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© Niklasi58 · CC BY-SA 3.0

Stunksitzung

Alternative Kabarett-Sitzung im Kölner Karneval, die sich bewusst von den organisierten Prunksitzungen abgrenzt und mit politischem Spott provoziert.

Der Name spielt mit dem Wort „Stunk", das von Gestank abgeleitet ist und für Provokation sowie bewusst angezettelten Streit steht – als Gegenentwurf zum organisierten Sitzungskarneval.

Auf einen Blick

Art
Alternative kabarettistische Karnevalssitzung
Gegründet
1983, erste Aufführung am 26. Februar 1984 in der Alten Mensa der Universität Köln
Spielort
E-Werk in Köln-Mülheim (seit der Session 1991)
Träger
Tuschfactory GmbH
Umfang
In der Session 2010/2011 kamen bei 50 Sitzungen rund 55.000 Besucher zusammen
Wusstest du?

1993 wurde bei einer Stunksitzung ein Kruzifix mit der Aufschrift „Tünnes“ als Requisite beschlagnahmt – vor Gericht erwies sich die Beschlagnahme jedoch als nicht haltbar, da die Aktion durch die Kunstfreiheit gedeckt war.

Trägerschaft

Geführt wird die Tuschfactory GmbH von den Schauspielerinnen Biggi Wanninger und Martina Klinke sowie der Musikerin Tanja Svejnoha.

© Niklasi58 · CC BY-SA 3.0

Programm

Die politischen Nummern greifen weltpolitische Fragen ebenso auf wie die deutsche Politszene und Kölner Lokalthemen. Ergänzt wird das durch artistische Einlagen sowie parodistische Bearbeitungen bekannter Filme, klassischer Musik und Lieder, oft in kölscher Mundart. Aufs Korn genommen werden unter anderem Politiker, die Bundeswehr, die katholische Kirche – früher besonders Kardinal Meisner –, die Rivalität mit Düsseldorf, der 1. FC Köln, die Bergheimer als Ziel des Provinzspotts sowie überlieferte Karnevalsgesellschaften wie das Kölner Dreigestirn und die Roten Funken.

© Karl-Heinz Meurer, Charlie1965nrw · CC BY-SA 3.0

Geschichte und Mitwirkende

Entstanden ist das Format aus einem Studenten-Kollektiv der Fachhochschule Köln, hervorgegangen aus dem Kölner Spielecircus. Mitbegründer ist der Kabarettist Jürgen Becker, der bis zu seinem Ausscheiden 1995 als „Irokesen-Heinz" das Amt des Sitzungspräsidenten innehatte. Danach übernahm Reiner Rübhausen die Leitung, seit 1999 ist Biggi Wanninger Präsidentin. Etliche Darsteller wirken seit dem Start 1984 mit, etwa Martina Bajohr, Doris Dietzold, Martina Klinke, Doro Egelhaaf, Didi Jünemann, Günter Ottemeier und Bruno Schmitz; Christian Rzepka kam 1988 dazu, weitere wie Anne Rixmann, Tom Simon und Ozan Akhan Ende der 1990er Jahre. Als Hausband tritt seit 1988 Köbes Underground auf, deren Mitglieder zuvor unter Namen wie The Dead Lambsdorffs, Schwester Christa und die Brinkmänner oder Elmar goes to Lüdenscheid mitwirkten.

© Niklasi58 · CC BY-SA 3.0

Rechtliche Auseinandersetzungen

Einzelne Nummern zogen wiederholt Anzeigen nach sich. 2006 traten Papst Benedikt XVI. und Kardinal Meisner als „Ratze und Meise im Bett" auf; das eingeleitete Ermittlungsverfahren wegen Beschimpfung von Bekenntnissen endete im März 2006 mit einer Einstellung. Bereits 1993 wurde ein Kruzifix mit dem Schriftzug „Tünnes" gezeigt und beschlagnahmt. Beide Vorgänge wertete das Gericht als durch die Kunstfreiheit gedeckt.

© Karl-Heinz Meurer ( Charlie1965nrw ) · CC BY-SA 3.0

Fernsehen und Wirkung

Seit 1998 überträgt der WDR die Sitzung, unter anderem in den Formaten „Stunksitzung", „Die lange Stunksitzung", „Die etwas andere Stunksitzung" (2021) und „Die ausgefallenste Stunksitzung" (2022). Auf die Sitzung von 1995 geht der Sketch „Aschermittwoch for one" zurück, eine kölsche Fassung von „Dinner for One". Mehrfach griff der Sender zur Selbstzensur: 1992 wurde Jürgen Beckers Bezeichnung Meisners als „Arschloch" elektronisch übertönt, 2006 der Sketch „Ratze und Meise" herausgeschnitten und 2011 der Auftritt von Bruno Schmitz als Bischof Walter Mixa nicht gesendet. 2010 widmete das Kölnische Stadtmuseum der Sitzung zum 25-jährigen Bestehen die Sonderausstellung „Karneval instandbesetzt?". Das Konzept beeinflusste weitere alternative Sitzungsformate in NRW, etwa die Aachener Strunxsitzung.

© Karl-Heinz Meurer ( Charlie1965nrw ) · CC BY-SA 3.0

Zeitstrahl

  1. 1983
    Gründung durch Kölner Studenten-Kollektiv der FH Köln
  2. 1984
    Erste Stunksitzung am 26. Februar in der Alten Mensa der Uni Köln
  3. 1988
    Köbes Underground wird Hausband
  4. 1991
    Umzug der Sitzungen ins E-Werk Köln-Mülheim
  5. 1992
    Jürgen Becker nennt Kardinal Meisner 'Arschloch', bei Ausstrahlung übertönt
  6. 1993
    Anzeige wegen Kruzifix mit Aufschrift 'Tünnes', Requisite beschlagnahmt
  7. 1995
    Jürgen Becker scheidet als Sitzungspräsident aus, Vorlage für 'Dinner for One'-Sketch
  8. 1998
    Beginn der regelmäßigen TV-Übertragung durch den WDR

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-09-23

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