Mechtern
Mittelalterliche Kölner Siedlung, benannt nach der Kirche „ad martyres" – Schauplatz der reformatorischen „Mechterner Predigten".
Der Name dieser untergegangenen Siedlung leitet sich von einer Legende über den Märtyrertod christlicher Soldaten her, an deren vermeintlichem Ort später Kirche und Kloster entstanden.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Mittelalterliche Siedlung mit Pfarrkirche und Kloster
- Lage
- Köln-Ehrenfeld, innerhalb der Bannmeile
- Klostergründung
- 1180 als Klosterhof für Regularkanoniker
- Umwandlung
- 1277 zum Zisterzienserinnenkloster
- Ende
- 1474 während der Kölner Stiftsfehde zerstört
- Bekannt für
- die „Mechterner Predigten" von 1582
Der Name „Mechtern“ entstand vermutlich durch die verballhornte Aussprache des lateinischen Kirchennamens „ad martyres“ (zu den Märtyrern) der dortigen Pfarrkirche St. Bartholomäus.
Legende und Namensursprung
Der Überlieferung nach erlitten an diesem Ort im Jahr 288 n. Chr. die Heiligen Gereon von Köln und Gregorius Maurus – Offiziere der Thebäischen Legion – gemeinsam mit 318 Kriegern und 50 Mohren den Märtyrertod. Nachdem sich die Legion zum Christentum bekannt hatte, soll sie unter Kaiser Maximian (286–305) verfolgt und getötet worden sein. Am vermeintlichen Ort des Geschehens erhob sich die Pfarrkirche St. Bartholomäus mit dem Zusatz „zu den Martyrern" (lateinisch „ad martyres"); aus einer verfehlten Aussprache dieses Namens formte sich „Mechtern" oder „Meichtern". Unter der Kirche soll ein unterirdisches Gewölbe gelegen haben, das zur Römerzeit als geheime Versammlungsstätte der Christen gedient haben soll.
Kloster Mechtern
Erzbischof Philipp I. von Heinsberg veranlasste 1180 anstelle der Kirche die Errichtung eines Klosterhofs für Regularkanoniker. Eine Urkunde von 1256 belegt, dass er eine Filiale der Gereonspfarre war. Nach der Koelhoffschen Chronik schlug der Graf von Jülich 1268 bei Mechtern beim Jungfrauenkloster sein Lager auf, nachdem er in Köln einem Anschlag entkommen war. Die Augustiner-Chorherren blieben bis 1276; 1277 hob Erzbischof Siegfried von Westerburg das Männerkloster wegen „Zuchtlosigkeit und Verschwendung" auf und formte daraus ein Zisterzienserinnenkloster. Der Patrizier Bruno Hardevust hatte dem Kloster um 1258 eine seiner vier Rheinmühlen geschenkt und ließ die verfallene Anlage auf eigene Kosten instand setzen; am 9. April 1277 bezogen 13 Zisterzienserinnen samt einer Äbtissin aus dem Kloster Benden das Gebäude. Nach seinem Tod 1278 wurde Hardevust im Kloster begraben. In das Frauenkloster traten vielfach Töchter wohlhabender Kölner Bürger ein, unter ihnen Fia von Falkenstein. Seit 1392 gehörte das Kloster dem Andreasstift.
Richtstätte und Umfeld
Beim Junkernkirchhof bei Mechtern wurde 1356 erstmals eine Richtstätte erwähnt; dort wurden am 31. Januar 1513 Adam von Nurrenberg, Tilmann Obenkirchen und Eberhard Hundt enthauptet. Für 1387 ist Prostitution in Klosternähe überliefert. Dietrich Hurtey der Jüngere schädigte 1395 das Kloster und wurde deswegen festgenommen.
Zerstörung und Nachnutzung
Im Juli 1474 entschied der Stadtrat, die außerhalb der Stadttore liegenden Frauenklöster Weiher und Mechtern niederzulegen, damit dem Gegner während der Kölner Stiftsfehde kein militärischer Vorteil erwuchs; beide galten als schwache Punkte der Stadtbefestigung. 1477 legte man bei St. Apern den Grundstein für ein neues Nonnenkloster, und auf dem früheren Klostergelände richteten die Nonnen einen großen Meierhof ein, der dem Nonnenkloster St. Apern gehörte. Eine Urkunde von 1483 nennt den Ort „Meichteren", und Hermann von Weinsberg erwähnte Mechtern 1553 noch als bewohnten Ort. Die Kölner Stadtansicht des Arnold Mercator von 1570 zeigt bereits eine vom Friesentor nach Nordwesten führende Straße – die heutige Venloer Straße –, umgeben von Weideland und Acker. 1583 beantragte der ehemalige Pfarrer von Mechtern beim Kölner Rat Schadensersatz für die Zerstörung von Kloster und Kirche.
Mechterner Predigten
Protestantische Predigten außerhalb der Stadtmauern hatten im katholischen Köln bereits zuvor Spannungen ausgelöst: 1567 wurde der Bandwirker Dietrich von Mülheim verhört, weil er einer calvinistischen Predigt in Rodenkirchen beigewohnt hatte. Der niederländische Statthalter Adolf von Neuenahr veranstaltete am 8. Juli 1582 im schon verlassenen Kloster Mechtern mehrere Predigten, die als „Mechterner Predigten" überliefert sind. Der Kölner Stadtrat ließ die Stadttore verriegeln und verfügte, dass niemand die Stadt ohne Angabe von Gründen verlassen dürfe und jeder Bürger seine Nichtteilnahme am Gottesdienst nachzuweisen habe.
Zeitstrahl
- 288 n. Chr.Legendärer Märtyrertod der Heiligen Gereon und Gregorius Maurus mit ihren Kriegern
- 1180Erzbischof Philipp I. von Heinsberg lässt Klosterhof für Regularkanoniker errichten
- 1256Urkunde belegt Mechtern als Filiale der Gereonspfarre
- 10. Januar 1268Graf von Jülich flieht vor Anschlag und schlägt Lager bei Mechtern auf
- 1277Auflösung des Männerklosters, Umwandlung in Zisterzienserinnenkloster; Einzug der Nonnen am 9. April
- 31. Januar 1513Hinrichtung von Adam von Nurrenberg, Tilmann Obenkirchen und Eberhard Hundt an der Richtstätte
- 1474Zerstörung des Klosters Mechtern durch die Stadt während der Kölner Stiftsfehde
- 8. Juli 1582„Mechterner Predigten“ des Adolf von Neuenahr im verlassenen Kloster
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