Bahnhof Belvedere
Gilt als ältestes in Originalgestalt erhaltenes Bahnhofsgebäude Deutschlands. 1839 Endpunkt des ersten Teilstücks der Strecke Köln–Aachen–Antwerpen.
Das Gebäude entstand auf einer Anhöhe im Wald, etwas abseits der Gleise. Von Beginn an war es nicht nur Station, sondern auch Gaststätte für Ausflügler aus Köln.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- ehemaliges Empfangsgebäude des Bahnhofs Müngersdorf, auch „Haus Belvedere“ genannt
- Lage
- Belvederestraße, Stadtteil Müngersdorf, Stadtbezirk Lindenthal, Köln
- Fertigstellung
- 1839, im Auftrag der Rheinischen Eisenbahngesellschaft
- Baustil
- klassizistischer Landhausstil, zweigeschossig
- Denkmalschutz
- Baudenkmal, Denkmalnummer 268
- Netzwerk
- Teil der Via Industrialis in Köln
Der Bahnhof Belvedere in Köln-Müngersdorf ist das älteste in Originalgestalt erhaltene Bahnhofsgebäude Deutschlands – dabei war die Station am Ende der 1839 eröffneten Strecke schon im 19. Jahrhundert stillgelegt worden, weil das Publikum den „sonderbaren Vergnügungsort mitten im Felde" bald nicht mehr besuchte.
Ein Bahnhof der ersten Stunde
Die Station bildete den Endpunkt einer sieben Kilometer langen Strecke, die am Kölner Bahnhof Am Thürmchen begann. Sie war das erste Teilstück der geplanten Verbindung Köln–Aachen–Antwerpen, der weltweit ersten internationalen Eisenbahnstrecke. Zur Einweihung am 2. August 1839 brachte ein Sonderzug geladene Gäste in zehn Minuten nach Müngersdorf. Ab dem 16. August fuhren montags, mittwochs, freitags und sonntags je sechs Zugpaare, sonntags kam abends eine weitere Rückfahrt hinzu. Ein Text aus der Bauzeit berichtet, die Müngersdorfer freuten sich darauf, die Kölner mit dem Dampfwagen eintreffen zu sehen.
Ausflugsziel mit Aussicht
Das Haus wurde mit Blick auf Köln ausgerichtet. Von dort sah man sowohl die Bahnlinie als auch die Silhouette der Stadt, und dieser Blick besteht bis heute. Rund um den Bahnhof wurde eine Gartenanlage angelegt, im Stationsgebäude betrieb man zugleich eine Wirtschaft. Im ersten Betriebsjahr blieben die Umsätze jedoch hinter den Erwartungen zurück. Das Publikum kam zunächst zahlreich, doch das Interesse ließ bald nach, und die Fahrten deckten ihre Kosten nicht mehr. Nach der Verlängerung der Strecke bis Aachen 1841 verlor der Bahnhof weiter an Bedeutung. Er wurde noch im 19. Jahrhundert stillgelegt.
Architektur und Garten
Wer die Pläne entwarf, ist nicht gesichert. Vermutlich war es Johann Peter Weyer, nach Ansicht von Walter Buschmann dagegen Matthias Biercher, ein Schüler der Berliner Bauakademie. Das Haus zählt zu den wenigen Bauten der Schinkelschule im Rheinland. Der verputzte Bau hat hohe Fenster, an der Straßenseite trägt ein Balkon in der Fassadenmitte auf Konsolen in Volutenform. Zur Gartenseite schließen ein Wintergarten und ein Terrassengarten an. Das Grundstück steht seit 1991 als geschützter Landschaftsbestandteil unter Schutz, dort wachsen sieben etwa 150 Jahre alte Platanen. Zwei davon bedrohen laut Förderkreis die Bausubstanz durch Unterwurzelung. Ob sie gefällt werden müssen, darüber streiten Denkmal- und Naturschützer seit den 2010er Jahren.
Wohnhaus und Leerstand
1892 ging das Gebäude an die Stadt Köln, die es als Wohnhaus nutzte. Von 1935 bis zu ihrer Verhaftung 1943 lebte hier Klara Stoffels, die 1944 von der nationalsozialistischen Justiz ermordet wurde. Ab den 1950er Jahren wohnten und arbeiteten zwei Künstler im Haus. Seit 1980 steht es unter Denkmalschutz und gehört zum Landschaftspark Belvedere, der nach ihm benannt ist. Ab 2010 stand das Haus leer und war stark sanierungsbedürftig.
Förderkreis und Sanierung
Im Dezember 2010 gründete sich der Förderkreis Bahnhof Belvedere e. V. Er beschaffte die Mittel für die Sanierung, übernahm die Bauträgerschaft und strebt eine kulturelle Nutzung des Gebäudes an. Nach einem Ratsbeschluss von 2015 übertrug die Stadt Köln ihm das Haus in Erbbaurecht. Sie beteiligt sich an den Kosten für Sanierung und Ausbau. Für seinen Einsatz um den Erhalt erhielt der Förderkreis 2018 den Deutschen Preis für Denkmalschutz, die Silberne Halbkugel. Ende 2025 folgte der Friedrich-Jacobs-Preis der Kölner FDP-Ratsfraktion/Kölner Stadtgesellschaft.
Zeitstrahl
- 1839Bau fertiggestellt; Einweihung der Strecke Köln–Müngersdorf am 2. August
- 1841Streckenverlängerung nach Aachen; Bedeutung des Bahnhofs sinkt
- 1892Gebäude gelangt in den Besitz der Stadt Köln (Wohnhaus)
- 1980Unter Denkmalschutz gestellt (Denkmalnummer 268)
- 2010Leerstand; Gründung des Förderkreises Bahnhof Belvedere e. V. im Dezember
- 2015Ratsbeschluss: Erbbaurecht an den Förderkreis übertragen
- 2018Deutscher Preis für Denkmalschutz (Silberne Halbkugel) am 29. Oktober
- 2025Friedrich-Jacobs-Preis an den Förderverein verliehen (Ende 2025)
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