errichten ließ. Sie war Adoptivtochter und Erbin des 1197 verstorbenen Gerhard Unmaze. Die zuvor zum Fronhof Sülz gehörenden Landstücke stiftete sie als Bauland; zudem vermachte sie dem Kloster ihr weiteres Vermögen samt einem Wohnhaus gegenüber dem erzbischöflichen Palast am Hof, aus dem später der Brabanter Hof hervorging.
Lage im Vorland
Das Kloster stand im Westen der befestigten Stadt, oberhalb der Römermauer im Vorland. Nach Beschreibung von Historikern lag es in einer Senke auf Höhe des heutigen nördlichen Weyertal, wo ein aus dem Gebiet Gleuel kommender Bach versandete. Der Standort befand sich im Vorfeld der späteren Tore Hahnentor und Schaafentor, im vorderen Bereich der dort beginnenden Straßen: zwischen der großen Ausfallstraße nach Antwerpen („Antorf“) und dem schmalen Weg nach Lind und Bachem. Er lag jenseits des die Stadt umlaufenden Bischofsweges, der den Machtbereich des geistlichen Stadtherren markierte, im sogenannten „Schweid“. Weil das Gelände im Einflussbereich der Abtei St. Pantaleon lag, die im südwestlichen Vorland großen Grundbesitz besaß, unterstand ihr auch der neue Konvent.
Der Standort im späteren Stadtbild
Die kartografische Aufnahme von Tranchot zeigt für den Beginn des 19. Jahrhunderts nur wenige Veränderungen im Vorland. Erkennbar ist der zum Friedhof Melaten gewordene Bereich an der Aachener Straße, entstanden auf dem Gelände eines mittelalterlichen Siechenhauses, sowie der 1574 angelegte Geusenfriedhof (als Cimetière bezeichnet). Im Süden verlief der Hürther- oder Duffesbach in Richtung der alten Bachpforte, im Nordwesten der Gleueler Bach, der nach dem Antoniusweiher weiter nordöstlich floss und im sogenannten „Weiherkülchen“ versickerte.
Zerstörung und Wiederaufbau
Die Lage im offenen Vorland erwies sich als gefährdet. Während der Auseinandersetzungen der Gegenkönige Philipp und Otto im Jahr 1205 flohen die Schwestern in ihr Haus in der Innenstadt; abziehende Truppen verwüsteten das Umland und zerstörten den erst wenige Jahre alten Konvent. Bis 1208 wurde er wieder aufgebaut und erhielt im selben Jahr einen Schutzbrief König Philipps: Wer sich an Eigentum oder Leben der Klosterinsassen vergriff, dem drohte darin Gottes Zorn und die Ungnade des Königs.
Wissenswertes
Dass die Zeiten weiterhin als unsicher galten, zeigt eine Urkunde von 1235: In diesem Jahr überließen die Klosterfrauen ihr innerstädtisches Haus Weiher einem Herzog Heinrich.
Zeitstrahl
- 1198Gründung des Klosters Weiher durch Richmodis auf Land des Fronhofs Sülz
- 1205Zerstörung des Klosters während des Kampfes zwischen Philipp und Otto
- 1208Wiederaufbau abgeschlossen und Schutzbrief König Philipps erteilt
- 1235Urkunde zur Überlassung des Hauses Weiher in der Innenstadt an Herzog Heinrich
- 1466Kloster wird als „clouster zo wijer“ erwähnt
- 1474Räumung und Abbruch des Klosters während des Neusser Krieges
- 1574Entstehung des nahegelegenen Geusenfriedhofs
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