Palais du Rhin
Rheinuferpalais im französischen Barockklassizismus, 1908 für den Bankier Emil von Oppenheim erbaut – heute Luxuswohnungen mit Sotheby's-Standort.
Über gut hundert Jahre hinweg wechselten die Bewohner und Zwecke des Hauses mehrfach: vom Bankierswohnsitz über eine Musikausbildungsstätte und einen Automobilklub bis zur heutigen Wohnnutzung.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Villa im französischen Barockklassizismus (Neorokoko)
- Lage
- Köln-Bayenthal, Stadtbezirk Rodenkirchen, Gustav-Heinemann-Ufer 144
- Baujahr
- 1906 bis 1908
- Architekten
- Charles Mewès und Alfons Bischoff
- Maße
- rheinseitige Front 18 m, Gebäudetiefe 13 m
- Baukosten
- 2 Millionen Mark (nach heutiger Kaufkraft rund 12 Millionen Euro)
- Heute
- elf Luxuswohnungen, Standort von Sotheby's
- Denkmalschutz
- seit dem 27. Juli 1998 (Baudenkmal in Nordrhein-Westfalen)
Im Palais residierte 1945 kurzzeitig der von den Briten eingesetzte Kölner Oberbürgermeister Hermann Pünder als Nachfolger Konrad Adenauers, bevor hier 1960 unter Wolfgang Graf Berghe von Trips das Motorsportteam Scuderia Colonia gegründet wurde.
Entstehung
Den Auftrag erteilte 1906 der Kölner Bankier Emil von Oppenheim; die Planung übernahm das Büro Mewès & Bischoff mit Sitz in der Kölner Moltkestraße 48. Als Vorbilder dienten das Lustschloss Bagatelle im Bois de Boulogne, das Schloss von Besançon und das Hôtel de Salm in Paris. Die Architekten orientierten sich am Louis-seize und errichteten ein französisches Stadtpalais mit Festsaal. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Maria, geborene Freiin Pergier von Perglas, bezog Oppenheim das Haus 1910. Städtebaulich zählt der Bau zur Villenkolonie Köln-Marienburg.
Architektur
Die gerundete, dem Rhein zugewandte Fassade aus Savonnières-Kalkstein gliedert sich in neun Fensterachsen; die mittleren drei treten halbkreisförmig als Mittelrisalit hervor und tragen Balkone. Eine kolossale Halbsäulenordnung mit Eckpilastern fasst die Front, eine Freitreppe öffnet den Blick zum Fluss. Diese neunachsige Front mit halbrundem Mittelrisalit und Freitreppe galt für Köln als einzigartig. Zum Bau gehören ein hohes Souterrain mit vergitterten Fenstern und ein Mansardgeschoss. Neben der Boisserée-Villa gilt das Palais als eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse der großbürgerlichen Bebauung an diesem Uferabschnitt.
Wechselnde Nutzung
1944 wurde die Villa konfisziert und für die NSDAP als „Kreishaus am Rhein“ bombensicher ausgebaut. Nach Kriegsende zog 1945 der Kölner Oberbürgermeister Hermann Pünder ein, ab 1946 nutzten die Rheinische Musikschule und die Musikhochschule Köln je einen Flügel. Die kriegszerstörte Kuppel wurde 1955 wiederhergestellt. Ab 1956 diente das Haus dem ADAC als Klub- und Veranstaltungshaus; 1960 gründete sich hier das Motorsportteam Scuderia Colonia unter Wolfgang Graf Berghe von Trips. Im September 1972 zog der ADAC in den Neubau Alteburger Straße 248. Ab 1982 saß das Rheinische Studieninstitut für kommunale Verwaltung im Palais. Nach dessen Umzug nach Rodenkirchen 2009 ließ sich die Villa für einzelne Veranstaltungen mieten – dazu gehörte ein Casting für „Deutschland sucht den Superstar“.
Sanierung und heutige Nutzung
Ein Investor erwarb das Objekt im Dezember 2008, um darin nach umfassender Sanierung Luxuswohnungen einzurichten. Der Baubeginn erfolgte im September 2012. Angegeben sind eine Gebäudefläche von 15.800 m² (Bruttogeschossfläche 19.300 m²) und eine Raumhöhe von 2,92 Meter; die Bel Etage bildet eine eigene Wohnetage von etwa 600 m² Nutzfläche. Das zweigeschossige Mansarddach wurde entsprechend der originalen Kubatur nachgebaut, die Gesimse und Balustraden aus Sandstein wurden denkmalgerecht restauriert. Seit der Fertigstellung im März 2014 trägt das Gebäude den Namen „Palais du Rhin“ und enthält elf Wohnungen; der 12.300 m² große Park bleibt den Bewohnern vorbehalten. Im Juni 2021 wählte das Auktionshaus Sotheby's die Bel Etage als sechsten europäischen Standort neben London, Paris, Genf, Zürich und Mailand; die Eröffnungsauktion fand im September 2021 statt.
Zeitstrahl
- 1906Emil von Oppenheim beauftragt Mewès & Bischoff mit dem Villenbau
- 1908Fertigstellung der Villa (Palais Oppenheim)
- 1910Einzug von Oppenheim und seiner Gattin
- 1944Konfiszierung durch NSDAP, Umbau zum 'Kreishaus am Rhein'
- 1945Einzug von Oberbürgermeister Hermann Pünder
- 1946Festakt, Beginn des Unterrichtsbetriebs für Musikschule und Musikhochschule
- 1955Wiederherstellung der kriegszerstörten Kuppel
- 2014Fertigstellung der Sanierung, Umbenennung in 'Palais du Rhin'
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