Zum Inhalt springen
stuff to do in.cologne
DE
DeutschEnglish

Hardtmühle

Die Hardtmühle in Köln-Dellbrück diente nacheinander als Pleiß-, Öl- und Gipsmühle und erzeugt heute Strom, wenn die Strunde genügend Wasser führt.

Die Hardtmühle gehörte zum Hardthof, dessen älteste bekannte Bezeichnung „Mühlenhof“ lautet. Dieser Name und die Bezeichnung „Mühlenstatt“ für das Grundstück deuten darauf hin, dass dort schon vor 1340 eine Mühle stand.

Auf einen Blick

Art
Wassermühle an der Strunde
Lage
Köln-Dellbrück, Stadtbezirk Mülheim
Frühere Eigentümerin
Johanniterkommende Herrenstrunden
Zerstörung
Brand im Oktober 1811
Antrieb nach dem Neubau
unterschlächtiges Wasserrad
Heute
zur Stromerzeugung umgebaut
Wusstest du?

Die Hardtmühle an der Strunde war im Lauf der Jahrhunderte nacheinander Pleißmühle zum Polieren von Harnischen, Öl- und Pulvermühle, Kohlenmühle und schließlich Gipsmühle, in der unter anderem Gips für Heiligenfiguren des Klosters Maria Laach hergestellt wurde; heute erzeugt sie bei genügend Wasser in der Strunde Strom.

Unter den Johannitern

Der Hof zählte zu den Besitzungen der Kommende Herrenstrunden. Gobelin von Gierath und seine Frau Udela hatten vom Orden die Mühlenstatt und dreiviertel Morgen Ackerland in erbliche Pacht erhalten. Am 24. Juni 1340 verpflichteten sie sich, dort eine Mühle für Korn aller Art zu errichten. Eine Urkunde von 1532 nennt eine Pleißmühle, in der Harnische poliert wurden. Ab 1597 betrieb der Pächter Johann Reinhard von Malmentier hier eine Öl- und Pulvermühle; da die Pulvermühle seit 1668 nicht mehr erwähnt wird, ist von einer reinen Ölmühle auszugehen.

Brand und Neubau

Nach der Aufhebung der Kommende im Zuge der Säkularisation 1806 ging die Mühle in staatlichen Besitz über. Ein Feuer legte sie 1811 in Schutt und Asche. Die Domänendirektion verkaufte den Bauplatz meistbietend mit der Auflage, eine neue Mühle zu bauen. Ab 1814 gehörte er Heinrich Moll aus Mülheim, der erneut eine Ölmühle errichtete, ausgestattet mit zwei Ölpressen.

Wechselnde Besitzer

Moll schenkte die Mühle 1854 seinen sechs Kindern, die sie nach dem Tod der Eltern 1863 versteigern ließen. Der Miterbe Eduard Moll erwarb sie und veräußerte sie 1873 samt Zubehör, Wohngebäuden und Grundstücken an den Feilenfabrikanten Eduard Karl Kind aus Strunden. Kind ließ dort zunächst Schwarzmehl aus Kohle herstellen, was sich nicht lohnte.

Gips und Alabaster

1875 verpachtete Kind die Mühle an den Kölner Bürger Karl Paffrath, der sie als Gips- und Alabastermühle nutzte. Kind sicherte sich jedoch das Recht, in den Nachtstunden von sieben Uhr abends bis sieben Uhr morgens eine Schleiferei zu betreiben. Die Familie Paffrath stellte bis nach dem Zweiten Weltkrieg Gips für die Fertigung von Heiligenfiguren her, zum Beispiel im Benediktinerkloster Maria Laach. Später wechselte sie zu hochwertigen Gipsen für Zahntechnik und Verbände. Als Gipsmühle lief die Anlage noch bis in die 1980er Jahre.

Strom aus der Strunde

Nach dem Ende der Gipsherstellung wurde die Mühle umgebaut, um Strom zu erzeugen. Führt die Strunde ausreichend Wasser, wird dort bis heute Strom gewonnen.

Zeitstrahl

  1. 1340
    Gobelin von Gierath erhält Mühlenstatt und verpflichtet sich zum Mühlenbau
  2. 1532
    Mühle als Pleißmühle zum Polieren von Harnischen erwähnt
  3. 1597
    Neuverpachtung an Johann Reinhard von Malmentier; Öl- und Pulvermühle
  4. 1806
    Johanniterkommende aufgehoben; Mühle geht in staatlichen Besitz über
  5. 1811
    Brand zerstört die Mühle vollständig
  6. 1814
    Heinrich Moll wird Eigentümer und baut neue Ölmühle
  7. 1873
    Verkauf an Eduard Karl Kind; zunächst Kohlenmühle
  8. 1875
    Verpachtung an Karl Paffrath; Betrieb als Gips- und Alabastermühle

Karte

Blaue Punkte: andere Orte in der Nähe – zum Stöbern antippen.

Das könnte dich auch interessieren – themenverwandt oder in der Nähe

Bahnhof Köln-Dellbrück

Um 1900 brachten sonntags acht bis neun Extrazüge Ausflügler nach Dellbrück. Heute hält am Bahnhof an der Strecke nach Bergisch Gladbach die S 11.

Dellbrücker Hauptstraße 143

Wohn- und Geschäftshaus von etwa 1907, das Jugendstil und Historismus mit Asymmetrie und aufgesetztem Fachwerk verbindet.

Gräfenmühle (Köln-Dellbrück)

Ehemalige Wassermühle an der Strunde, später Fahrradfabrik und ab 1905 Gummifabrik, angetrieben vom Wasserrad bis nach dem Zweiten Weltkrieg.

Kommentare

  • Lade Kommentare…

Quellen & Links

Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-11-08

Wie diese Seite entsteht

Diese Seite stützt sich auf offene Quellen — Wikipedia, Wikidata, offizielle Webseiten und offene Daten der Stadt — sowie, wo ein Ort dort geführt wird, auf grundlegende Ortsdaten und Fotos aus Google Maps. Jede Angabe wird gegen die hier verlinkten Quellen geprüft, und die Seiten werden regelmäßig aktualisiert.

Trotzdem einen Fehler entdeckt? Sag uns unten Bescheid — wir lesen jede Einsendung.

Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht?

Hilf mit, die Seite besser zu machen — schlag eine Änderung oder einen neuen Ort vor.